Wenn Historiker bei Ihren Betrachtungen das Wort „lang“ einfügen, dann meinen Sie es wirklich ernst mit der Betonung. Besonders bekannt beim „langen 19. Jahrhundert“, da diese Zeit von Napoleon bis zur Auflösung der feudalen Systeme alles zu bieten hat, ist es lang – soweit so klar.

Das Vorschuljahr ist das längste Jahr für Kinder und Eltern.

Für mich gibt es derzeit eine Jahr, das diesen Titel verdient hat. Das letzte Kitajahr unseres Sohnes. K2 hat nämlich für die Zeit vor der Schule von uns noch einen Kitawechsel verordnet bekommen. Das war hinsichtlich des zerrütteten Vertrauensverhältnisses zur alten Kitaleitung, dem Weggang nahezu aller großen Kinder und der Hoffnung auf Vorschulförderung genau richtig.

Nun, nach fast neun Monaten muss ich jedoch eingestehen, nicht alles lief so wie erhofft. Das Klima in der neuen Kita ist für das Kind und uns besser. Doch irgendwie gibt es hier bisher auch keine Vorbereitung auf die Schule. Vielleicht ist meine Erwartung auch zu hoch.

Was bedeutet Vorschularbeit überhaupt?

Ich kann es zumindest aus der Erfahrung von mit der großen Tochter spiegeln. Dort wurde Wert gelegt auf selbständige Hygiene. Auf gutes An- und Ausziehen und auf Grundregeln wie Sie in der Regelschule nützen würden. Es wurde Schule gespielt und sich melden gelernt. Und die Erzieherin ging mit der Gruppe der Vorschulkinder jeden Schulweg einmal ab. Auch wenn unsere Tochter schließlich auf einer Montessori-Schule landete, deren Regeln wesentlich weniger streng als die des Schulespielens im Kindergarten waren, war es ein gutes Gefühl – nicht zuletzt für uns Eltern.

Wir waren sehr gespannt aufgrund des Wechsels in das echtere Leben. Ein Stück Kindheit war beendet und schien uns zumindest halbwegs von Erziehungsprofis begeleitet worden zu sein. Ja, denn wir als Eltern wussten und wissen nicht wie man gut auf Schule vorbereitet. Umso mehr freuen wir uns über Hilfe.

Vorschulangebot = Vorschularbeit?!

Und nun beim Sohn, dem etwas Hilfe auch nützen könnte haben wir das Gefühl diese ist nicht im Angebot. Natürlich macht er riesige Schritte, ist wissbegierig und fragt nach Buchstaben und Zahlen und wir bemühen uns gemeinsam mit seiner Schulkind-Schwester viel zu bieten. Doch dieses Mal fehlt ein gutes Vorschulangebot.

In der alten Kita hatte man keine Zeit und sah nach den Heilungserfolgen (!ja, hier war man der Meinung man heile die Kinder) auch keinen Bedarf an Vorschularbeit. Zudem wurde ständig festgestellt man habe alle Hände voll mit den neuen Kindern zu tun und K2 fiel ständig aus dem Rahmen.

 

Was ist schon Schule, dachte ich skeptisch bei mir – und die aufkommende Panik sagte mir zu viel um es zu vernachlässigen. Derweil in der neuen Kita höre ich, man sei noch in der Gruppenbildungs- und Findungsphase (was ich an sich sehr gut finde, denn dort ist man behutsam und vorsichtig). Nun hoffe ich auf die Bezugserzieherin, sie plant ein schulvorbereitendes Programm in den letzten Monaten also nun bald – aber ein Konzept habe der Träger dafür bewusst nicht.

Ist Elementarpädagogik nicht mehr en vogue?

Mein Gefühl scheint hier bestätigt, dass es in der Elementarpädagogik entweder nicht mehr en vogue ist auf die Schule vorzubereiten, oder aufgrund der großen Nachfrage bei Kitas die Kapazitäten nicht mehr gegeben sind. Noch schlimmer wäre es hingegen wenn meine gefühlte Unterstellung zuträfe, man vernachlässigte es wissentlich, denn was sollen einem Eltern schon antun können. Diese müssen doch dankbar sein einen Kitaplatz ergattert zu haben…

 

Was denkt Ihr? Wie wichtig ist Vorschularbeit in Kindertageseinrichtungen?

Liegt die Aufgabe überhaupt dort oder sollen Schulvorbereitung die Eltern leisten?

– und wenn ja, dann sagt mir gern: Wie?

Konsti

Mehr dazu:

Schulreif! Schulreif? – Was soll das überhaupt sein? Über die Einschulungsuntersuchung

das lange letzte Vorschuljahr