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Wenn man einfach immer weitermacht, weil man nicht anders kann! #LockdownGedanken der Familie

Den Satz „Ich bin so erschöpft“ habe ich in den letzten Monaten sehr oft gesagt, denn ja: Ich bin erschöpft von dieser Zeit des Corona-Lockdowns* und der Zerrissenheit zwischen Elternschaft, Hilfslehrerinnentätigkeiten, Köchin, Kleinkindpädagogin und Arbeitnehmerin. Diese Erschöpfung aus dem ersten Halbjahr spüren sehr viele Eltern erst jetzt richtig aus sich herausbrechen. „Man macht eben einfach immer weiter“, hat mir neulich eine vierfache Mutter erzählt, das war kurz nachdem sie sich offiziell ins Burn-Out verabschiedet hatte. 

Man macht einfach weiter, weil man nicht anders kann. So haben sich viele Phasen der Corona Zeit mit den Kindern auch für mich angefühlt.

Ich habe auch immer weiter funktioniert, habe versucht meinen Tunnelblick auf das Wesentliche, auf das Funktionieren im inneren Kreis zu richten und war schon irgendwann gar nicht mehr in der Lage mal wirklich nach links oder rechts den Kopf zu drehen, da mir meine Schlitterbahn (oder Spirale) ausreichend erschien. Dieser Tunnelblick ging irgendwann so weit, dass ich keine Nachrichten mehr schauen wollte. Ich hatte das Gefühl wir Familien sind sowieso die „Superspreader“ und sollen das Ding jetzt für alle ausbaden. Ich fühlte mich beschämt, rastlos und alleingelassen. Erst jetzt erkenne ich die eigentliche Wut aus dieser Zeit und kann das für mich resümieren und annehmen. Die Erschöpfung dieser Zeit hängt mir weiterhin in den Knochen, aber auch das bestärkende Gefühl dies als Familie gut überstanden zu haben.

 „Was soll ich denn jetzt machen“, ist im Gegensatz dazu DER Satz der Kinder aus dieser sehr intensiven Zeit zu Hause.

Obwohl wir mit einem kleinen Garten und der Möglichkeit für verschiedene Aufenthaltsräume sehr gut ausgerüstet sind, beschreibt die große Tochter die vergangene Corona-Lockdown Situation* vor allem als eins: Als wahnsinnig langweilig!

Als 13-Jährige musste sie jeden Tag Hausaufgaben erledigen (und das wirklich in Masse!), Konferenzen mit den Lehrern verfolgen, im Haushalt helfen und sich mit ihrer Familie beschäftigen und das intensiv über 12 Wochen. „Ich habe sogar irgendwann angefangen zu telefonieren“, erzählt sie mir im Gespräch, „dabei telefoniert niemand gern in meinem Alter“ (Einwurf der Mutter – das war in meiner Pubertät noch anders). 

„Langeweile“ also, das fühlt sich wirklich seltsam an.

Wenn ich als Elternteil an die Zeit ab Mitte März denke, dann ist das letzte was in meinen Kopf kommt der Begriff „Langeweile“. „Für mich hat sich dieser Lockdown, der ja eigentlich keiner war weil wir mussten ja auch mit euch spazieren gehen oder Rad fahren, so angefühlt als würde das ganze Leben nur aus Hausaufgaben, Ärger wegen der ganzen Digitalunterricht mitbekommen und immer mit der Familie sein müssen, bestehen“. Es stimmt, das Zurückgeworfen sein auf uns als Familie war zeitweise anstrengend und auch wirklich mit zwei Schulkindern, einem Kleinkind und zwei Arbeitnehmerinnen im Haushalt relativ durchgetaktet. Irgendwie fühlte es sich aber auch so intensiv an „Wie eine zweite Elternzeit, wieder mit wenig Schlaf und zu viel Papierkram“, beschrieb es mal mein Mann.

18 Sommer mit einem Kind_grossekoepfe

Die große Tochter erzählt weiter, dass sie nun ja ganz froh sei, dass wieder Schule sein würde (bei ihr auch mit Maske im Unterricht), aber dass alle so tun würden als sei diese Corona Sache schon vorbei, das wäre für sie nicht verständlich „Eigentlich warten wir alle nur darauf, dass wir bald wieder zu Hause sitzen und knackende Leitungen in Konferenzen erneut ertragen müssen“, führt sie aus.

„Und was würdest du tun, wenn wir bald wieder zu Hause sitzen alle zusammen?“, will ich von der Tochter wissen. „Ich weiß nicht. Ich würde wahrscheinlich täglich Videotelefonieren, neue Musik entdecken und mir wieder einen anderen Schlafrhythmus angewöhnen“, sagt das Kind und ich nicke. Ich freue mich über diese kindliche Sicht auf die Ungewissheit. Es scheint fast ein positiver Blick auf mögliche neue Einschränkungen zu sein.

Meer_Eimer_

Ich hingegen habe mehr Sorge vor einer neuen Zäsur. Viele Familien sind bereits in der ersten Lockdown-Situation an ihre persönlichen Grenzen gekommen und darüber hinausgegangen. Sie wurden bis jetzt nicht ausreichend unterstützt und konnten keine neuen Kräfte sammeln, um für sich und ihre Kinder Lern- oder Arbeitsumgebungen zu schaffen, die sie als Familie über einen längeren Zeitraum tragen könnten. Finanzielle Sorgen oder auch weitere soziale Vereinsamung von Familien würden sich langfristig stark auf alle Gesellschaftsbereiche auswirken, denn was die anhaltende Pandemie nun wirklich allen gezeigt haben sollte: Familien mit Kindern werden immer nur als Teile von Gruppen wie den Arbeitnehmerinnen, Arbeitgeberinnen, Studentinnen, Sozialhilfeempfängerinnen, Menschen mit Migrationshintergrund, Flüchtlingen oder pflegenden Angehörigen uvm. mitgedacht, aber selten als eigenständige Gruppe betrachtet.

Es fehlt ihnen schlichtweg die starke Lobby und die politische Relevanz und das ist schrecklich. #CoronaEltern #ElterninderKrise #CoronaElternFeedback #Blogfamilia

Alu

*Ein wirklicher Corona Lockdown wie in anderen europäischen Staaten hat nach meinem Ermessen nie stattgefunden.

 

 

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1 Comment

  • Thommy Santiago
    9. November 2020 at 11:24

    Hey Alu,

    so ähnlich geht es uns auch gerade!! Der Blogpost hat mich echt zum Schmunzeln gebracht 😀

    Es ist bei uns auch mal wieder soweit und wir sitzen mit unseren beiden kleinen zuhause “fest”. wir versuchen ihnen die zeit so angenehm wie möglich zu machen, aber leider fällt uns auch hin und wieder die Decke auf den Kopf!
    Spazieren gehen wir oft oder wir fahren Fahrrad, aber jetzt kommt der Winter uns Aktivitäten draußen werden immer schwerer zu finden! Hast du Tipps?

    Auch das Home Office macht mir zu schaffen. Ich vermisse die Kollegen und manchmal ist es zu hause einfach zu viel und ich komm nicht zur Ruhe :S wie macht ihr das? Ich habe auch dazu schon einen guten Artikel gelesen zur technischen Ausrüstung: https://www.betriebsrat.de/betriebliches-gesundheitsmanagement/veroenderungen-des-betrieblichen-gesundheitschutzes/technische-voraussetzungen-homeoffice.html aber wie macht ihr das besonders, wenn mal Meetings oder so anstehen?

    Ich freue mich auf deine/euere Rückmeldung und auf neue Artikel!

    Liebe Grüße
    Thommy

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