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Schulkind

Ich dachte meine Kindheit dauert noch ein bisschen länger #Coronatagebuch

Morgen beginnt für unseren Sohn wieder die Schule und passend zum heutigen Wetter, sind unsere familiären Gefühlslagen dazu auch sehr durcheinander. Irgendwie freuen wir uns als Eltern darauf, dass der Sohn aus der Isolation herauskann. Seine Geschwister sind neidisch, denn für die Beiden wird es noch länger dauern, bis sie wieder in ihre Einrichtungen können. Andererseits sorgen wir uns auch darum, wie er die vielen neuen Hygieneregeln befolgen und verkraften wird.

Heute sind wir mit ihm die gesamten Regeln durchgegangen und haben sie besprochen. Einige Dinge davon sind für ihn schwer zu verstehen und auch umzusetzen. Sich mit bestimmten Angewohnheiten zum Beispiel nicht ins Gesicht zu fassen, das wird sehr schwer für ihn. Den Abstand von 1,5 Metern einzuhalten wird ebenfalls schwer. Wir haben unserem Kind heute versucht die Abstände mit einem Gliedermaßstab zu zeigen, aber für ihn sind diese Abstände seltsam und unwirklich. Er ist kein besonders körperlicher Typ, aber diese genauen Maße werden ihn wahrscheinlich sehr unter Druck setzen.

Bevor er morgen für sehr wenige Stunden wieder zur Schule gehen kann, haben wir heute seinen Schulrucksack beräumt. Zum Glück haben wir keinerlei ungebetene Gäste (also alte Schulbrote) gefunden und auch noch unentdeckte Legoschätze geborgen. Wir haben seine Hefte sortiert und die Stifte gespitzt.

Zum Abend hin haben wir noch eine eigene Dose mit Seifenflocken für ihn vorbereitet und seine zwei Mundmasken gekocht und möglichst steril verpackt. Wie und wann er diese tragen soll, das wird er morgen erfahren.

Soeben habe ich ihn nochmal geduscht und ihm die Haare gewaschen. Er hat mir gesagt, dass er eigentlich noch nicht so gern zur Schule möchte. Er hat ein bisschen Angst und weiß gar nicht so genau, wie das alles werden soll. Ich habe zugehört und ihm versucht die Angst zu nehmen, aber ich glaube, das ist mir nicht besonders gut gelungen. Diese innere Unsicherheit, sie hat auch mich fest im Griff.

Eben habe ich ihn ins Bett gebracht und lange mit ihm gekuschelt. Die letzten Wochen waren für uns sehr anstrengend. Man musste permanent neben ihm sitzen, in seinen Online-Stunden ist er regelmäßig verschwunden. Ich habe etliche graue Augenbrauen dazu bekommen und mich oftmals über ihn geärgert, aber die Tage waren eben auch schön und nah.

Wenn die Buchstaben zu Tränen führen M-A-M-A #Coronatagebuch

Ich habe Seiten an meinem Sohn entdeckt, die mir vorher verborgen schienen und konnte dabei zusehen, wie er als Kind über sich hinausgewachsen ist.

„Mama, ich dachte meine Kindheit dauert noch ein bisschen länger“, sagte er heute Abend, bevor ich das Zimmer verließ und irgendwie verstehe ich das, denn ich glaube auch wirklich, dass mit dieser neuen Art von Begegnung und Schule ein Stückchen Kindheit verloren gegangen sein könnte.

Uff

Alu

Meine_Kindheit_dauert-länger

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1 Comment

  • Rainer Kirmse , Altenburg
    13. Dezember 2020 at 08:17

    CORONA WEIHNACHT

    Versagt ist uns jedes Event,
    Vermummt geh’n wir in den Advent.
    Weihnachtsmarkt und Glühwein ade,
    Solch Christmas tut uns allen weh.
    Geschlossen Cafes und Kneipen,
    Wir sollen zu Hause bleiben.
    Abstand halten ist angesagt,
    Jede Diskussion ist gewagt.
    Wir meiden Umarmung und Kuss,
    Es wachsen Ärger und Verdruss.
    So schwindet langsam das Vertrau’n
    In Sinn und Nutzen des Lockdown.
    Lasst uns besteh’n den Härtetest,
    Damit retten das Weihnachtsfest!

    Rainer Kirmse , Altenburg

    Ein frohes Weihnachtsfest
    und alles Gute im neuen Jahr!

    Herzliche Grüße aus Thüringen

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