Heute ist bundesweiter Tag der Legasthenie und Dyskalkulie
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Heute ist bundesweiter Tag der Legasthenie und Dyskalkulie #LRS

Heute ist der bundesweite Tag der Legasthenie und Dyskalkulie. Das berührt mich sehr. Denn ich denke von mir, dass ich eine Rechtschreibstörung habe. Das Schreiben ist mir immer schwergefallen. Bis heute, obwohl ich viel schreibe, nutze ich jegliche Form der Korrektur. Dank der Rechtschreibunterstützung in vielen Programmen komme ich gut durch. Doch bei der Zeichensetzung z.B. bin ich schwach. Somit brauche ich immer Hilfe. Mindestens die meiner Frau ist nötig oder die meiner Mutter, einer berenteten Lehrerin. Für meine Doktorarbeit habe ich eine Lektorin beauftragt. Eigentlich kann ich damit gut leben. Und Lesen war z.B. nie mein Problem. Meine Taktik war es immer sich auf die gesprochene Sprache zu verlegen. Dabei war ich schon früh gut.

Bei meinen Texten ist es bis heute das Problem, dass Lehrer, Professoren, Auftraggeber, denken ich hätte schlampig gearbeitet. Oft lasse ich es darauf beruhen. Nur manchmal rechtfertige ich mich, weil es mir dann doch zu ungerecht wird. Mich ärgert, dass viele Menschen gerade in einem akademischen Umfeld sich nicht vorstellen können, dass man dazu gehört und trotzdem nicht unbeschwert und fehlerfrei schreiben kann. Wenn ich mir viel Zeit lasse, dann kann ich mich selbst auch gut korrigieren. Doch das braucht bei längeren Artikeln schon mal 2 Wochen. Ich schreibe ohne Regelwissen. Viele Worte habe ich einfach gelernt. Andere kann ich bis heute nicht ohne Probleme richtig, z.B. Rhythmus (wurde gleich autokorrigiert, ich schreibe immer „Rhythmus“). Da bleiben besonders Kommata auf der Strecke. Ein bisschen besser ist es durch die vielen Fremdsprachen geworden. Vor allem Latein und Altgriechisch haben mir geholfen etwas Grammatik in den Kopf zu bekommen.

Ständige Wiederholung brauchen auch Menschen mit Lese-Rechtschreib-Schwäche.

Bei Ihnen braucht es viel länger. Diese Zeit nimmt sich Schule nicht. Ich habe ein Kind, das zu dieser Gruppe gehört. Ich bin fest davon überzeugt, dass er es hinbekommen kann. Wir sind ein gut gebildetes und ausgestattetes Elternhaus. Wir leben in einem Sozialstaat mit vielen Möglichkeiten aber auch Hemmschwellen. Diese bleiben für viele Menschen zu hoch. Auch hier stehen wir mit der Akzeptanz noch am Anfang. Lesen und schreiben bleiben in vielen Köpfen der selbstverständliche Schlüssel in die bürgerliche Kulturgesellschaft. Wer es nicht (gut) kann, muss oft draußen bleiben. Auch hier brauchen wir mehr Teilhabe für diejenigen die für sich um richtige Sprache kämpfen müssen.

Heute ist der bundesweite Tag der Legasthenie und Dyskalkulie. Ich solidarisiere mich mit allen den es schwer fällt zu lesen, zu schreiben, zu rechnen. Denn ich kann schwer schreiben und wir haben hier auch ein Kind mit LRS. Wenn ihr auch eine Geschichte damit habt, könnt ihr mir das ja schreiben.

Gerne würde ich recht schreiben (kann ich aber nicht) #Defizite

Wenn ihr mehr wissen wollt dann schaut, z.B. hier, beim Bundesverband für Legasthenie und Dyskalkulie: https://www.bvl-legasthenie.de/legasthenie.html

Euer

Konsti

LRS_grossekoepfe.de

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8 Comments

  • Suomitany
    1. Oktober 2020 at 22:01

    Ich habe eine Tochter mit Dyskalkulie.
    Und ich finde es so traurig, dass das in Bayern trotz festgestellter Diagnose keinen interessiert.
    Diese Kinder haben keine lobby.
    Die Lehrer könnten es selbst entscheiden, aber da es keine festen Vorgaben gibt, wie bei LRS, passiert nichts außer Schulterzucken.
    Manchmal hätte schon ein klein wenig mehr Zeit geholfen, aber das wäre ja ungerecht gewesen.
    Wir haben über zwei Jahre jeden Monat 200 Euro für lerntherapie bezahlt, jetzt Nachhilfe. Aber das Verständnis für Zahlen fehlt einfach. Ich fürchte, das wird das ein oder andere Mal auch negativ im Leben ausgelegt werden.
    Und bis dahin muss unsere Tochter durchhalten. Noch ein Jahr bis zum Abschluss 😉

  • Jana
    3. Oktober 2020 at 14:08

    I feel you!
    Hier! Ich auch.
    Früher dachte man Kinder die gut, schnell und gerne Lesen, können keine Legastheniker sein.
    Daher wurde das bei mir (ohne das je zu Testen) ausgeschlossen. Ich war immer eine Leseratte.
    Aber Fakt ist: Ich sehe Fehler nicht. Ich mache sie und merke es nicht. Ich finde sie auch bei Anderen nicht.
    In bestimmten Situationen ist das sehr unangenehm. Schlechte Rechtschreibung = schlechte Bildung.
    In der Schule wurden mir immer Punkte abgezogen.
    Man lernt dann Situationen zu vermeiden, in denen es auffallen könnte: Schriftführerin auf Elternabenden oder in Dienstbesprechungen. Wirkt oft unengagiert, hat aber ganz andere Gründe…
    Mir ist das echt spät klar geworden, dass ich gar nicht zu doof bin, sondern nichts dafür kann.
    Ich habe mich sehr, sehr lange damit gequält und natürlich macht das auch was mit dem Selbstbewusttsein.
    Dabei habe ich immer so gerne geschrieben und bin da auch inhaltlich ganz gut drin.
    Tja.
    Liebe Grüße von einer Leidensgenossin

  • Anne
    3. Oktober 2020 at 15:54

    Ich bin betroffen. Ich habe beides.

    LG Anne

  • Susanne B.
    5. Oktober 2020 at 09:44

    Ich habe auch einen Sohn mit LRS und es fällt mir oft schwer, mich in ihn hinein zu versetzen und Geduld zu bewahren. Total traurig finde ich, dass es vom Staat so wenig anerkannt ist. So zahlen wir die Therapie komplett privat, was mehrere 1000 EUR im Jahr bedeutet. Alles in der Hoffnung, dass es mit den Jahren etwas besser wird. Im Moment schreiben sie Aufsätze. Bei meinem Sohn bestehen sie aus wenigen Sätzen, allerdings doch über 2 A4-Seiten. Leider bringt es uns auch viele Elterngespräche ein, weil er z.B. zu langsam beim Tafelbild-Abschreiben ist. Man will ihn abschieben vom Gymnasium. Ein intelligentes Kind, dass einfach nur Probleme beim Schreiben hat. Weil immer alles schnell gehen muss und man den Kindern keine Zeit geben kann.

    LG Susanne

  • Alu und Konsti
    6. Oktober 2020 at 21:34

    Hallo Tanja,
    Danke für deinen Kommentar. Ja hier merkt man, dass unsere Gesellschaft noch einiges zu lernen hat.
    Euch alles Gute!
    LG
    Konstantin

  • Alu und Konsti
    6. Oktober 2020 at 21:35

    Liebe Jana,
    ach wie schön – wir sind nicht allein!
    Dein
    Konsti

  • Alu und Konsti
    6. Oktober 2020 at 21:36

    Hallo Anne,
    Oha?! und wir lebst du damit?
    Dein
    Konsti

  • Alu und Konsti
    6. Oktober 2020 at 21:38

    Liebe Susanne,
    dass mit dem Abschreiben kenne ich auch zu gut.
    Intelligenz ist weit mehr als Rechtschreibung!
    HG
    Konsti

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