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“Blau ist eine Jungsfarbe” Ein #Artikeltausch mit Klischee-frei #Gastpost #Werbung

Wir machen heute mal ein neues Format. Einen Artikeltausch. Für die Initiative Klischee-frei haben wir einen Gastpost geschrieben und die Initiative hat für uns einen Artikel geschrieben. Beide sind heute online, also viel Spaß beim Entdecken.

Wer kennt nicht diese Gespräche unter Eltern, in denen manchmal Sätze fallen wie „So ein typisches Mädchen halt.“ oder „Der Sowieso ist so ein richtiger Junge.“Mit diesen Sätzen wollen wir bestimmte Verhaltensweisen von Mädchen und Jungen beschreiben, die vermeintlich allgemeingültig sind: Mädchen sind eher brav und sozial. Jungs sind wild und machen auch mal was kaputt („Schon wieder ein Loch in der Hose! Na ja, ist ja auch ein Junge …“). Hinter diesen Aussagen verbirgt sich eine Art gesellschaftlicher Konsens. Mädchen und Jungs sind halt verschieden.

Wir wissen alle, dass das pauschale Zuschreibungen sind. Dennoch: Die Bilder vom „typischen“ Jungen und vom „typischen“ Mädchen halten sich. Sie sind wie zwei alte Bekannte, die schon immer da waren. Im Laufe der Zeit erscheinen sie einem vielleicht etwas merkwürdig, aber auch seltsam vertraut. So entfalten sie still aber konsequent eine durchschlagende Wirkung in der Erziehung und auch in der Bildung.

Klischeefrei erziehen_einevonachtzigmillionen

Für Eltern ist es deshalb eine gute Sache, sich die alten Bekannten einmal näher anzusehen. Sie wollen uns mit ihren Vereinfachungen eigentlich das Leben erleichtern. Mit Klischees müssen wir nicht so viel nachdenken und können schneller entscheiden. Aber ist das so richtig und passt das alles heute noch so? Sollten wir die beiden vielleicht doch mal wegschicken?

Die alten Bekannten sitzen nicht nur bei uns auf dem Sofa, sondern auch in Marketingabteilungen, in Verlagen und Medienredaktionen, in Schulen und Kitas und bei den meisten Menschen aus unserem Umfeld. Unsere Kinder wachsen mit ihnen auf.

Und wir Eltern? Vertrauen ohne viel nachzudenken auf die alten Bekannten (waren ja immer schon da), setzen dem ganzen häufig nicht genug entgegen, haben nicht die Muße für die Suche nach klischeefreien Produkten oder keine Idee, wie wir uns und unsere Kinder dem Dunstkreis der Rollenzschreibungen entziehen können. Wir kaufen die „typischen“ Mädchen- und Jungssachen – nicht zuletzt auch, weil das Mädchen keinen dunkelblauen Pulli mit Monster drauf anziehen will und der Junge keine Lust auf rosa Glitzer an den Schuhen hat. An der Stelle haben die alten Bekannten schon einiges erreicht. Den Kindern ist schon im Kita-Alter klar, was für welches Geschlecht gedacht ist. „Blau ist eine Jungsfarbe“, verkündete meine Tochter eines Tages im Alter von 4 Jahren und beschloss, fortan im komplett pinkfarbenen Outfit in den Kindergarten zu gehen. Zwei Jahre später wollte sie lieber ein Junge sein und legte sich konsequenterweise einen Kurzhaarschnitt und dunkelblaue Sachen zu.

Ungeachtet dieser verschiedenen Zuschreibungen glauben wir, unsere Mädchen und Jungen hätten prinzipiell gleiche Chancen in der Schule und auf dem Arbeitsmarkt – okay, Mädchen können halt nicht so gut Mathe und Physik und Jungs nicht so gut Deutsch und Kunst, sagen die Alten auf dem Sofa, aber prinzipiell …

Studien zeigen allerdings, dass ein normalintelligenter Mensch, der gut mit Sprache umgehen kann, auch ganz gut mit Zahlen zurechtkommt und umgekehrt. Das Geschlecht spielt dabei keine Rolle, Begabungen der einzelnen Menschen machen den Unterschied.

Andere Studien haben nachgewiesen, dass räumliches Denken keine Männerdomäne ist. Frauen verfügen über ein genauso ausgeprägtes Vorstellungsvermögen. Wieder macht die individuelle Begabung den Unterschied, nicht das Geschlecht.

Ebenso wenig ist Empathie und Fürsorge ausschließlich Mädchen in die Wiege gelegt. Auch Jungen sind fürsorglich, empathisch und emotional. Wieder kommt es auf den Einzelfall an. Trotzdem erfahren Kinder von klein auf diese klischeehaften Zuschreibungen und üben entsprechend die Dinge, die ihnen zugeschrieben werden. Also können Jungs vom vielen Legospielen bald sehr gut Gegenstände im Geiste drehen, während Mädchen sich sehr gut kümmern können. Klischee bestätigt.

Wenn sich Jugendliche für eine Berufsausbildung oder ein Studium entscheiden, tun sie das bis heute entlang bestimmter Geschlechterbilder. Berufe, die wir mit Handwerk und Technik verbinden, werden überwiegend von Jungen gewählt.

Frauen machen dagegen über 70 Prozent der Auszubildenden in Berufen aus den Bereichen Gesundheit, Bildung und Soziales aus. Wir denken an Nachteile für Kinder aufgrund des sozialen Herkunftsmilieus, nicht aber an Beschränkungen aufgrund von Geschlechterklischees. Im Land der Ingenieure fehlt es jedoch an Ingenieurinnen und Programmiererinnen. Dabei wäre die weibliche Sicht in der Entwicklung von technischen Produkten oder in der Gestaltung der Digitalisierung unseres Alltags ein Zugewinn für alle.

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Jeder kann alles sein, Grafik: einevonachtzigmillionen

Auf der anderen Seite fehlen Erzieher und Grundschullehrer, Alten- und Krankenpfleger. Männer in diesen Berufen wären ebenfalls ein Zugewinn für alle. Die größten Fachkräfteengpässe haben übrigens die Berufe mit der einseitigsten Ausrichtung auf nur ein Geschlecht.

Halten wir also die Vorstellungswelt unserer Kinder möglichst lange offen und erweitern wir sie am besten. Ermutigen wir sie, sich auszuprobieren, auch jenseits von Geschlechtergrenzen. Versuchen wir, Klischees zu entlarven und Kinder in ihren Begabungen zu bestärken. Und das wichtigste: machen wir uns selbst unserer Klischees bewusst! Damit unsere Kinder später ihren Beruf unabhängig von den alten Bekannten aussuchen können.

Margit von Kuhlmann ist Online-Redakteurin in der Servicestelle der Initiative Klischeefrei. Die Initiative setzt sich für eine Berufs- und Studienwahl frei von Geschlechterklischees ein und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Fachportal: www.klischee-frei.de
Instagram: https://www.instagram.com/initiative_klischeefrei/
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Facebook: https://www.facebook.com/InitiativeKlischeefrei/

Unseren Artikel findet ihr hier!

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5 Comments

  • Jacky
    2. November 2020 at 21:44

    Sehr spannend. Das schaue ich mir an, kannte bis jetzte nur den Zaunpfahl. Jacky

  • Stefan
    3. November 2020 at 22:17

    Warum wird das eigentlich an Farben festgemacht? Früher war doch dieses rosa die erklärte Farbe von jungen Herren und nun das. Vielleicht brauchen wir endlich andere Kategorien als Farben?

  • Monika
    4. November 2020 at 21:43

    Danke für diesen Text. Wir besprechen das Thema auch immer wieder neu. Monika

  • Andrea
    8. November 2020 at 07:19

    Schön zu sehen, dass ihr euch dem Thema widmet. Ich habe euch über die Klischeefrei Seite gefunden und dort das Kita Paket angeschaut. Andrea

  • Eli
    9. November 2020 at 21:18

    Die Illustrationen sind wieder ganz toll. <3 Eli

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