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Schulkind

Ein Innehalten ist nicht in Sicht – Schulsorgen mitten in Corona

Momentan ist nicht gewiss, ob die Heimbeschulung nicht wieder für alle zurückkehrt. Vieles deutet seit  Mitte März 2021 auf eine dritte Welle und somit auf einen neuen Lockdown hin. Doch noch ist es nicht soweit. Auch wir genießen es momentan, dass die Kinder in Teilen wieder etwas Normalität leben können. K2 geht vormittags zur Schule und K3 hat reduziert seit vergangener Woche Kita. Trotzdem sind wir immer noch voller Sorge.

Doch wir alle brauchen es auch, diesen Anschein früherer Zeiten. Übrigens ist K1 als 8. Klässlerin noch immer daheim. Unserem Gefühl nach lief es bei ihr die Zeit ganz ordentlich. Obwohl es viel war, was über die Kanäle von ihrem Gymnasium zu Hause ankam. Mittlerweile hat sie auch wieder Arbeiten geschrieben. Einige ihrer  Noten haben sich (wenn überhaupt) leicht verschlechtert. Aber ehrlich gesagt ist uns das egal, denn wir wollen vor allem, dass sie mitten in der Pandemie und Pubertät gut durchkommt. Eigentlich ist es bei ihr noch zu früh für solche Festlegungen. Wir bemerken aber, dass der Leistungsdruck wieder hoch ist bei Kindern und Eltern an ihrer Schule.

K2 geht schon länger wieder in seine Schule. Nun kam die erste Abrechnung.

Die Heimbeschulung hat ihn zurückgeworfen. Es bleibt abzuwarten ob er das Stufenziel erfüllt. Zwar hat er generell einige Probleme wie, z.B., Schreiben. Doch diese haben sich durch die Heimbeschulung verstärkt. Dabei war die Lehrerin hoch engagiert und immer mit allen Beteiligten im Austausch. Aber die kurzzeitige Hoffnung “Lernen zu Hause” könnte bei ihm zu vergleichbaren Ergebnissen führen ist nun dahin. Sicherlich hätten wir noch mehr machen können, um ihn zu unterstützen nur wann (wir sind nun mal auch keine Lehrer/Lehrerinnen)? Außerdem benötigt gerade unser Sohn besondere Unterstützung, darüber haben wir schon oft geschrieben. Das, was wir aus der Schule hören ist gut. Er ist eifrig dabei. Obwohl er sich kaum äußert, merken wir ihm an, dass es ihm oft gut tut zurück zu sein. Lernen vor Ort ist für ihn nicht einfach ersetzbar.

Ein warmes Herz

Nichtsdestoweniger haben wir nun den Salat.

Unser besonders Kind droht Lernnachteile aus der ganzen Corona-Nummer mitzunehmen. Denn die Entscheidung, dass ein Kind vielleicht eine Klasse wiederholen muss, müssen  wir Eltern mit ihm besprechen und dann auch mittragen. Daher haben wir nun Kummer und die Diskussionen. Was können wir leisten bis Ende des Schuljahres? Wie sollen wir das alles schaffen? Wie kann das Kind das tragen? Zurückgesetzt fühlt sich das Kind sowieso schon, immer nur Schule und keine Freunde, ist doch doof.

Schulsorgen mit Corona_grossekoepfe.de

K2 hat einen Computer gebastelt.

Die Sache an sich ist keine große Sorge, „sitzenbleiben oder strecken oder wie das heißt“ ist kein Problem. Doch es macht auch etwas mit den Kindern. Vor allem sind die, die dem hohen Leistungsnorm nicht immer entsprechen diejenigen, welche trotz guter Förderung in Mitleidenschaft gezogen werden. Andererseits klingt es noch in unseren Ohren: Niemand soll schulisch Nachteile aus COVID erfahren. Dies ist jetzt schon nicht mehr einzulösen. Denn irgendwie müssen die Schulen es ja handhaben. Wir haben zwei Kinder im Schulsystem. Eines bekommt es hin, das andere nicht so recht. Helfen könnte hier verordnete Gelassenheit und eine Pause für alle.

Ein Innehalten ist jedoch nicht in Sicht. Schade, wieso können wir nicht den Leistungsdruck pausieren und somit mehr Schüler oben halten, wenn sonst alles pausiert?

Konsti und Alu

Wir haben lange überlegt ob wir über dieses Thema schreiben, aber wir möchten unsere Stimme immer wieder auch für die Themen nutzen, die nicht nur rosarot sind. Es geht vielen Kindern und Eltern gerade so, diese werden aber im Moment total vergessen.

Lernnachteile aus der Corona Pandemie

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6 Comments

  • Tina
    20. März 2021 at 22:07

    Hallo ihr beiden. Ihr seid nicht allein!
    Ich lese diese Zeilen, wie so viele von euch, eigentlich nur leise mit, aber in diesem Moment schreibt ihr mir aus der Seele und ich fühle mich nicht ganz so allein mit meinem Rucksack voller Sorgen. Unsere große ist in der 2. Klasse und es ist soo, soo unglaublich schwer. Sie müssen so viel schultern, so viel ertragen, sich gedulden und ich kann ihr nicht sagen: ” komm, wir beißen nochmal die Zähne zusammen, nächsten Monat, Woche,… ist alles wieder gut.” Das nervt, es zerrt und die Nerven liegen blank. Bei uns allen. Und dabei sollten doch gerade die ersten Jahre in der Schule Freude bedeuten. Spaß am lernen. Das Lernen lernen. Aber da ist nur noch Frust. Und die Angst bei uns Eltern, das sie auf der Strecke bleibt. Das sie abgehängt wird. Das dieses fröhliche, kluge, neugiere Kind irgendwo zwischen homescholing, Quarantäne und all dem Streß verschwindet.
    Wir sind alle so müde. Innehalten klingt wie ein Traum, oder wie etwas, das wir uns während einer Pandemie einfach nicht erlauben können.

  • Wenji
    20. März 2021 at 23:11

    Das habt ihr wirklich toll geschrieben und jedem
    Wort kann ich nur nickend zustimmen. Es ist schwer für unsere Kinder in dieser unkontrollierbaren Zeit. Es gibt soviel „ Nein das geht nicht“, „Wir wissen nicht wie lange ihr noch zu Hause bleiben müsst“, „Wir können nicht sagen, wann die Kita/Schule wieder öffnet“….Die Kinder sind die Leidtragenden und das sagen ich als Mama und Lehrerin. Ich sehe es an meinen eigenen Kindern und an meinen Schülern. Es ist natürlich wieder eine schöne Idee von Seiten der Politik, dass jedes Kind die Möglichkeit hat das Schuljahr problemlos zu wiederholen. Niemand hat darüber nachgedacht was das mit den Kindern macht. Wer erklärt ihnen, dass sie das Schuljahr wiederholen sollen und dazu die Klasse und Ihre Bezugspersonen wechseln müssen? Das machen wir Eltern. Ich bin auch für weniger Leistungsdruck, für individuelle Förderung und ein bisschen mehr Kind sein lassen. Ich wünsche uns allen weiterhin viel Kraft.

  • TAC
    21. März 2021 at 09:57

    Ich danke euch von Herzen für den Artikel.
    Ich habe lange Zeit geschwiegen, aber letzte Woche musste ich schreiben. Ihr könnt die zwei Einträge auf meinem Blog gerne nachlesen. Im ersten geht es um die Mühlen, in die wir als Familie zwingend geraten sind, weil ein Kind in Kleintöchterchens Etage im Kindergarten positiv getestet wurde.
    Im zweiten geht es darum, dass unseren Kindern ein Jahr Kindheit gestohlen wurde. Sie können das niemals nachholen. Auch die schulische Situation bei unseren Kindern ist Thema. Grad bei Sohnemann gibt es ja Parallelen zu eurem Sohn.
    Den Politikern ist das alles gar nicht bewusst. Was macht es mit einem Kind, das im Rahmen der Selbsttests (die in Sachsen Pflicht sind um die Schule zu besuchen, derzeit ab Klasse 5, nach Ostern soll das wohl auf Grundschulen ausgeweitet werden) positiv testet? Was macht es langfristig mit den Kindern, die nur noch mit Vorschriften leben?
    Ich persönlich hab vor dem Virus keine Angst, wohl aber vor dem, was derzeit mit den Menschen passiert.
    LG von TAC

  • Sarah Kroschel
    21. März 2021 at 10:08

    Ich merke, dass es unserem auch nicht gut tut zu Hause zu lernen. In der Schule hatte er nie Probleme, kam immer gut mit und war immer ganz vorne dabei. Seitdem er aber zu Hause arbeiten muss merke ich, wie er es schwer geordnet bekommt, gerne mal den Überblick verliert…ruhiger wird. Er braucht den direkten Kontakt zu den Lehrern, dabei scheint er weniger unsicher zu sein, während er zu Hause ständig scheinbar Angst hat Fehler zu machen und diese dann tatsächlich auch macht.
    Das frustriert ihn und er selber sehnt sich nach Schule, auch wenn diese ja auch nur unter erschwerten Bedingungen mit Maske und Co stattfindet. Hier stehen nun auch zwei Arbeiten an und ich befürchte er wird erste Enttäuschungen erleben… abwarten

  • Oda
    21. März 2021 at 12:19

    Unabhängig von Corona kann man sich ja auch die Frage stellen, ob es für ein Kind so gut (von „schön“ mal ganz abgesehen) ist, wenn es mit allem Strecken „nur“ fürs Bestehen reicht und die Schulleistung Maß aller Dinge ist. Eine gute Freundin hat ihr Kind selbst entscheiden lassen, weil sie gesehen hat, wie viel Stress die Kinder haben und wie wenig Zeit für sich selbst und das Leben bleibt. Trotz guter Noten wollte das Kind dann lieber auf die Werkrealschule wechseln. Hat nun Zeit für Hobbies, lernt eigeninitiativ eine weitere Fremdsprache, macht eine eher ausgefallene Sportart mit viel Disziplin und spielt ein Instrument – alles auf eigene Veranlassung hin. Anfangs haben die Eltern auf Themen aufmerksam gemacht, mitgeübt und angeleitet, jetzt sucht das Kind sich eigene. Lernt, sich selbst zu organisieren und vieles weitere fürs Leben. Schule nimmt weniger Raum ein und Freunde findet man über gemeinsame Interessen sowieso. Abitur kann man ja trotzdem machen, oder später auch mit Ausbildung und Arbeitserfahrung ohne studieren, falls einem das Sorgen machen sollte. Manchmal ist weniger tatsächlich mehr – auch zu Corona-Zeiten. Gerade da, eigentlich.

  • Lio
    23. März 2021 at 13:18

    Moin,
    ich glaube, es gibt wichtigere Dinge als gute Noten und in vorgegebene Strukturen passen.
    Es ist der Glaube an sich selbst, Mitgefühl und Freundlichkeit für sich, Eltern, die hinter einem stehen, Entscheidungsspielräume haben und für sich das passende auswählen können, akzeptieren, dass die Welt mitunter verdammt unfair ist und es trotzdem gute Lebenswege gibt, genug zu Essen und geliebt zu werden, …
    Und damit will ich nicht sagen, dass das nicht eine sehr schwierige und sehr wichtige Entscheidung ist, vor der ihr da steht. Nur noch eine Perspektive hinzufügen.
    Liebe Grüße
    Lio

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