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Was wir alles vergessen werden – Leben mit Kleinkind

Man sagt vor dem 3. Lebensjahr erinnert man sich an nichts (oder kaum etwas). Dabei ist gerade diese Phase eine, die Eltern gerne mehr erinnern würden. Viele Kindheitsgeschichten über mich kommen aus meinen ersten drei Lebensjahren. Für mich sind diese Ereignisse bewusst nicht mehr vorhanden. Ich verbinde sie mit Bildern in meinem Kinderfotoalbum. Von diesen hatte meine Mutter viele für uns zwei Geschwister gemacht, wenn auch teilweise im Nachhinein. Wenn ich an den Fotoschrank ging, konnte ich für jeden Jahrgang mindestens ein Album herausziehen, bis heute. 

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Leider haben wir diese Tradition hier nicht so recht übernommen – aber kann ja teilweise noch kommen (wir packen Erinnerungsfotos in Kisten und hoffen auf lange Winterabende).

Eine Geschichte erinnere ich, doch ich weiß nicht ob aus eigener direkter Erinnerung, oder aus Erzählungen. Es war der Familienurlaub an der Ostsee. Wir waren am Strand und als meine Eltern einpackten, war ich verschwunden. Man hat mich dann im Häuschen des Rettungsschwimmers gefunden. Ein schlimmes Trauma hat es nicht hinterlassen. Nur das Bild in meinem Kopf. Ich in einer Bude, auf einem Bierkasten sitzend. Wenn ich heute danach frage erinnern sich meine Eltern an dieses Detail nicht. Vielleicht ist es also mein Original-Erinnerung Bruchstück.

Was wir alles vergessen werden - Leben mit Kleinkind

Was kommt und was bleibt

Unsere jüngste Tochter ist nun auch drei  Jahre alt. Trotz aller Anstrengungen eine wunderbare Zeit mit ihr. Voller Witz und Charme und wunderbarer Wortkonstrukte und Erlebnisse. Jeden Morgen wenn ich sie zu Kita bringe, haben wir irgendein Gespräch. Alltäglich meist, aber ganz besonders. Typische Themen für ein Kleinkind: Was macht die Feuerwehr da? Wo will das große Auto hin? Ich will die Erste sein Papa! Es sind aber auch Kapriosen und zeitweise unglaublich gefühlvolle Bekenntnisse gespickt mit Liebe.

Ihr merkt schon, die Einzelheiten habe ich mir gar nicht gemerkt (ist wohl ein Fehler im Elternhirn). Doch das wohlig warme Gefühl, das habe ich noch. Wie komme ich wohl mit diesem Vaterdings bei der Kleinen an? Was denkt sie? Später wird sie sich wohl an diese glücklichen Momente nicht mehr bewusst erinnern. Und ich werde bis auf manches Video Schnipselchen und allgemeine Erinnerungen, wie “damals, da habe ich dich oft mit dem Auto zu Kita gefahren” angewiesen.

Es bleibt nur dieses Gefühl.

Neulich zum Beispiel ging sie mit Alu zum Ponyhof. Die kleine Fee durfte auf dem Pony reiten. Meine Frau berichtete, dass K3 das Pony voller Respekt begrüßte mit: „Hallo meine Hübsche“ und zwischendurch „Danke, dass du mich trägst“ immer wiederholte. 

Danke, dass du mich trägst liebes Pony!

Was für ein herrliches Erlebnis, anrührend und typisch für diese Lebensphase der Kinder. Schade, dass es nicht zweifach erinnerbar ist, von Eltern und Kinderseite. Die Kinder bleiben auf unsere Berichte angewiesen. Doch vielleicht ist dies auch gut so. Gut möglich, dass uns Erwachsenen die Verknüpfungen im Kleinkinder Hirn überfordern würden, weil sie zu anders, zu intensiv oder zu sonst was sind. Was für ein Faszinosum – so ein Kleinkind mit seinen Erlebnissen.

Was wir alles vergessen werden - Leben mit Kleinkind

Und später haben wir Eltern im Konflikt oder Abnabelungsprozess noch immer dieses besondere Gefühl, wenn wir auf unsere großen Kinder schauen. Ein Überfluss an Emotionen, den diese nicht verstehen und nicht erinnern.  Es bleibt zu hoffen, dass sie es irgendwann nachvollziehen können, als reflektierte Beziehungsmenschen, oder sogar Eltern. 

Ich wünschte manchmal das Erinnern, wäre mehr als Erinnerung später.

Was denkt ihr?

Konsti

 

Konsequent oder inkonsequent oder irgendwas dazwischen

 

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6 Comments

  • Ireen Brinkmann
    13. November 2019 at 13:04

    Ich liebe deine Texte und ja, ich bin auch dafür, dass “Erinnern mehr als Erinnerung wäre“!
    Großartig und dankbar, dass wir die Eltern sein dürfen, die wir uns gewünscht haben zu sein! Gewiss macht jedes Kind seine eigene Geschichte aus unserer Elterngeschichte😉 So bleibt es stets Wahrnehmung von ihm, meine Wahrnehmung und ein gemeinsamer Weg!
    Danke für die Worte Konsti!
    Ireen

  • Zeynep Gesella
    13. November 2019 at 21:54

    Ich habe Tränen in den Augen. Ich denke da genauso wie du! Was bleibt an Erinnerungen zurück? Jetzt sind sie noch so klein, wollen immer bei mir sein, werden mich niemals verlassen… Solche Sätze kenne ich von mir selbst… Und bin ich geblieben? Ich hoffe, dass auch im Abnabelungsprozess die Bindung stark genug ist, so dass die wohlig warmen Gefühle auch bei unseren Kindern präsent sind.

  • Alu und Konsti
    13. November 2019 at 22:26

    Das können wir nur hoffen, danke für deinen Kommentar. lg Konsti

  • Alu und Konsti
    13. November 2019 at 22:27

    Danke für deinen Kommentar. wir werden wohl alle daran arbeiten, immer und immer wieder. lg Konsti

  • Denise BloggerMum
    24. November 2019 at 20:05

    ich habe einige Erinnerungen aus früher Kindheit. Die sind aber teilweise dann anders als auf den Fotos. Ich kann mich daran erinnern, was ich gedacht oder gefühlt habe und dann sehe ich auf den Fotos die Realität. Ich erinnere mich, auf dem Markt die Hand einer falschen Frau genommen zu haben und wie peinlich mir das war, ich habe so geweint. Ich erinnere mich an mein Babybett (Kleinkind. Also nicht Wiege, sondern so 1,5?) und dass ich davon überzeugt war, dass mein Kissen ein Haus war und mich keiner sieht (man sieht mich auf Fotos), es gibt aber auch Sachen, wovon es keine Fotos gibt, ich habe immer die Antennen aus dem Fernseher gezogen und habe dabei eine abgeknickt. Davon steht auch nichts im Babytagebuch. Ich habe mich unter dem Couchtisch versteckt, damit ich ein Geschwisterchen bekomme. Ich hoffe, dass meine Kinder auch solche Erinnerungen haben, ich erinnere mich eben an Geborgenheit. Mir geht die Kleinkindphase auch zu schnell rum. Unser Kleinster ist 4 und so ein eigenständiger kleiner Mensch mit Meinung.

  • Alu und Konsti
    24. November 2019 at 22:12

    Guten Abend Denise,
    vielen Dank für den Einblick in deine Erinnerungen.
    Viel Vergnügen mit den Kids!
    Und schöne Anekdoten und Erlebnisse.
    Herzlich
    Konsti

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