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Elternleben

Fast schon ein Arschlochvater – ein Lehrstück für Eltern

Ein Lehrstück für Eltern – fast schon ein Arschlochvater

Ich hatte eine schlechte Nacht. Sie war zu kurz. Als Highlight des Tages haben meine Frau und ich dann auch noch diskutiert bis aufs Messer. Bis zu diesem Punkt wo keiner mehr den Kern kennt. Dann, wenn es eigentlich auch kein zurück mehr gibt. Danach haben wir uns beide ein wenig fern gehalten, voneinander.

Ich war mit den Mädels auf dem Spielplatz. Die beiden Damen wollten dann zusammen rutschen- K1 mit ihren 11 Jahren und K3 mit ihren 2. Da saßen zwei Jungs in der Rutsche und ließen sie nicht. Der eine sagte, „Bettel doch!“. Der andere: “Nimm doch die zweite Rutsche.” Als ich hörte „Bettel doch“, wurde ich sehr unleidlich. Ich faltete die Beiden verbal und laut zusammen. Der erste Junge dampfte ab. Der zweite sagte noch „Du kannst mich mal am A**** lecken“.

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Naja, ich bin dann zu ihm und habe ehrlich  gesagt, wenn er mir nochmal blöd kommt, dann könnten wir ja beide um die Ecke (bescheuerter Mackerspruch, ich weiß!) gehen. Er sagte: „Das darfst du gar nicht“ und ich: „Du darfst mir auch nicht blöde kommen.“

Ich war auf 180 innendrin. Mieser Tag. Die beiden Jungs waren weg. Und die Gewissensbisse waren da. Hier lief einiges eindeutig falsch ab. Für normal bin ich in diesen Dingen gut und fair unterwegs. Ich beginne freundlich und werde nicht unsachlich. Vor allem drohe ich NIE mit Körperlichkeit.

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Rutschen überall

Das freundlich sprechen, das klappt mit Kindern oft noch viel besser als mit den Erwachsenen. So wünschte ich mir: Sie kämen noch einmal zurück. Und dann kamen sie zurück mit einer Mutter. Ich dachte kurz: Na mal sehen, wie die das Gespräch anfängt. Sie machte es sehr gut und ich kam mit dem einen Jungen ins Gespräch. Der Frechere blieb lieber auf Abstand. Zuerst bat ich den Jungen seine Sicht zu schildern. Dann habe ich meine  Sicht erläutert und mich entschuldigt. Schließlich sind wir zusammen zum zweiten Jungen gegangen. Dort habe ich mich auch für mein Verhalten entschuldigt und zugehört. Trotzdem machte ich klar, dass es frech war. Doch die Eskalation habe ich zu verantworten und dieses war nicht sachgemäß. Die beiden Jungs und ich waren zufrieden.

Wenig später berichtete mir die große Tochter von Jugendlichen die sich bei den Rutschen versteckten und die alle Kinder anpöbeln. Diese habe ich leider gar nicht zur Rechenschaft gezogen.
Es trifft eben oft auch die Falschen. Und dennoch habe ich eine wichtige Lektion mehr gelernt.

Ein respektvoller Umgang ist immer wieder das einzig Richtige!

Konsti

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5 Comments

  • Laura
    30. April 2019 at 10:51

    Ach, lieber Konsti, ich finde einfach ehrliche Eltern ganz toll. Ich kann dich außerdem gut verstehen, wir sind doch alle nur Menschen. Liebe Grüße, Laura

  • Juli
    30. April 2019 at 23:59

    Lieber Konsti, ich finde, dass Du Dich unter dem ständigen Druck aller Art inklusive Schlafmangel ganz ausgezeichnet schlägst. Nein: eben nicht schlägst, auch wenn der Druck manchmal irgendwie raus will. Ich hatte neulich einen schlimmen Moment der Weißglut, in dem ich mich fast vergessen hätte, wie man so sagt. Kurze Zeit später war mir klar, dass ich da emotional am Boden und in der Ecke war. Da habe ich am eigenen Leibe erfahren, woher ganz viel der meisten Aggressionen kommt. Und mir wurde auch noch mal bewusst, wie viel Herzensbildung es braucht, um da gegenzusteuern und Wogen zu glätten. Kurz: Du bist super. Großes Herz, langer Mut, kluger Kopf, alles da.

  • SilkeAusL
    1. Mai 2019 at 08:10

    Lieber Konsti,

    jeder hat mal einen schlechten Tag. Leider erleben den viele dann nur als Momentaufnahme und urteilen schlecht über einen. Du hattest das Glück, dass die Jungs noch einmal zurück kamen und es (er)klären konntest. Das ist leider oft nicht möglich und ärgert mich im Nachhinein. Aber wie soll ich sagen: so ist das Leben und es läuft nicht immer alles harmonisch.
    Zum Respekt: fehlt leider vielen Kindern – aber auch Erwachsenen. Ich bin beruflich viel im Auto unterwegs und bin gestern erst bei “langsamen” 170km/h angedrängelt und -geblinkt worden von einer Dame, die es so fuuuurchtbar eilig gehabt hat. Ich stehe auch jeden Tag besonders auf dem Hin-und Rückweg unter furchtbarem Stress, damit ich meine Zeiten pünktlich schaffe(morgens Arbeitszeit, nachmittags Abholzeit der Kinder). Dank Baustelle und verkürzter Öffnungszeiten der Betreuung (im Gegensatz zum Kindergarten) fehlt mir jeden Tag EINE STUNDE, ohne dass ich die Arbeitszeit verkürzen könnte. Trotzdem würde ich nicht auf die Idee kommen, jemanden wegzudrängeln und wegzublinken. Und ich glaube, den Stress, das arme kleine Kinder alleine draußen vor der Betreuung stehen könnten, weil man es nicht pünktlich schafft, hatte die Dame Mitte 50 nicht…
    Ich beiße dann meistens ein Mal ins Lenkrad😉

    LG Silke

  • Flo
    3. Mai 2019 at 18:39

    Aus meiner Sicht war der einzige Fehler Deinerseits, Dich bei diesem Jungen zu entschuldigen.

    Er war es, der Deine Kinder mit seiner Körperlichkeit eingeschüchtert und mit dem Spruch „dann bettel doch“ gedemütigt hat.
    Er ist als Gewalttäter aufgetreten und ich finde es angemessen, auf Gewalt mit Gewalt zu reagieren, wobei Du ja nicht einmal physische Gewalt unmittelbar angedroht hast, sondern lediglich gesagt hast, Ihr könntet ja mal um die Ecke gehen. Klar steckt da auch eine Drohung drin, aber eben nicht so massiv und direkt, wie wenn Du z.B. gesagt hättest „hau ab oder ich knall Dir eine“. Da bist Du wirklich ruhiger und besonnener als ich es je sein könnte oder wollte.
    Spätestens, wenn so ein Junge es wagen würde, mich als Erwachsenen auf meine deutliche Ermahnung hin auch noch zu beleidigen, wäre bei mir jegliche Grenze überschritten und ab diesem Punkt respektiere ich dann gesellschaftliche Grenzen auch nicht mehr.

    Ich finde, dass ein Mensch eine gewisse persönliche Ehre haben kann und sollte, gerade auch vor den eigenen Kindern. Ehre bedeutet für mich, Freundlichkeit mit Freundlichkeit und Gastfreundschaft mit gutem Benehmen zu vergelten, aber sie bedeutet auch, nicht zuzulassen, dass man auf meinen Liebsten herumtrampelt oder mich öffentlich demütigt.
    Ich finde man kann in einem solchen Fall auch einmal die Besonnenheit oder die vermeintlichen „guten Sitte“ fahren lassen, selbst wenn einen dies vielleicht in persönliche oder juristische Konflikte bringt. Diese Konflikte steht man durch, aber an dem Gesichtsverlust nagt man ewig.
    Wenn ich es zulasse, dass jemand Fremdes so respektlos vor den Augen meiner Kinder mit mir redet, dann untergräbt dies die Achtung meiner Kinder vor mir. Es nimmt ihnen die Sicherheit, dass ihr Vater stark genug ist, auch in Konflikt und Gefahr für sie einzustehen.
    Alleine deshalb schon ist es gut und richtig gegenüber solch einem massiven Affront nicht den beschwichtigenden Diplomaten zu spielen, sondern ein Signal der Entschlossenheit zu setzen, welches dem Angreifer sofort und effektiv Einhalt gebietet. Gewalteinsatz in diesem Zusammenhang verbuche ich für mich unter Notwehr, selbst wenn unsere Rechtsordnung dies anders sehen mag (wobei die persönliche Ehre auch juristisch gesehen ein notwehrfähiges Recht ist- wobei natürlich die Verhältnismäßigkeit gewahrt sein muss).

    Insgesamt denke ich, dass Du dem kleinen Nachwuchssadisten auf dem Spielplatz doch eigentlich genau die richtige Lektion erteilt hast, nämlich dass Gewalt Gegengewalt erzeugt.
    Leider hast Du diese wichtige Botschaft durch Deine nachträgliche Entschuldigung wieder abgeschwächt.

    Bezeichnend finde ich es übrigens, dass dieser Junge selbst erst den gewalttätigen starken Macker gespielt hat und sich dann, wenn jemand Größeres und Stärkeres vor ihm steht, feige hinter Regeln und Vorschriften versteckt („das darfst Du nicht“).
    Danach rennt er bei Mutti petzen?!
    Genau das Verhalten dieses Jungen halte ich für ein Paradebeispiel dessen, was entsteht, wenn Eltern keinen persönlichen Ehrbegriff vorleben.

    Wenn diese Mutter zu mir gekommen wäre, hätte ich ihr deutlich gesagt, dass ich sie und ihren Sohn für ehrlose Personen halte und ihr die klare Ansage gemacht, dass ich auf jeden weiteren Übergriff ihres Sohnes auf meine Kinder mit massivster Entschlossenheit reagieren werde. Und damit wäre bei mir Ende der Diskussion.

    Den Falschen erwischt hast Du jedenfalls nicht und Dir selbst vorwerfen, dass Du diese Jugendlichen hinter der Rutsche nicht zur Rede stellen konntest, musst Du auch nicht.
    Du hast es ja erst zu spät mitbekommen und man kann als einzelner Mensch auch nicht alles Unrecht in der Welt bekämpfen. Entweder sie kommen wieder und dann kannst Du sie Dir immer noch vorknöpfen. Oder sie bleiben einfach weg und dann hat sich das auch erledigt.

    P.S.: Puh… ich merke mit welcher Wut auf diese Mutter und ihren kleinen Spielplatztyrannen ich diesen Text geschrieben habe und wie sehr es mir leidtut, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der DU (als der der richtig gehandelt hat!!!) sich dafür auch noch entschuldigen muss.

  • Kerstin
    3. Mai 2019 at 20:47

    Lieber Konsti, ein super interessanter Text, den Du da schreibst. Ebenso interessant finde ich den Kommentar von Flo.
    Über die Jungs kann man tatsächlich nur den Kopf schütteln. Und nach der Chose noch mit der Mutter wiederzukommen! Das muss man erst mal bringen.

    Wir leben ja nicht in einer idealen Welt, in der man sich immer im Nachhinein auf die Schulter klopfen kann mit dem Gefühl, hundertprozentig mit seinem Verhalten im Reinen zu sein. Aber würden wir in dieser Welt leben, fände ich eine Mischung dieser beiden Sicht- und Handlungsweisen für mich persönlich optimal.
    Entschuldigen – mit Würde. Klarstellen, was gelaufen ist. (Hast Du ja.) Eine freundschaftliche Ebene finden – nein. Das würde ich persönlich in dem Fall nicht wollen. Es wäre meiner Ansicht nach auch angebracht, dass die Jungs sich im Gegenzug ebenfalls entschuldigen.

    Wie gesagt, im Idealfall. Und nachdem ich eine Viertelstunde über diesen Text nachgedacht habe.
    Alles Gute Euch!

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