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Eine Reha mit Kind – beantragen: Teil 1 der Reise #Kinderreha

Vor einigen Monaten wurde uns angetragen mit K2 doch mal zu einer #Kinderreha zu fahren. Nicht nur um zu schauen, inwieweit sich derzeitige Problematiken in einem anderen Umfeld beobachten lassen, sondern auch um vielleicht Strategien für alle in der Familie zu entwickeln, mit den Besonderheiten des Sohnes umzugehen. Wir beantragten also auf ärztlichen Rat eine Reha für das Kind und befanden uns plötzlich mittendrin im Dschungel der Krankenkassen und Rentenversicherung. Es gibt nämlich zwei mögliche Kostenträger dafür und erstmal herauszufinden welcher Kostenträger, der derzeit passendere ist und danach die richtigen Formulare herauszufiltern, bereits daran könnten Eltern scheitern.

Nach der Beantragung folgte das Warten. Immer wieder wurden uns mögliche Daten und Kliniken mitgeteilt, zuerst mit Begleitkind, später dann ohne. Eine Woche vor Anreisedatum gab es dann ein go von allen Seiten und K2 und ich packten unsere Koffer. Dank Broschüren und etlichen Fragebögen (wer liebt sie nicht als Eltern von Kindern mit Behinderungen) freuten wir uns auf ein vielfältiges und ganzheitliches Reha Programm für Kinder und Eltern.

Nach ein paar ersten Tagen des Ankommens starteten die Termine für K2 und mich.

Denn eine Kinderreha ist weder Urlaub noch pure Erholung! Der Ansatz für Kind und Begleitpersonen ist immer ein interaktiver, oftmals auch ein Sortieren der Möglichkeiten für alle in der Familie. So startet unser Tag immer um 6.45 Uhr und mit einem Frühstück um 7.15 Uhr in unserer Kleingruppe. Um 7.45 Uhr geht es für das Kind los zur Schule und für die Eltern zum Raum lüften und Termine sortieren. Um 9 Uhr starten die Elternschulungen und Termine. Anders als auf einer Mutter-Kind; Vater-Kind; Eltern-Kind-Kur dienen die Elterntermine dabei nicht der Entspannung, sondern ganz klar immer dem Zweck den Gegebenheiten des Kinder besser zurecht zu kommen oder sich über andere Behandlungsmethoden zu informieren. Um 11.30 Uhr trifft das Kind von der Schule wieder ein und um 12 Uhr gibt es Mittag. Die Schule findet hier in einer festgelegten Kleingruppe statt und ist mit zehn Kindern sogar voller und in Präsenz, ganz anders als im derzeitigen Schulsystem. Von 12.30 bis 14 Uhr ist Pause angesagt, da es Hausaufgaben gibt, werden diese dann gemeinsam erledigt. Um 14 Uhr startet das Nachmittagsprogramm. Entweder stehen Bewegungstrainings für das Kind oder aber Eltern-Kind-Trainings auf dem Plan. Heute hatten wir parallel etliche Termine und mussten uns ganz schön beeilen. Um 16.30 Uhr endet die Betreuung und die Programme und um 17 Uhr ist Abendbrot angesagt. Danach heißt es noch Hausaufgaben oder Freizeit. Um 21 Uhr geht im Haus das Licht aus.

Das Gefühl von Heimweh #Kinderreha Teil 3

Eine Reha mit Kind ist kein Urlaub

Bereits vor der Kinderreha war mir sehr deutlich von der kostentragenden Stelle mitgeteilt worden, dass es sich auf keinen Fall um Urlaub handelt und man sich wirklich sehr auf die Beeinträchtigungen und das Kind konzentrieren muss. Dies kann ich bereits nach dieser Zeit bestätigen. Eine Möglichkeit der „Arbeit“ ist hier wirklich nicht gegeben und genau deshalb übernehmen die Kostenträger auch das Gehalt für diese Zeit und man muss nicht seinen Urlaub dafür nehmen. Wenn man, wie wir, zudem noch in einer Klinik ist, die viel Wert auf Medienpausen setzt, dann kann man als Eltern am Abend nicht mal mehr über Video telefonieren. Einen Fernseher gibt es auch nicht, dafür angeleitete Kinoabende, einmal die Woche! Es ist also wirklich eine totale Konzentration auf das wesentliche: Das Kind!

Hier liegt auch ein wesentlicher Unterschied zu einer Eltern-Kind-Kur, die auch kein Urlaub ist, aber der Fokus liegt da auf den Erziehungsberechtigten.

 

Meine Mutter-Kind-Kur rückt näher, was das für uns als Familie bedeutet

Das Kind zeigt hier dafür völlig neue Seiten. Da es sich eindeutig in soziale Interaktionen hineinfügen muss, sind die Tage anstrengend und langwierig. Immer wieder gibt es Tränen oder Momente totaler Überforderung, auch weil man auf solch einer Kinderreha das erste Mal vielleicht Menschen mit gleichen Diagnosen trifft. Für mich als Mutter ist diese Reha mit Kind ein sehr wichtiger Baustein. Als Eltern haben wir das Ziel, dass das Kind später selbstständig und allein zurechtkommen soll, dafür werden hier wesentliche Bausteine aufgezeigt und besprochen. Etliche dieser Bausteine sind für mich als Mutter hart und sehr anstrengend. Am Abend falle ich erschöpft ins Bett und lausche dem Atem des Kindes.

Falls ihr also auch mal auf #Kinderreha fahren wollt, dann lasst euch bitte nicht erzählen, dass dies ein Urlaub oder Spaziergang sei, denn sich täglich und mit sehr vielen Expertinnen nochmal über das eigene Kinder auseinanderzusetzen, das ist emotionale Arbeit und diese ist bekanntlich auch nicht ohne.

Alu

Weitere Informationen zur Kinderreha findet ihr auf der Webseite Eurer Krankenversicherung und der Webseite der Rentenversicherung.

Folgende Dinge sind also bei der Beantragung einer Reha für das Kind zu beachten:

  1. Der Kostenträger Krankenkasse oder Rentenversicherung muss geklärt werden
  2. Ein Kinderarzt muss die Kinderreha befürworten und mit Formularen unterstützen
  3. Die Klinikauswahl ist groß und man hat freie Wahl, aber aufgrund von Diagnosen ist die Wahl eingeschränkt
  4. Eine Reha für das Kind ist kein Urlaub
  5. Als Begleitperson wird man immer als Teil der Therapieansätze gesehen
  6. Auf einer Reha findet KEINE Diagnostik statt
  7. Eine Reha mit Kind dauert im Schnitt vier Wochen
  8. Die Kinder werden trotzdem auf einer Reha normal beschult
  9. Viele Kinder treffen das erste Mal auf andere Kinder mit gleichen Diagnosen


eine Kinderreha beantragen

 

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8 Comments

  • Anne
    27. April 2021 at 09:09

    Hallo Alu!

    Was mich interessieren würde: Wie lange dauert so eine Kinderreha?

    LG Anne

  • M
    27. April 2021 at 22:35

    Alles Gute Euch. Wie habt ihr entschieden, wer begleiten darf, falls es nicht zu persönlich ist.

  • K
    28. April 2021 at 09:30

    Hallo,

    herzlichen Glückwunsch zur Kinderreha! Ich war letzten Winter mit beiden Kindern mit unterschiedlichen Diagnosen zu einer Kinderreha und kann bestätigen, dass eine solche weit entfernt von einem Urlaub ist! Uns hat sie sehr gut getan und wir haben durch das ganze gesammelte Wissen die chronische Erkrankung meines Sohnes sehr fein im Griff, es geht ihm besser als je zuvor. Das Thema meiner Tochter scheint völlig überwunden. Ich ärgere mich im Nachhinein fast, dass wir nicht schon früher eine Kinderreha in Angriff genommen haben. Ich kann auch Alus Eindruck bestätigen, dass das Antragsverfahren verwirrend sein kann. Auch war unser Kinderarzt sehr dankbar, dass wir die Unterlagen schon mit den persönlichen Daten befällt hatten und ebenfalls den Abrechnungsbogen des Rentenversicherers mit beigefügt haben, denn der Kinderarzt bekommt den Aufwand des Beantragens vergütet. Es gibt hilfreiche Internetseiten, die alle Formulare gebündelt vorhalten.
    Für uns als Familie war die Reha ein voller Gewinn! Ich habe danach allerdings tatsächlich 1 Woche Urlaub gebraucht (war zum Glück im Vorfeld auch gleich so geplant). Den Kindern hat sie sehr gut getan, gerade mein Sohn geht seit dem sehr selbstverständlich mit seiner Erkrankung um, es gibt gar keine Diskussionen mehr über therapeutische Maßnahmen. Und das Beste: Er kann sich akut selber helfen! Was für einen Viertklässler sehr wichtig ist.

  • Mieke
    29. April 2021 at 09:41

    Ich freue mich schon auf “Teil 2”. Wir haben nämlich auch die Zusage für eine Reha und warten nun, dass die Klinik sich mit einem Termin meldet.

  • Alu und Konsti
    29. April 2021 at 21:25

    Das ist ganz wichtig.

  • Alu und Konsti
    29. April 2021 at 21:26

    Wir haben danach entschieden wer von uns die eingetragene Pflegeperson ist, das bin ich.

  • Alu und Konsti
    29. April 2021 at 21:26

    Eine Reha dauert mindestens vier Wochen, eine Kur dauert drei Wochen.

  • Anja
    30. April 2021 at 11:35

    Ich war mit meinem Sohn schon 2 mal zur Reha. Wir haben verlängert auf 7 und 9 Wochen. Wobei ich dabei sagen muss das es eine Reha für die Motorik war. Da dauern die Erfolge ein bisschen. Es war sehr anstrengend für uns beide. Wir hatten aber das Glück das wir in einer Klinik untergebracht waren die nur 30 km von zu Hause entfernt war. So waren Besuche möglich und man konnte sich bei der Betreuung abwechseln. Es hat meinen Sohn sehr viel gebracht. Wir würden bei Bedarf auch wieder zur Reha gehen.

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