Arbeit und Familie - Ich will die Kinder, den Job und diese Frau.
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Arbeit und Familie – Ich will die Kinder, den Job und diese Frau.

Ich habe Kinder und wollte sie alle – vor allem mit dieser Frau! Ich habe als Geisteswissenschaftler eine Arbeit die mir viel Freude macht. Ich habe ein unterschiedliches Kollegenfeld mit und ohne Familie, mit und ohne Partner.

Kinderbett Stern

Und dennoch stehe ich in den letzten Wochen vor einem Dilemma. Meine 40 Wochenarbeitsstunden kollidieren mit meinen Pflichten als gleichberechtigter Vater, dessen Frau ebenfalls ein Leben hat. Die Toleranz der Menschen in meinem Umfeld ist vorhanden auch die Bereitschaft sich einzufühlen, doch eine Grundanforderung an meine Arbeit habe auch ich. Andere schaffen es doch auch – gefühlt mit links. Und die älteren Kollegen erinnern sich mit einem vielsagenden Schmunzeln an die Zeit mit kleinen Kindern.

Termine, Termine, Termine.

Und dann sitze ich wieder in meinem Büro große Statistiken und wichtige Termine vor mir. Meine Mitarbeiter haben berechtigte Fragen und ich muss mir eingestehen, dass drei Stunden Schlaf in der letzten Nacht nicht dienlich sind. Ich werde dünnhäutig und fange an eine Verschwörung gegen mich und alle Eltern zu riechen. Dann kneife ich mich und merke, dass niemand mich kritisiert hat außer mir selbst. Ich der den Druck auf mich proportional zu erhöhen scheint mit steigendem Schlafmangel.

Natürlich weiß ich nicht was Kollegen denken, doch negativ äußert sich niemand nur in meinem Kopf will ich der noch perfektere Arbeitnehmer sein, der noch mehr leistet als die anderen. Als ich einem Kollegen sagte er würde ja so viel arbeiten, sagte der du arbeitest und hast Kinder und tust damit sehr viel für die Gesellschaft. Da kann ich nur versuchen dies mit etwas mehr Arbeit auszugleichen. Ob dies stimmt weiß ich nicht. Doch ich sollte diesen geschätzten Kollegen durchaus ernst nehmen bevor ich ihm Ironie unterstelle.

ein glücklicher Vater

Das Kopfkino der Vereinbarkeit.

Ich bin also auf mich und mein Kopfkino zurück geworfen. Wenn ich mir zu viel vornehme geht es auf mich, es wurde nie verlangt und ich wurde nie als faul tituliert. Dennoch haftet es in meinem Kopf der große Wunsch in allem noch mehr zu leisten denn ich habe ja Kinder und irgendwann muss ich vielleicht mal ganz schnell weg oder mit krankem Kind daheim bleiben. Dann will ich von dem Bonus leben – dabei ist es ja mein Recht als Vater auch ohne Bonus.

Ich muss zurück zu einem Normal. Wie das geht verantworte ich, definiere ich, stehe dafür. Ja, es gibt viele Aufgaben in meinem Leben. Manche muss ich erledigen wenn ich arbeitende Eltern sein will. Vieles packe ich oben drauf. Es ist mein Hamsterrad und ich arbeite daran es klug zu wesentlichen zurückzuführen. Doch woher kommt dieses Druckgefühl. Ist es mein Charakter oder liegt diese Forderung an Eltern noch produktiver zu sein, denn sie haben ja Kinder, doch in der Luft der Konsum- und Leistungsgesellschaft? Ich bin mir mit den Schuldzuweisungen längst nicht mehr sicher. Was denkt ihr?

Konsti

 

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12 Comments

  • sonaholic
    17. Oktober 2017 at 10:34

    und ich habe letztens noch gedacht, dass viel zu wenig darüber gesprochen wird, dass auch die Väter ein Recht darauf haben, alles gut unter einen Hut zu bekommen. Danke für den Beitrag und Anstoß zum laut drüber Nachdenken.

    Ja, es ist alles in unserem Kopf. Wir sind es, die sich den Stress machen.
    Wir sind es, die die eigenen Ziele definieren – und im Zweifel eben zu hoch.
    Wir sind es, die glauben den Erwartungen aller gerecht werden zu müssen – ohne zu fragen, ob diejenigen Dritten diese wirklich in dieser Form/Fülle an uns stellen.
    Es steckt in uns, wie wir leben wollen. Gesagt ist es so wunderbar leicht. Getan leider nicht – finde ich zumindest.

    Als fast Vollzeit-arbeitende Mama habe ich eben die 3 Stunden weniger in der Woche Zeit – für mich, den Haushalt, uns alle – in Realität für mich zu wenig 🙂 Mein Vollzeit-arbeitender Ehemann nicht. Und dann sind wir dankbar, wenn er sich dank der Mehrarbeit in der einen Woche, dann doch etwas freischaufeln kann in einer anderen Woche. Weil wir dann mehr Zeit füreinander und miteinander haben. Es ist unser Hamsterrad. Und wie jeder Hamster auch, können auch wir entscheiden ob und wie lange wir darin laufen, ob gleichzeitig, abwechselnd, gemeinsam oder auch mal gar nicht 🙂 Manchmal reicht es schon, Tempo herauszunehmen. Und zu hinterfragen, was wirklich wichtig (und dringend) ist. Carpe Diem.

  • Melanie
    17. Oktober 2017 at 10:45

    Vereinbarkeit von Familie und Beruf

    Es ist ein schwieriges Thema. Man kann versuchen, Kompromisse einzugehen, mit der Frau, mit dem Chef, mit den Kindern und vor allem mit sich selbst. Lösungen suchen, bevor irgendwann der Druck zu groß wird und es zum Kollaps kommt.
    Für mich hieß das jetzt: Fernstudium anstatt jeden Tag zur Uni zu fahren. Ich habe mich für Bildungswissenschaften entschieden anstatt für Mathematik und Geschichte.
    Warum? Ich bin alleinerziehend und muss vor Ort sein, wenn die Schule oder der Kindergarten anruft.
    Es geht nicht ohne Kompromisse.

  • Mareike Kurdt
    17. Oktober 2017 at 11:06

    Du beschreibst ziemlich genau mein Gefühlsleben nur bin ich auch noch DIE MUTTER….Ich arbeite vollzeit habe 2 Kinder (2 und 6) ich arbeite seit einem Jahr bei meinem derzeitigen Arbeitgeber und habe dort schon viel erreicht und tanze derzeit auf mehreren Thematischen Hochzeiten….Muss die Kinder gar für eine Woche wegen einer Fortbildung mit dem Papa alleine zu Hause lassen…. Ich liebe meine Arbeit… Die Herausforderung aber ich bin ständig unter Strom auf der Arbeit müde von schlaflosen Nächten… Bemüht immer pünktlich raus zu kommen um die Kinder zu ihren Hobbys zu bringen oder bei Festen und Feiern dabei zu sein…Elternabende… Vieles bringt mit Spaß und sehr viel Druck ist hausgemacht…Aber ich bin froh jetzt gerade ein paar „freie“ Tage zu haben um mich mal nur dem Haushalt und dem Alltag widmen zu können… Aber immer wäre das nichts…An guten Tagen fühle ich mich wie Superwoman an schlechten wie eine Rabenmutter… Keine Ahnung was die Zukunft bringt aber ich hoffe meine eigenen Ansprüche in den Griff zu bekommen…
    Liebe grüße

  • Anna
    17. Oktober 2017 at 15:54

    Ich kenne das Gefühl mehr leisten zu müssen, um irgendwann den Bonus nutzen zu können, wenn dringende Kindersachen der Arbeit im Wege stehen.
    Mir wurde das bei der Arbeit allerdings auch genau so kommuniziert. Man erwartet explizit, dass ich „jetzt auch mal etwas länger bleibe“, weil ich gerade zwei Tage mit den kranken Kindern zu Hause war. Gerne auch mit dem Hinweis, dass das auch gerade ein echt schlechter/problematischer Zeitpunkt dafür sei. Wobei ich mich dann immer frage, ob es denn gute Zeitpunkte für kranke Kinder gibt und wie die bitte aussehen.
    Vielleicht ist das auch ein berufsspezifisches Problem, dass Mehrarbeit bei uns erwartet wird. Vollzeit sind hier 45 Stunden statt der tariflichen 39

  • Alu und Konsti
    17. Oktober 2017 at 20:11

    Liebe Anna,
    ja das finde ich alles bedenklich. Momentan denke ich es ist nicht einmal ein Akt von Toleranz seitens der Kollegen (wenn Arbeitnehmer zu den Kindern eilen) – es ist selbstverständlich und gehört kommentarlos dazu. Wenn mein Kollege Rücken hat ist dies ebenso selbstverständlich – Kinder eigentlich sogar umso mehr. Wir werden es aushalten. Wer uns nicht will, bekommt eben nicht das beste, was er kriegen kann!
    LG
    Konstantin

  • Alu und Konsti
    17. Oktober 2017 at 20:14

    Liebe Mareike,
    ja dieser ewige Tanz. Doch die kinderlosen haben den auch – ehrlich gesagt interessiert es mich oft nicht, denn meiner Meinung nach ist nachts nicht schlafen können wenn eine wichtige Entscheidung ansteht (kinderlose Kollegin) nicht vergleichbar mit meinen Zahnungsnächten ivn 72h 8h Schlaf. Vielleicht ist es von mir Eitel – aber dann gönne ich mir diese Eitelkeit.
    HG
    Konstantin

    NB: Sitze gerade in Habacht, wird K3 schlafen oder sich übergeben. Werde ich schlafen oder zu Notaufnahme fahren?

  • Alu und Konsti
    17. Oktober 2017 at 20:16

    Liebe Melanie,
    ja du hast Recht es braucht immer Kompromissbereitschaft und ich denke dieses Themenfald muss öfter Thema werden, dann erhält es auch im Kollegenkreis Relevanz. Weniger mitlaufen wollen mehr problematisieren, denn ich lasse mich auch von mir selbst zum Hamster machen. Das ist Irrwitz.
    Herzlich
    Konsti

  • Alu und Konsti
    17. Oktober 2017 at 20:18

    Danke Dir,
    vermutlich haben deswegen Zeitmanagementseminare so einen Zulauf.
    Ich versuche neu zu gewichten und im kommenden Jahr mehr Lücken zu haben,
    denn eines ist klar spontan gefüllt bekommt man die immer und wenn man nur endlich einmal die Dienstmails archiviert.
    So long
    Konsti

  • Sophie (Kinder haben ...und glücklich leben!)
    17. Oktober 2017 at 20:30

    Wie wär’s damit: Stell dir vor, wie du in 10 oder 20 Jahren sein wirst. Wirst du die arbeitenden jungen Väter/Mütter dann als Kollege unterstützen? Wirst du ihnen verzeihen, wenn sie wegen der Kinder schnell weg müssen? Wirst du als potentieller Chef Elternzeit und Arbeitszeitreduzierungen zustimmen?

    Siehst du: Du hast immer mit „Ja“ geantwortet, oder? Vielleicht hilft dir das, jetzt nachsichtig mit dir selbst zu sein. Du kannst es doch später alles „zurückzahlen“ – und die nächste Generation Väter und Mütter wird sich freuen.

    Es ist so toll, wenn Chefs und Kollegen Verständnis haben. Nutze das ruhig (und damit meine ich natürlich nicht, „ausnutzen“). Mein Mann und ich nutzen es auch, dass der Chef viel Verständnis hat. Die Kollegen sind manchmal ein bisschen genervt, aber da müssen sie durch. Immerhin wissen sie, dass sie theoretisch die gleichen Möglichkeiten hätten.

    Kinder und arbeiten ist so schon sauanstrengend, da müssen wir uns das nicht durch falsches Pflichtgefühl noch anstrengender machen. 😉 Und ich bin sicher, Chefs und Kollegen merken es, wenn wir uns trotzdem voll reinhängen, immer mitdenken, im Notfall da sind usw.

  • Alu und Konsti
    17. Oktober 2017 at 21:26

    Danke für die frische Ermunterung. Ich werde es nutzen und „ja“ sagen.
    Beste Grüße
    Konsti

  • Die Freitagslieblinge am 20. Oktober 2017 - Unistart und ein Lächeln
    20. Oktober 2017 at 20:13

    […] am Abend. Wir werden noch einige Zeit brauchen bis wir uns an den neuen Alltag gewöhnt haben. Darüber schreibt auch Konsti hier und ich habe mal 20 Dinge aufgeführt woran man merkt, dass man Kinder hat und ich sage es mal so […]

  • Das Zünglein an der Waage - Halbe Sachen
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