„Ding Dong“. Der Postbote hat geklingelt, ich zerre das Baby vom Busen und bekleide mich notdürftig. „Ding Dong“ würden sonst auch meine Brüste machen wenn ich kein Shirt drüber ziehen würde und ich weiß nicht welche bleibenden Schäden solch eine Begegnung beim Postboten und bei mir hinterlassen würde.

Seit nunmehr 11 Monaten stille ich dieses Baby, DIESES BABY. Ich bin selbst sehr verwundert über die Entwicklung, denn bei den anderen Kindern konnte und wollte ich nur sehr kurz stillen und war eigentlich nicht gewillt der Stillsache noch einen weiteren Versuch einzuräumen, aber irgendein Antrieb (und mehrere Gespräche mit meiner Hebamme) hat es mich dann eben doch probieren lassen, mit Stillhütchen und Muße und sehr viel Zeit.

Bleib an meinem Busen Baby

Fast fünf Monate, viel Austausch mit der Mütterpflegerin (und auch mit Internetfreundinnen) hat es gedauert bis das Baby und ich uns irgendwie eingegroovt hatten. Milchstau folgte auf Milchstau, wahnsinnig langes Einschlafstillen folgte auf noch längeres Aufstehstillen. Gefühlt verbrachte ich die ersten vier Monate mit diesem Kind im Bett um zu schauen wie wir mit der Stillerei zusammenkommen, denn eines war dieses Mal klar: Wir wollten beide und es lief (und lief) irgendwie auch gut und war schön.

Ich wurde immer sicherer im Umgang mit meinen Brüsten und somit auch offener damit. Familie, Freunde und Bekannte lernten meine Nippel kennen und ab und zu merkte mein Mann sowas wie „Ich finde es so toll, dass ihr das dieses Mal hinbekommen habt. Ich bin echt stolz auf dich“, an. Ich war auch stolz, sogar sehr. Endlich gehörte ich zu diesen Frauen die immer und überall stillen konnten und das ist schon ziemlich praktisch, aber schränkt einen eben auch ein.

Wie kann der Vater mal übernehmen?

Sieben Monate sind seit dem Umstieg auf reibungsloses Stillen vergangen, das Baby isst inzwischen Breie und Fingerfood mit uns mit. Es trinkt Wasser (und wirklich nur Wasser, auch keine abgepumpte Milch) denn das Baby hat eine Laktoseintoleranz. Immer wieder haben der Mann und ich probiert dem Baby  auch mal Milchflaschen anzudrehen um dann live zuzusehen wie sich Mund, Kinn und Wangen fleckig rot verfärben und dann alles erbrochen wird, unschön und am Anfang auch wirklich beängstigend.

Irgendwann wünschte ich mir immer häufiger eine Umstellung auf die Milchflasche denn das Gefühl von Abhängigkeit erdrückte mich. Immer und überall bereit stehen um das Baby zu stillen? Wie sollte ich jemals am Abend das Haus verlassen können wenn Einschlafstillen das nonplusultra für das Baby ist? Wir sprachen viel darüber, über die Vor- und die Nachteile vom Stillen, über das Gefühl als Mutter gebraucht zu werden, aber auch immer vor Ort sein zu müssen und vom Gefühl des Vaters nicht gänzlich beteiligt sein zu können.

Was sind die Alternativen?

Immer wieder kamen wir mit dem Kinderarzt im Gespräch. Reismilch, Hafermilch und laktosefreie Produkte hatten wir nun schon angetestet, bis dato bestand jedoch kein Interesse von Babys Seite aus.

 

Der langsame Abschied ist nah.

Dafür besteht auch mit mehr als 11 Monaten weiterhin Interesse an meinen Brüsten, eigentlich immer und überall, aber das habe ich nun vor einiger Zeit gestoppt. Ich will nicht mehr jederzeit die Brüste „Ding Dong“ machen lassen und freue mich auf meine alten Oberteile. Ich habe uns langsam auf nur noch nachts und frühs stillen reduziert. Das Baby ist darüber nicht immer erfreut, aber ich bin es schon denn ich möchte den Mann auch beteiligen und ich möchte mich freistrampeln von dieser körperlichen Abhängigkeit. Ich möchte meine Brüste wieder gezielt für mich nutzen können.

Ich hattbe eine Stillbeziehung, wer hätte das gedacht?

Ich muss ehrlich sagen, ich bin zufrieden mit unserer Stillbeziehung bis zu heutigen Tag. Ich hätte nie gedacht, dass wir mal soweit kommen können, das ich es schaffen kann. Ich meine 12 Monate stillen irre!

Ich bin oft wirklich überrascht und sehr verwundert über mich und über das Baby. Ich habe aufgrund meiner Vorerfahrungen Langzeitstillende eher immer belächelt und mein Blick darauf hat sich gewandelt. Ich habe gedacht ich höre konsequent nach sechs Monaten auf, aber dafür hätte sich der Aufwand dann gar nicht gelohnt. Ich habe immer gedacht ich könnte mich davon abkoppeln aber das stimmt nicht.

Die Weltstillwoche ein Thema für mich?

Derzeit tut dem Kleinsten und mir die Nachtstillerei noch gut, aber wir werden diesen letzten Schritt der körperlichen Abnablung auch demnächst gehen, ich fühle das. Für mich stehen mit dem Herbst Veränderungen an die ich auch wahrnehmen möchte und mein Gefühl sagt mir sehr deutlich, dass nun ein Ende gekommen ist.

Manchmal wenn in den frühen Morgenstunden der Postmann klingelt, dann zerre ich an meinem Shirt und hätte gern die guten alten Milchflaschenzeiten der großen Kinder zurück um nicht doch eines Tages Gefahr zu laufen oben ohne die Tür zu öffnen…also wird es wohl langsam Zeit für ein Ende.

Alu