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Elternleben Urlaub mit Kindern

Falle ich vor Ehrfurcht auf die Knie? Wenn die Musterfamilie nebenan wohnt #Gastpost

Heute wieder ein #Gastbeitrag, eine Frau im Urlaub fragt sich: Was mache ich falsch?

Wir sind ja gerade in Zeeland im Urlaub. Im Bungalow gegenüber eine junge niederländische Familie mit drei Jungs (ca 4, 3 und max. 1 Jahr). Die machen mich fertig.

Und warum? Nein, nein, nicht durch Krach, Geschrei, Irrsinn. Sondern zum Beispiel gestern: Mutter liegt im Garten und schläft. Schläft! Hört ihr! Auf einer hübschen roten Decke. Das Baby sitzt mit dem Vater am Terrassentisch und guckt so in die Luft. Es guckt. Es bewegt sich nicht viel, es guckt einfach ganz zufrieden in der Gegend rum. Vater trinkt ein Bier und guckt auch so herum. Entspannt. Die beiden anderen Jungs liegen auf einer anderen Decke, schauen in ein Heft und sind still. EWIG. SIE SCHLÄFT.

Einzelfall? Mitnichten. Mittags sitzen Vater und Mutter (jung. Schlank. Sportlich) draußen und lesen Seite an Seite. Scheinbar machen die Kids Mittagsschlaf, sie sind nicht zu sehen. Abends dafür Halligalli? Nö. Ab 19.30 sitzt das Paar wieder draußen und spielt Karten. KARTEN!

Wenn die Musterfamilie nebenan wohnt

Heute Mittag hat sie draußen in so einem Erwachsenenmalbuch gemalt, mit sehr schönen ordentlichen Stiften. Baby saß im Gras und kaute ein Brötchen, die Jungs fuhren Rad. Allein. Ums Haus. Einfach Kreise. Vater, keine Ahnung, der war vielleicht gerade den Nobelpreis entgegen nehmen.

(Jetzt ist mir das Handy aus der Hand gefallen und der Post wurde halbfertig eingestellt. Sorry. Hier der Rest)

Jetzt gerade grillen die da draußen. Die Erwachsenen unterhalten sich. Einfach so. Die Kinder essen, gucken, fragen mal was. Sonst NIX.

Die haben sich da Lichterketten aufgehangen für Abends und Teelichter. Es sich nett gemacht. Lichterketten! Im Urlaub!

Ich derweil bin froh, ansatzweise genug Schlüpper für alle dabei zu haben. Nix Lichterketten. Mein eines, einziges Kind, ein blondgelocktes Mädchen, reißt hier zwischenzeitlich die Hütte ab, legt sich 3x am Stück aufs Maul während sie nackt, kreischend und juchzend aus dem Fenster steigt, redetredetredet und rudert mit ihren 80 Oktopusarmen, wirft alles um, singt in einer Tour, hat sich die Knie blutig geschlagen und die Haare mit einer schönen “Sandfrisur” selbst gestylt. Zeitfenster: 2min.

Geh ich da rüber und falle in Ehrfurcht auf die Knie? Beobachte ich still weiter? Was passiert da drüben – was wissen die, was ich nicht weiß?

Sarah

Habt ihr Antworten für diese Frau? Lasst sie mich wissen, ich leite sie weiter.

Bleibt tapfer! Alu

Wie wir mal mit den Kindern Radurlaub im Regen machten – inklusive alter Räder

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16 Comments

  • Petra
    23. Juni 2020 at 10:12

    Antworten habe ich auch nicht, mir machen solche Menschen auch Angst. Ich beneide sie irgendwie, weil ich so gern mal mit meinen Kindern am Tisch sitzen würde, ohne dass nach 3 Sekunden schon 2 Gläser umgefallen sind. Andererseits weiß ich gar nicht, ob ich so ein Dauer-Bullerbü überhaupt haben möchte. Oder ob ich nicht unglaublich stolz bin, dass meine Kinder ihren eigenen Willen haben und einfach nur Kinder sind. Wild. Zerzaust. Und wahnsinnig glücklich dabei.

  • fKreimeyer
    23. Juni 2020 at 19:54

    Herrlicher Beitrag! Danke…
    Antworten habe ich auch keine. Habe aber, noch schlimmer, genau solche Nachbarn – und das schlimmste, die sind auch noch nett😅!

  • Irmi
    23. Juni 2020 at 22:40

    Ich hab einen Lesetipp für die Frau.
    “Wie aus anstrengenden Kindern großartige Erwachsene werden”.
    Misttitel, Superbuch.
    Hat mir mit meinen drei Energiebündeln total geholfen…

  • Chris
    24. Juni 2020 at 06:50

    Ich musste so lachen, als ich das las. Auch wir haben so perfekte Nachbarn. Wir haben 4 chaotische Kinder, der Älteste war 5,5 Jahre alt, als nach 3 Brüdern ein Mädchen kam. In den Urlaub fahren wir immer in ein Haus, das möglichst irgendwo in der Pampa steht, damit man unseren Lärm nicht hört. Perfekt ist es bei uns nie, nie richtig aufgeräumt, dafür lustig, kreativ und oft chaotisch, aber das macht für uns das Leben aus. Wenn wir in den Urlaub fahren, denke ich garantiert nicht an lichterketten, bin ja schon froh, dass wir die Fähre nach Schweden nicht verpassen…

  • KE
    24. Juni 2020 at 10:46

    Es ist aber auch eine Frage von Phasen und Interessen, denke ich.
    Bei uns kann es auch manchmal richtig ruhig sein, wenn der 8-Jährige Asterix liest und der 4-Jährige ihm gespannt über die Schulter guckt. Das können die auch eine Stunde durchhalten.

    Das heißt nicht, dass es nicht auch schon Tage gab, an denen ich beide mit Vehemenz aufs Trampolin geschickt habe, weil sie mir das Haus komplett in Schutt und Asche gelegt haben. Ist seltener geworden, war eine ganze Zeit gang und gäbe. Extremfälle am Wochenende morgens um neun und im Winter abends im strömenden Regen!

    Und es sind ja auch Individuen, die zu uns kommen und oft schon als Babys völlig unterschiedlich sind. Da kann man selber möglicherweise ein ruhiger Charakter sein – wenn die anderen es eben nicht sind, dann sind sie es eben nicht 🙂

  • Anna
    24. Juni 2020 at 12:44

    Geheimtipp: mehr als 1 Kind! Nach Möglichkeit noch altersmäßig nah beieinander. Habe ich auch. Und dadurch herrliche ruhige Urlaube und Wochenenden. Ich konnte immer schön im Strandkorb dösen, während Einzelkind Familien in einer Tour gefordert waren. Die ungeplante doch recht lange Wanderung? Motivieren sich gegenseitig mit den verrücktesten Ideen.
    Die kümmern sich. Spielen, streiten, vereinen sich wieder. Und wenn sie im schlimmsten Fall alle gegen die Eltern sind, ist alles bestens.

    Aber Nachteil hat’s natürlich auch: ein Kind verkauft man eher an die Großeltern, als drei!

    Alles eine Frage der Perspektive!

    Viel Kraft weiterhin!

  • Sarah Rogalik
    24. Juni 2020 at 14:27

    Meist sind es Kleinigkeiten in Form von klaren Absprachen oder Ansagen, die mehr Ruhe ins Familienleben bringen. Und keine Angst, die Kinder werden dabei in ihrer Freiheit oder Kreativität nicht eingeengt oder beschnitten, es gibt ihnen Halt und Ruhe! Ebenso kann man auch, und sollte man meiner Meinung sogar, schon den kleinsten beibringen, dass man Rücksicht auf andere nehmen sollte. Empathie fehlt vielen Kindern vielerorts. Und die Energien der Eltern übertragen sich auf die Kinder, das darf ich immer wieder bei meinen drei Kindern und mir erfahren, beobachten, annehmen und, wenn nötig angehen.

  • Kristina
    24. Juni 2020 at 23:04

    Ich fand den Text auch super lustig zu lesen 😀
    Mir geht es ein bisschen so mit meiner Teamchefin: Harvard-Abschluss, Promotion, 1a Karriere und vier Kinder. Dazu noch Vorstand im Kindergarten und in diversen Vereinen aktiv sowie gerade ein Haus gebaut. Und nett ist sie auch noch!!!

  • Diana
    25. Juni 2020 at 07:45

    So ähnlich füvle ich mich auch hin und wieder, wenn ich andere Familien beobachte. Aber mal was anderes…Was ist das für eine Puppe auf dem Bild?

  • Franzi
    25. Juni 2020 at 18:08

    Beneidenswert! Klingt richtig gut. Witzig, dass einige Reaktionen gleich sind: die müssen dressiert sein. Entweder wild, chaotisch und frei oder angepasst und duckmäuserisch. Aber klar, dann lässt sich die eigene Rasselbande sicher leichter ertragen😂

  • Alu und Konsti
    25. Juni 2020 at 18:24

    Das ist eine Luvabell Puppe.

  • Barbara
    25. Juni 2020 at 19:53

    Liebe Sarah!

    Ich habe ihre Verhaltensbeschreibung sehr genossen. Sie gibt mir ein gutes Gefühl und zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht. Ich sehe vor
    meinem inneren Auge ein Kind voll positiver Energie und Lebensfreude, das sich frei zum Ausdruck bringt, die Welt erobert. Ein Kind voll Vertrauen, das offenbar gut ins Leben begleitet wird.
    Daher: Herzlichen Glückwunsch zu ihrer Tochter! Sie braucht diese anderen Eltern nicht. Sie, Sarah, sind ganz offensichtlich genau die Richtige für sie.

  • Dalia Meier
    26. Juni 2020 at 13:55

    Nur weil mans selber nicht hinkriegt, heisst es nicht dass es etwas nicht gibt.

  • hannah
    26. Juni 2020 at 20:21

    ach gott, genau. DANKE !!!!!!!!!

  • Julia
    26. Juni 2020 at 20:41

    Herrlich!!! Danke für die Lacher, die jetzt noch in meinem Bauch stecken nach dieser Lektüre!

  • Marina
    27. Juni 2020 at 15:01

    Da ist eine Familie, die stillvergnügt ihr Leben genießt und ganz bei sich ist. Und da ist eine Mutter, die anscheinend große Sehnsucht nach genau so einem Leben hat und so unzufrieden mit ihrem eigenen Leben ist, dass sie die Familie abwerten muss. Ich finde es nicht zum Lachen, wie sie schreibt, sondern spüre ihre Wut und auch ihre Trauer darüber, dass ihre Realität dem Traumbild nicht entspricht.
    Ich wünsche Dir, liebe Sarah, dass es auch Dir gelingt, in Deinem Leben so anzukommen, dass es Dir gefällt. Schau nicht mehr hin, schau auf Deine Familie!

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