Die Sorgen der Coronaeltern | Am Meer| grossekoepfe.de
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Elternleben

Am Meer

Da stehe ich nun. Es regnet und ich ziehe meine Kapuzenjacke tiefer ins Gesicht. Ich habe es hierher geschafft, ganze 160 km weiter als in den letzten zwölf Wochen. Ich stehe am Meer. Seit  dem Beginn von “Du weißt schon was” habe ich mir das so sehr gewünscht. Ich hatte richtig Me(e)hrweh und fast körperliche Symptome. Ein kleines Stechen im Herzen, da links, immer wenn jemand ein Bild vom Meer gepostet hat.

Jetzt bin ich hier und schaue aufs grau. Die Wolken sind grau, der Sand ist grau, das Wasser ist grau aber irgendwie ist es trotzdem noch da, ganz ruhig und als hätte es auf mich gewartet, dieses Meer.

Ich setze mich in den nassen Sand. Nach den Anstrengungen der letzten Monate möchte ich eigentlich weinen. Ich möchte meinen Körper mitregnen lassen, ganz einfach. Ich möchte die Schmerzen der Coronaeltern wegfließen lassen, den Stress, die Zumutung, die Doppelbelastung plätschern lassen, genau jetzt und hier in den grauen Sand.

Meine Hände greifen in das Nasse. Körnig fühlt sich der Boden an und wenig zertreten, bei diesem Wetter bleiben auch die letzten Touristen zu Haus.

Während ich warte, dass sie abfällt diese Anspannung der letzten Monate…

rund um: die Sorgen um den Studienabschluss, die Sorgen um meine Eltern, die Jobsuche, die Ängste um die psychische Gesundheit der Kinder, die finanziellen Doppelbelastungen, die stetige Suche nach Druckerpapier, die innere Zerrissenheit, die vermissten Umarmungen, die vielen Streitereien wegen des Homeschoolings, die Überforderung mit dem neuen Normal…

… wie tausend Regentropfen in ein Reagenzglas, lausche ich dem immer gleichen Geräusch des Wellengangs.

Ich nehme die Sorgen und Ängste. Ich nehme die Wut, die Trauer und die Tränen. Ich lasse sie fließen in ein Reagenzglas und stopf einen festen Korken drauf!

Meine Brille wird nass und mein Hintern auch. Während ich aufstehe und zum Meer laufe, fließt zwar keine einzige Träne, aber dafür breitet sich ein zartes Lächeln in mir aus.

Ein leises, ein stilles Schmunzeln ist das und ich habe das erste Mal seit “Du weißt schon was” das Gefühl von “Ich bin noch hier! Als ganzes Stück, am richtigen Ort zur richtigen Zeit!” und das macht mich stark und glücklich. Ich ziehe meine Socken aus und tauche den Zeh ein.

Da bin ich. Mit Dir. Mit Euch. Am Meer!

Alu

Am Meer_Coronaeltern_Tränen

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5 Comments

  • janine
    19. Juni 2020 at 21:33


    Wir sind seit 2,5 Wochen wandernd auf dem Weg dorthin (ans Meer) u. sind dem “Du weißt schon” so bestmöglichst ausgewichen u. entflohen…und ich freu mich sooo anzukommen…!
    Eine schöne Zeit noch!
    j.

  • Ramona
    20. Juni 2020 at 08:57

    Ich habe auch Meerweh.

  • Denise BloggerMum
    21. Juni 2020 at 18:20

    Wir waren letztes Wochenende am Meer und es tat einfach so gut! Genieß deine Auszeit!

  • CoBa
    22. Juni 2020 at 10:12

    Ich hab auch Meerweh. Am Freitag dürfen wir zur Kur an die Nordsee, die wir Anfang Januar genehmigt bekamen. Damals brauchte ich sie schon dringend und jetzt noch viel mehr. Bis letzte Woche haben wir gebangt, ob wir fahren dürfen. Es wird anders als vor ein paar Jahren, aber das Meer ist das gleiche und am Strand spazieren ist so erholsam. Egal bei welcher Jahreszeit und sonstigen Auflagen.

    Liebe Grüße
    CoBa

  • Alu und Konsti
    22. Juni 2020 at 11:15

    Da hast du völlig recht. lg Alu

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