…ja es ist in meiner Wahrnehmung im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) der Hauptstadt eher eine Schlagzeile wert als umgedreht. Daher bleibe ich beim Alltäglichen.

BerlinmitKind

Denn womit man fährt, ob Bus, Straßenbahn, U-Bahn, S-Bahn oder Regio irgendwas erlebt man immer. Neben den typischen hausgemachten Problemen der Beförderungsunternehmen sind darunter manche eklige Sachen und komische Dinge. Doch da ich mich nicht lange bei Körperflüssigkeiten aufhalten will, berichte ich hier von den ganz besonderen Alltäglichkeiten.

Besonders war in meiner Laufbahn als Bahnfahrer die Vielfältigkeit der mitgenommenen Objekte, Matratze, Schrank aber auch ein Pony (o.ä.). Irgendwann im Sommer auf der Ringbahnlinie stieg ein Mann mit einem kleinen Pferd ein. Ohne für etwas werben zu wollen oder zu betteln oder sonst wie aufzufallen. Beide stiegen nach drei Stationen aus und hinterließen offene Münder, staunende Gesichter und etwas Stallgeruch. Die Stimmung daraufhin war ausgezeichnet im Waggon. Dabei trieb mich die Frage um, was für eine Fahrkarte der Mann wohl für sein Begleittier gelöst hatte.

Eine andere schöne Begebenheit hatte ich in meiner Zeit als Jugendbildungsreferent.

Wir waren mit den Jugendlichen in Berlin unterwegs und auf dem Weg zu unserer logistisch schlecht gelegenen Unterkunft. Es gab einen Nachtbus von dessen Haltestelle wir statt 45 nur noch 15 Minuten hätten laufen müssen. Alle waren nach 10tägiger Deutschlandrundreise erschöpft. Als wir endlich in den Nachtbus einstiegen fragte mich der Fahrer wohin wir denn wollten. Kurzerhand schlug er vor uns doch bis fast vor unser Hostel zu bringen. Die Nacht war gerettet. Ja, Berliner Busfahrer sind etwas Besonderes. Und glaubt mir wenn man freundlich grüßt kommt auch oft etwas Ähnliches zurück. Übrigens haben mir verschiedene Freunde später ähnlich freundliche Erlebnisse mit Nachtbuslenkern berichtet #weilwirdichlieben.

Und noch ein Erlebnis: Der kommentierende S-Bahn-Fahrer.

Es war Sommer, irgendein internationales Fußballevent und ich während eines TOP-Spieles unterwegs. Der Fahrer ließ es sich nicht nehmen den Spielverlauf durch die Sprechanlage durchzugeben. Fast wären Manni Breuckmann und Sabine Töpperwien (bekannte Fußballkommentatoren) neidisch geworden.

Wobei lustige Sprüche vom fahrenden Personal kriegt man in Berlin eh schnell ab. Und noch häufiger sind die Vorgänge in den Wagen. Dabei ist selten etwas besonders schlimmes dabei. Da werde ich schon einmal zum Stadtführer. Oder die anwesenden Berliner diskutieren über die besten Anschlussmöglichkeiten für die englische Pfadfindergruppe oder ein Kind wirft sich unvermittelt schreiend auf den Boden (wer kennt das nicht?) und die Mutter erhält Ratschläge und ein Lächeln oder ein Biertrinker lädt alle ein und gibt Pilsator aus bis die Stiege leer ist oder der lossausende Ballon vom Weihnachtsmarkt belustig alle Anwesenden und schafft fas eine ganzen Viertelzug weit oder ein Punk bietet der alten Dame einen Platz an woraus sich ein sehr freundliches Gespräch entwickelt oder ein Poser macht Klimmzüge und fällt dabei herunter oder ein Idot pöbelt rum und bekommt es von drei Seiten zurück oder eine Frau hakt sich ein, weil sie allein so schlecht Treppen laufen kann. Um ehrlich zu sein „Ist mir egal“ ist anders. Es lebe die Bahn, die BVG und alle die diese mit Leben füllen (meistens, die Defizite in der Nahverkehrsplanung blenden wir aus).

Doch kaum einmal passiert lediglich das banalste was es im ÖPNV geben müsste eine Fahrt zum Ziel. Wenn es soweit kommt, dann nehme ich mir meine Kopfhörer und träume mich weg.

Naja, wenn.

Konsti

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