Meine Falten erzählen meine Geschichte der Weiblichkeit

Einer Freundin sagte ich vor kurzem, dass ich mich heute alt fühle und sie fragte mich wieso. Ich sagte: „Meine Falten erzählen heute besonders Geschichten. Ich sehe sie bei meinen Blicken in den Spiegel. Ich sehe sie an und sie erzählen mir von meinen letzten Jahren. Die Falten in meinem Gesicht erinnern mich an meine Momente, die guten und die schlechten Momente und es ist an manchmal seltsam diese täglich zu sehen.“

 

 
Ich bin nicht alt, ich meine 33, wer kann da schon von alt reden? Aber ich bin eine erwachsene Frau, ich bin längst kein Mädchen mehr. Ich bin Frau, Mutter, Freundin und so viel mehr. Beim Blick in den Spiegel begrüßen sie mich diese Geschichten und Momente.

Du musst mehr schlafen

Habe ich nachts, wegen der Kinder wenig, oder schlecht geschlafen begrüßen sie mich am nächsten Morgen bereits mit einem Runzeln. Sie üben Kritik. „Du musst mehr schlafen“, scheinen sie sagen zu wollen und runzeln mich an. Ich versuche sie wegzulächeln, meine Augenfältchen dagegen zu stemmen, sie sind immerhin noch in der Überzahl.
Meine Lachfältchen um die Augen und den Mund sind mir die liebsten Fältchen. Ich käme nie auf die Idee mir diese nehmen zu lassen, wie diese Wolfgang Joops, oder Madonnas deren Gesichter nie wieder strahlend lächeln können. Maskenhaft erleben sie Momente von Freude und Leid.  Meine Lachfältchen erzählen von meinen guten Momenten der letzten Jahre. Sie erzählen vom verliebt sein und Mutter werden, sie erzählen von entspannten Zeiten mit Freunden und Familie. Sie erzählen von beruflichen Erfolgen und „Pupswitzen“ der Kinder. Sie berichten von dem Gefühl des Nachhause kommen. Sie erzählen davon, dass mir Lachen so wichtig ist und sie erinnern mich daran dies nie zu vergessen.
Meine Falten und Ich. Ein Selbstportrait!
Meine Stirnfalten runzeln sich. Eine Frechheit diese zu ignorieren. „Sie hätten mich zu der Frau gemacht die ich heute bin“, sagen sie.  Sie sind meine Sorgenfalten, meine Stress-Falten, meine Ankerpunkte um nicht allzu weit fliegen zu wollen. Laut der Kosmetikerin habe ich schon viel zu viele davon. „Ich solle weniger skeptisch sein“, rät sie mir und cremt meine Sorgen ein.

Alles an mir runzelt sich

Ich selbst schaue sie mir nur allein an. Sie erzählen von meinem Leben. Sie berichten von meinen vergangenen und aktuellen Sorgen geliebte Menschen zu verlieren, meinen Ängste als Mutter, Frau und Kollegin niemals zu genügen. Sie erzählen von Zeiten in denen wir am Ende des Monats nur noch Reis mit Sojasauce auf den Tisch stellen konnten und runzeln sich manchmal sorgenvoll wenn sie in meine Zukunft sehen. Ich kann sie nicht leiden und trotzdem sind sie ein Teil von mir.

„Ich kämme mein Haar darüber und lasse mir
einen Pony schneiden, so dass man sie weniger sieht. Sie sollen nicht Jedem ins Gesicht springen meine Sorgen.“

Meine Falten erzählen meine Geschichte.

 

Sie berichten von einem Mädchen, das sie mal kannten. Einer jungen Frau die früher anders war. Nicht weniger bunt, nicht weniger energetisch, aber sie war allein und hatte keine Sorgenfalten über die es einen Pony zu kämmen galt. Dieses junge Mädchen ist weg. An ihre Stelle ist schon vor langer Zeit jemand getreten, dessen Herz manchmal so voller Liebe und Sorgen ist, das es mich eigentlich wundert, dass meine Ohren noch keine Falten haben. Ich schaue in den Spiegel und sehe diese Frau. Und was ich sehe, das gefällt mir viel besser als dieses junge Mädchen, ohne Geschichten von Freude und Leid, was ich einst kannte.
Von dem sich alt fühlen hat Mama-notes angefangen. Von meinen Falten erzählte ich Lisa die einen wunderbaren Text über das erste graue Haar schrieb und manchmal erzähle ich auch Patricia davon und sie lächelt dann und schreibt dann einfach wieder einen tollen Text. Gerne gelesen dazu habe ich auch den Text über die ewigen 25 von weddingerberg.
Alu