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An manchen Tagen frage ich mich, wie wir dich groß kriegen sollen?

Das Kind zerrt an meinen Nerven

„Meine Nerven“, denk ich manchmal. „Meine Nerven“ und dann
seufze ich ganz laut. Gerade habe ich dich dabei ertappt wie du das Bad unter
Wasser gesetzt hast. Du wolltest Ballons mit Wasser füllen um damit kleine
Wasserbäder für die Dinos zu füllen. „Isch experimentiere“ heißt das bei dir
und deine Experimente haben schon einen flammenden Toaster, einen Wasserschaden
beim Nachbarn, angemalte Wände bei Freunden und uns etliche graue Haare
beschert. 

Du bist ein Kind was Dinge ausprobieren möchte und muss. Ohne fremde
Hilfe schmierst du dir ein Brot, oder wechselt die Musik in der Wohnung. Du
baust heimlich Dinge, oder schraubst Gegenstände auseinander. 

Du hast einen starken Willen

Deine
Eigenständigkeit und dein Wille Neues auszuprobieren machen mich wahnsinnig
stolz und unruhig zugleich. 
An manchen Tagen frage ich mich wie wir dich groß
kriegen sollen? Wie wir dich unverletzt durch all diese Dinge durchbekommen,
wenn man alle fünf Minuten Angst vor der nächsten Katastrophe haben muss?
 

Wir
reden mit dir, zeigen dir immer wieder unseren Rahmen. Der Rahmen unserer
Elternschaft der dich vor Gefahren beschützen soll, er soll dich nicht
einengen, nicht verändern nur beschützen. Du rollst mit den Augen, kennst die
Ansagen längst und schielst schon auf das nächste Projekt mit Klebeband und
Möbeln. 

Vielleicht brauchst du eine andere Umgebung?

An manchen Tagen denke ich, dass du einen Garten brauchst und Platz und
noch viel mehr Ruhe als gedacht. Wenn du unruhig bist, wenn die Kita dich
anstrengt, wenn du dort mit einer Auszeit auf der Bank sitzen musst, dann kommst du
mit viel mehr Unruhe und Ideen im Kopf nach Hause. War dein Tag jedoch gut und
du kannst mir davon erzählen, dann kann ich dich beim Spiel mit Lego ansehen.
Ruhig baust du Stein auf Stein und erzählst mir von den Abenteuern
monsterartigen Superhelden und drückst mir zwischendurch ein Küsschen auf die
Wange. Wir lesen Bücher an diesen Tagen und befinden uns in einem ruhigen Kokon.

Wurzeln und Flügel

Gleich gehe ich das Bad wischen und stelle dir eine große Schüssel hin. Über
der Schüssel kannst du dann weiter Ballons füllen und mir deine Experimente erklären.
Du kannst dich ausprobieren und später selbst in die Schüssel steigen, wenn du
magst.

Eines Tages, wenn all die anderen Erwachsenen in die gleiche
Richtungen trotten und du hoffentlich erfolgreich im “zick zack” laufen wirst, dann werde ich
wieder stolz sein, mich an Wurzeln und Flügel erinnern und dir ein Küsschen auf deine Wange geben mein kreatives Querkopfkind.

Alu

.

Mehr: Plötzlich ist das Kind weg, eine kleine Gruselgeschichte

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5 Comments

  • Mama Notes
    10. März 2016 at 09:57

    Hach, ich heul doch bei sowas immer. Alles Liebe für Deinen niedlichen kleinen Querkopf, ist doch super, dass er so ein Ventil für sich gefunden hat! Die Experimente sind sein Garten 😉

  • Sqirrel
    10. März 2016 at 10:00

    Boah Pippi inne Augen 🙂 Könnte mein Mittlerer sein, den du da mit der Unruhe und dem eigenen Weg beschreibst, dem auseinanderbauen und den tausend Ideen…und mit den Gedanken "wie sollen wir den bloß heil durch die Kindheit und vor allem die Jugendzeit bringen??!" Diese Unruhe ist oft so anstrengend und der Sturkopf erst recht (aber da sind wir alle 5 hier gleich, ein Rudel sturer Böcke *g*) aber er hat auch so ein unglaublich großes Herz und ich bin schon sehr gespannt was aus ihm mal wird.

  • mutterseele
    10. März 2016 at 15:35

    Was für ein schöner Text! Wenn dieses Kind und mein Sohn sich je kennen lernen, sollten wir sie NICHT unbeaufsichtigt lassen, keine Sekunde!

  • Anonym
    10. März 2016 at 19:14

    Toller Text über ein wohl wunderbares Kind

  • Joana
    22. Dezember 2018 at 14:50

    Meine Tochter hat auf dem letzten Geburtstag einer Freundin von mir ein Bild von der Wand geholt, Stifte unter den Teppich gewürmt, den iPod zwischen Waschmaschine und Wand gesteckt und wahrscheinlich noch viel mehr Dinge von denen wir nur noch nichts erfahren haben. Ich bin oft am Rande der Verzweiflung und genau so oft finde ich großartig was sie tut. Toll dass es noch mehr solche Kinder gibt und toll dass Ihr darüber schreibt damit wir anderen uns nicht so allein fühlen!

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