Schwimmen lernen, gestern und heute…

Ich hatte eine Textperle lange vergessen, bis ich heute zum zweiten Mal beim Schwimmunterricht meines Sohnes war. Kaum hatte ich Computerzeit, da musste ich noch einmal Arschbombe von Andrea Harmonika nachlesen (Grüße).
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Hier wohnt der Meister.
Mein Sohn schien beim ersten Mal Schwimmkurs letzte Woche in die von mir besetzte Kategorie „Sportgurke“ zu fallen. Heute war es schon anders. Doch er blieb stets hinten. Die Erinnerung an meinen Versuch schwimmen zu lernen kam plötzlich wieder hoch.

Schwimmen für den Frieden, oder so ähnlich.

1988  trat man noch in ziemlich einheitlicher Bekleidung an. Damals, ich war acht, musste Fortbewegung im Wasser ja auch beigebracht und gelernt werden. Doch das Setting war eine runtergekommene Schwimmhalle in Pankow. Viele Kinder, ich glaube zwei Klassen waren es, strömten in die Halle vor. Bereits vor den ersten Trockenübungen  wurde nun gebrüllt. Ein Brüllen, was sich vielleicht darin begründen lässt, dass die Halle so groß war. Doch sicher war auch SPORT Pädagogik eher klein geschrieben im Realsozialismus. Wir wurden eingeteilt in Leistungsgruppen, einfach nach dem Anblick. Eins war die schwache, fünf die stärkste Gruppe. Ich sollte in die drei. Doch der Lehrer brüllte besonders, so suchte ich eine der wenigen Frauen auf und log „Ich hätte nicht mitbekommen welcher Gruppe ich
zugeteilt worden sei?“ Sie sagte den erlösenden Satz „Dann gehst du eben in Gruppe eins.“
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Lieber am Rand sitzen.
Nun war es in meiner Erinnerung mit den Gruppen so, dass man relativ leicht auf und absteigen konnte, das Leistungsprinzip des Staatssportes griff auch hier.

SPORTpädagogik in der DDR

Doch in Gruppe eins war Herr Pohl. Ein milder Mann, graumeliert, doch ursprünglich schwarzhaarig. Ich erinnere mich gerne an ihn. Wir probten ewig im Nichtschwimmerbecken und durften auch nur dann in das große, wenn die anderen Gruppen woanders waren. So waren die anderen Gruppen zum Beispiel beim Turmsprung (was ich nie probiert habe). Selbst ich habe es irgendwann zu einer Schwimmstufe geschafft, der Grundstufe (so in etwa Seepferdchen Niveau). Ich erinnere mich, ich durfte dann auch in Gruppe zwei aufsteigen. Die Lehrerin dort (die ich einst fragte wo ich hingehen solle) war ebenfalls wunderbar. Sie lehrte uns das Springen und Sonderschwimmarten. Doch als sie nach irgendwelchen Ferien nicht mehr da war (wohl in Rente) dauerte es nur kurze Zeit und ich war wieder ein Einser….
Schwimmschule für die Sportgurke (mich).
In meinem Grundschulleben sollte ich dann (aufgrund einer Umstellung in Folge einer nicht unbedeutenden politischen Wende) ein drittes Jahr in die Schwimmschule. Meine Mutter verstand mich und erwirkte eine Freistellung. Auch in der Oberschule schwamm ich noch mal zwei Semester
vor mich hin, doch unser Sportlehrer war eher von der entspannten Sorte und mir immer angenehm.
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Gab es früher nicht diese Anzüge

Schwimmen lernen im Jahr 2017.

Es ist 2017. Die Schwimmlehrer stehen nicht am Beckenrand in kurzer Hose und Sporthemd. Sie sind mit im Wasser drin. Keine Angeln, Stäbe, oder andere langstieligen Dinge die zwischen den Lehrern und den Kindern stehen.
Sechs bis acht Kinder und drei LehrerInnen bestreiten in 30 Minuten einen Schwimmkurs. Die Trainer arbeiten im Akkord und sind dennoch sehr freundlich zu allen Kindern. K2 wurde bereits jetzt viel
begleitet und hat schon Fortschritte gemacht. Dabei ruft der Sohn mich oft und ich goutiere das was er da im Nassen macht. Wir strahlen gemeinsam und ich merke, dass mein Sohn sich sogar bereitwillig die Haare nass werden lässt,selbst die Dusche im Anschluss macht ihm Freude. Ich glaube, ich habe ihn heute während er mit einer Schwimmnudel durch das warme Wasser kreiste, ein Lied
summen hören. Ich bin stolz!
Der Weg zum Seepferdchen.
Ich wünsche mir, dass auch er bald einen Aufnäher mit dem kleinen Wassertier tragen kann, vielleicht auch ein Jugendschwimmabzeichen, irgendwann. Er wird schwimmen und das zählt. Als ich da so rumsaß und auf das Wasser schaute erwischte ich mich das erste Mal dabei, dass ich mir vorstellen konnte auch noch besser schwimmen zu lernen. Vielleicht einmal ein Sprung vom fünfer Brett, oder mehr Schwimmarten als der „bleierne-Enten-Brustschwimmstil“ mit hängendem Gesäß. Zumal meine Frau und die große Tochter Wasserratten sind und der Sohn es noch werden könnte – und ich?
Vielleicht finde ich ja doch noch einen Kurs für Grundstufenschwimmer jenseits der 30, mal sehen.
 Konsti