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Wie geht es Eltern in dieser aktuellen Krisensituation

Wie umgehen mit dieser Situation, wie darüber reden oder sich einlassen können? Wir haben einige Texte von Eltern zu der aktuellen Kriegssituation in der Ukraine gesammelt, persönliche Einblicke in diesen Zeiten. Hier eine kleine Sammlung: Wie es Eltern gerade in dieser Situation geht.

Eine Bekannte schickt mir ein Foto:

Die beiden Männer, die hier auf diesem Foto von heute ihre Kinder tragen, sind mein Mann und mein Schwager (Mann der Schwester meines Mannes). Meine Familie. Der eine in Russland geboren, der andere in der Ukraine.

Wären auch nur einige Weichen in ihrem Leben anders gelegt gewesen, sie wären heute gezwungen, aufeinander zu schießen. Und ihre Kinder würden sich nicht an den Händen halten, sondern in Kellern ausharren, sich mit uns Müttern auf einen langen Weg ins Ungewisse machen. Oder Schlimmeres.
Ich kann gar nicht sagen, was momentan alles los ist. Und gleichzeitig ist es so, so unbedeutend, ich bin völlig irrelevant, nur ein Mensch von vielen, die zwar Angst haben, aber denen es (noch?) gut geht im Leben. Trotzdem ist es da, ich kann ja nicht aus meiner Haut, es ist die einzige, die ich habe. Meine unendliche Trauer für die ukrainische Bevölkerung, die Trauer um ein Russland, das Kultur und Ankerpunkt auch meiner Tochter ist. Nackte Panik und Todesangst, die wellenartig über mich kommt, wenn ich von Putins Drohungen über Atomwaffen lese, und dann wieder abebbt.
Die ganz persönliche Situation in unserer Familie, die gerade alle zerreißt. Besonders meine (russischen) Schwiegereltern, weil sie gerade all ihre Ansichten, ihre ganze Geschichte in Frage stellen, neben der Angst noch zusätzlich. Mein Schwiegervater ist grau, er ist in gar keiner guten Verfassung. Meine Freundinnen und Freunde, die Verwandte und Liebste in der Ukraine haben. Neben Odessa erfuhr ich jetzt von Eingekesselten in Kiew, dazu Bekannte in Charkiw.
Wo führt das alles hin. Nirgendwohin. Egal, was passiert: es führt nirgendwohin. Es gibt nur Leid, so viel unnötiges, schreckliches Leid.
Sabine
Ich bin  ziemlich neben der Spur. Da hier seit C🦠💩 kein FreeTV läuft, gucke ich in den letzten beiden Tagen viel auf Twitter oder höre die Nachricht übers Headset, damit mein Kind nicht verunsichert wird. Die News überschlagen sich ja fast.
Wir waren heute fast 3h spazieren, ich wollte gar nicht nach Hause. Mir fällt da die Decke auf den Kopf. Und Kind und Hund sind eh gerne Draußen…
Wichtig ist das wir einen kühlen Kopf bewahren. Und uns  gegenseitig Mut machen.
Claudia
Morgens schalten wir unsere Handys ein. Wir schauen kurz auf die Nachrichten und sprechen darüber. Wenn wir mit den Kindern in diesen Tagen zusammensitzen, dann halten wir uns kurz. Wir wollen sie nicht verunsichern und teilen daher wenige Informationen mit ihnen. Es ist nicht gut zu viele beunruhigende Nachrichten zu teilen, wir wollen lieber schauen wie wir gezielt mit den Kindern reden können. Die täglichen Nachrichten machen uns Angst und lassen uns sorgenvoll die Zukunft schauen.  Mit den Kindern schauen wir Logo Nachrichten, auf der KIKA Seite oder uns auf der Seite Kindersache.de für kindgerechte Informationen um.
Alu
Ich bin seit 6 Uhr wach und habe direkt den Fernseher angemacht. Der Fernseher ist aber aus, sobald der Große wach ist. Er hat natürlich schon Bruchstücke aufgeschnappt und wir versuchen es ihm kindgerecht zu erklären.
Jetzt sitze ich auf dem Sofa, der Ofen ist heiß und wir schauen ntv. Es fühlt sich so unglaublich falsch an.
Wir bekommen so viele Informationen durch Funk, Fernsehen und Internet. Wie war das vor 80 Jahren bei unseren Großeltern? Was nimmt man mit, wenn man weiß, dass man vielleicht nie wieder in sein Zuhause zurück kann?
Ich sitze hier und weine. Denke an die Erlebnisse meiner Oma. Sie hat mir stundenlang von ihrer Flucht aus Ostpreußen erzählt.
Ihre Worte waren immer, dass sie nie wieder Hunger leiden möchte. Ihre Rente hat sie zum größten Teil bei Aldi gelassen, aber sie hatte immer Essen im Haus. Genug für die ganze Familie.
Karin
Es sind so viele Gedanken in diesen Tagen…
Wohin? Wenn es nötig wäre? Wie? Was mitnehmen? Ich habe nicht mal einen Reisepass. Waren das die Gedanken unserer Großeltern? Oder waren sie (durch das Fehlen der heutigen Medien) weniger informiert und damit vielleicht auch nicht so panisch?
Gedanken über die Erzählungen meiner Großmutter vom Krieg. Über das ewige frieren. Meine Großmutter hatte sich geschworen in ihrem Haus, das sie später besaß niemals frieren zu müssen. Der Gedanke an dieses Haus hat sie ihr Leben lang angetrieben. Selbst in den Tagen als es ihr finanziell bestens ging, gab es keinen Urlaub. Alles wurde ins Haus investiert..
So viele Gedanken… wie privilegiert wir doch sind. Wir sitzen in unseren warmen Wohnungen und haben ausreichend Lebensmittel….
Ich versuche, meine Angst irgendwie zu kontrollieren..aber es gelingt mir nicht immer.
Verena
Hier ein Gastpost über ein Kind der Liebe zwischen der Ukraine und Russland.
Habt ihr Gedanken, die ihr mit uns zu diesem Thema teilen möchtet? Dann sendet uns gern Texte oder auch Seitenempfehlungen an alu@grossekoepfe.de
Interessante Artikel zum Thema findet ihr auch bei den tollen Kolleginnen von:
Wie und ob ihr mit Kindern über Krieg sprechen solltet, einen Artikel dazu findet ihr bei Little Years
Wer spenden möchte, dem empfehlen wir:
und
Einen guten Podcast haben wir gefunden bei BR:
Wie geht es Eltern in diesen Krisenzeiten des Ukrainekriegs

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