Wie Medienerziehung mit Kindern funktioniert.

Ich war letztens mit meinen Eltern und K1 einen Tag zusammen unterwegs. Es war klar, dass wir einige Zeit im Auto verbringen würden. Ich bereitete mich darauf vor, packte das Tablet ein, für einen Film unterwegs, die Kinderkopfhörer, zwei Bücher und mein Smartphone für die eigene Bespaßung.

Auf Reisen.
Nach dem vielerorts beachteten Event von Scoyo mit dem Thema #familiedigital  Artikel von
Berlinmittemom und ihrem Aufruf zur Blogparade, nahm ich mir einmal vor, das Verhalten der Kinder im Umgang mit den neuen Medien aufzuschreiben, zu analysieren und auch meine Gedanken zu dem
Thema einmal festzuhalten.

Tamagotchi war früher, jetzt heißt es „Puh“

Auf der Autofahrt hin unterhielten sich meine Eltern über das Entsperren von Handys und die beste Möglichkeit zur Erhaltung von „Puhs“ Gesundheit. Ich bin wirklich sehr oft erstaunt und überrascht von meinen Eltern. Beide haben die 60 überschritten, wissen jedoch ihre Smartphone zu nutzen, sind Laptop und PC Nutzer, installieren Apps und Updates und lassen sich vom jungen Nachbarn beraten, wenn sie Fragen haben. Die Zeitspanne in der all das neue digitale Wissen auf Sie eingeprasselt sein muss, erscheint mir wirklich eine kurze Zeitspanne und ich denke zum Beispiel, dass Sie auch mir
und meiner Schwester einen ganz guten Umgang mit neuen Medien (damals Fernseher, Gameboys und Videospiele beigebracht haben). Die Reise zog sich ein wenig, weil die Dame von Navi uns lieber nach Dresden, als nach Magdeburg bringen wollte, aber so blieb uns viel Zeit uns über die neuen Rekorde meines Vaters bei „Subway Surfer“ oder die „Börsenapp“ zu unterhalten, auch Blogs undWhatsapp Sicherheitslücken haben wir schon thematisiert.

Das Kind darf Handy spielen im Beisein der Mutter

K1 spielte während der langen Reise, irgendwann, auf meinem Smartphone, das Conni Mathespiel (ich weiß, ich weiß) und dann noch ein anderes Spiel. Das Tablet wurde gar nicht benutzt, der Akku war alle, wir benutzen es eben doch nur auf Reisen. Lesen unterwegs kann K1 nicht, da wird ihr übel. Ich kann das und so konnte ich weiter vorlesen aus einem Kinderbuch. Ich genieße das sehr, gemeinsam lesen mit ihr und darüber sprechen. K1 wurde während der Veranstaltung nochmals mit dem Handy von Opa und
„Temple Run 2“ beschäftigt, Kopfhörer hatte ich ja vorsorglich eingepackt. Ich probierte das Spiel auch, kann aber zu meiner Spielkarriere sagen, dass mir die meisten Handyspiele zu schnell sind und ich lieber am Handy lese oder „2048“ spiele.  Auch K1 durfte auf der Rückreise erneut dieses kleine Tamagotchi-Ding „Puh“ füttern, wir haben dieses Vieh nicht und auch sonst kein Haustier, das Kind war glücklich. Nach unserer Rückkehr gab es Sonntag noch Kino, alle gemeinsam und mit Popcorn. Handy spielen war somit erst mal wieder vom Tisch, dass hatten wir besprochen.

Wir reden über die digitalen Medien mit den Kindern.

Wir reden viel zu Hause darüber inwieweit wir die Kinder mit den digitalen Medien in Berührung bringen. Ich denke, dass dies eben die Herausforderungen dieser und folgender Elterngeneration sind, einen Umgang und ein Verständnis bei den Kindern für den Umgang und Nutzen mit digitalen Erzeugnissen und Daten zu entwickeln. Ich weiß, es ist lästig sich auch noch diese Themen auf den Tisch
zu holen, aber ignorieren geht in unserer digitalisierten Gesellschaft eh nicht und ich denke einen familiären Umgang damit sollte JEDER für sich und seine Kinder diskutieren. Medienkompetenz wird von allen Generationen erwarte, das ist Fakt. Bereits im Klassenzimmer der Grundschule von K1 steht ein Rechner, an dem die Kinder auch recherchieren können. Die Hülle an Informationen die auf uns alle einprasselt ist inzwischen so vielfältig, dass wir erst mal sondieren mussten, auch innerhalb unserer Beziehung, und uns nun in einem gemeinsamen Prozess für einige Dinge entschieden haben.

Regeln im Umgang mit modernen Medien

Bei uns zu Hause gelten folgende erprobte Regeln, wir wollen damit den Kindern einen verantwortungsvollen Umgang näherbringen. Sie gänzlich fern zu halten oder ungeschützt den Zugang zu gewähren, kam für uns nicht in Frage. Zu den Regularien gehört für uns, dass eben nur am Wochenende Fernsehen geschaut wird und dann meist ein gemeinsamer Familienfilm am Samstag, oder Sonntag. In der Woche wird gelesen und Hörspiel gehört im Wechsel, beide müssen sich lernen zu
entscheiden, in einem gemeinsamen Prozess, da sie sich ein Zimmer teilen.
Beide haben keinen Lerncomputer, oder ähnliches. Die Modelle haben uns alle nicht überzeugt,
wir lernen durch Lesen oder Erfahren, durch LÜK oder durch Handyapps die mir empfohlen worden sind.

 Fotos und den Umgang damit sollten Kinder erlernen

Die Nutzung der Telefone gehört bereits in unseren Alltag, es sind unsere tragbaren Büros, wir haben synchronisierte Kalender und bei Projekten gemeinsame E-Mail Konten. Den Umgang damit müssen wir Erwachsene manchmal noch eher lernen als dieKinder. Ausschalten, Off gehen, sich nicht einschränken im Kopf, von all den digitalen Möglichkeiten. Den Kindern ohne Fotowut, oder Ablenkungen beim Spielen zusehen, es geht, aber es fällt schwer und so erinnern wir uns gegenseitig an Familienzeit oder packen die Handys weg. Unsere Handys sind durch extra Passwörter geschützt, eine Handhabung ohne uns von beiden Kindern kommt eher nicht in Frage. Handy spielen, oder Videos schauen auf Autofahrten kann vorkommen, wird aber zeitlich begrenzt. Fotos machen wird bei uns von den Kindern eher analog erlernt, die Frage nach „Kann ich das Foto mal sehen“, lässt sich dadurch
jedoch nicht verhindern. K1 bekam zu ihrem 7. Geburtstag einen mp3 Player. Dieser ist nur für Reisen gedacht, eine tägliche Nutzung ist von uns nicht vorgesehen. Die Auswahl der Hörspiele haben wir gemeinsam getroffen, K1 kann Änderungswünsche vor Reisen einbringen. Ich sprach mit Patricia vor kurzem über das Thema und auch die Frage nach der Kontrolle von Halbwüchsigen in diesem
Zusammenhang. Ich stelle fest, dass beide Nichten zwar Smartphones haben, jedoch die Worte „Nein, keine Videos für die Kinder“ durchaus gut verstehen, Zeitlimits wurden, bis jetzt, bei beiden in unserer Obhut nicht benötigt. Ich denke auch dieses Thema wird uns demnächst noch mehr ereilen.

Ich hatte mal diese Uhr die SMS empfangen konnte, als Jugendliche

Nach der #Horstfahrt2014 fragte mich K1, wann Sie denn ein Handy bekäme. Ich antwortete „Mal sehen“ und packte gleich eine Anekdote aus. Ich selbst hatte früher nämlich diese Uhr, an
die man SMS schicken konnte. Wie hieß das das Ding nochmal? Es war jedenfalls ein Knaller und ich fand mich wahnsinnig cool. Die Anekdote interessierte K1 natürlich gar nicht, aber mich erinnerte es wieder an unseren jetzigen Status. Sicher, wir werden das diskutieren müssen, irgendwann! Vielleicht ist der Punkt gekommen, wenn sie selbst den Schlüssel benutzt, den Weg allein nach Hause gehen möchte und Anrufe alleine tätigt? Vorher sehe ich keine Relevanz für dieses Thema und vielleicht wird es eben dann auf einen Tastenknochen hinaus laufen, wer weiß? Bis jetzt haben wir für uns einen Plan im Kopf, ob dieser jedoch dann reell umzusetzen ist, das kann ich nicht sagen und es bleibt
abzuwarten. Die Herausforderung haben wir jedenfalls angenommen und wir werden die Themen nicht ignorieren. Wie handhabt Ihr es denn bei Euch zu Hause? 
 
Alu
Medienerziehung bei Kindern, Mamablog Medienerziehung
Der alte Fotoautomat tut es auch, oder?