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Du siehst aus wie Du #DubistIch

Du
siehst überhaupt nicht aus wie deine Mutter


Als
ich ein Baby war, sah ich aus wie mein Vater. Auch als Kind sah ich aus wie
mein Vater und im Erwachsenenleben erkennt man meinen Vater immer noch im mir. Jahrelang
habe ich versucht zu beweisen, dass ich auch das Kind meiner Mutter bin. 

Das bin Ich. Sagt das Kind. Dann muss es wohl stimmen.


Meine Schwester und ich sehen uns gar nicht ähnlich

Wenn
man eine Schwester hat, die der eigenen Mutter sehr ähnlich sieht und man das
selber nicht tut sind es manchmal harte Zeiten. Auf Veranstaltungen wurden wir
häufig nicht für Geschwister gehalten, meine Mutter musste mich immer extra
vorstellen da wir uns einfach nicht ähnlich sahen. Erst wenn mein Vater um die
Ecke bog, war es klar woher ich meine Gene hatte. Charakterlich bin ich wohl
die Mischung meiner Eltern, so sagten es mir die Leute irgendwann. Die Stimme
meiner Mutter, die direkte Art vom Vater.

Ich bin ich, schon seit Jahren

Selten
werde ich mit meinen Eltern heute noch in einen direkten Bezug gesetzt. Einzig
manche Verwandte ruhen sich auf veralteten Bildern aus. Ich bin ich und schon
seit Jahren.
Ich bin weder meine Mutter, noch bin ich mein Vater, auch wenn sie Beide
mir in vielen Dingen Vorbild sind. Ich werde geliebt um meiner Selbst willen.
Der Mann sagt immer, er hätte sich genau in mich verliebt und nicht in die
Seiten meiner Mutter, oder die meines Vaters. Ich sei der geborene Ausgleich
der Beiden.


Du
siehst genau aus wie deine Mutter


Als
mein erstes Kind geboren wurde, sah es aus wie ein Baby. Es sah nicht aus wie
der Papa, oder wie Ich. Es sah aus wie ein kleines, niedliches Alien mit großem
Kopf. Es war niedlich und es war unseres. Im Laufe der Zeit wurde aus dem Baby
ein kleines Kind. Die Augenfarbe wechselte zu grün und die Haare wurden blond und
immer mehr Menschen sagten uns, wie sehr das Kind mir ähneln würde. Der Mann
und ich machten Witze darüber. Wir sagten „Das Kind sieht gar nicht aus wie die
Mama, sondern wie der Postbotenvater“
und so lachten wir die Kritiker der
Familienseite des Vaters hinweg.

Das Kind wuchs und wurde sie selbst

 Aus dem kleinen Kind wurde ein großes Kind und
das Kind wurde zart, immer zarter und bekam rötliche Haare. „Strawberryblond“
und noch grünere Augen, die einen einfangen können, wenn man zu tief
hineinschaut. Das Kind malte und malte, es spielte Fußball und trug heimlich
den Schmuck der Mutter und die Stimmen verstummten. Es gab plötzlich keine „Ganz
die Mutter, ganz der Vater“
Sprüche mehr, denn man sah die Einzigartigkeit des
Kindes. Sie war sie geworden, ganz ohne Vergleichbarkeit. Der Schritt über
diese Grenze machte mich erst ein bisschen traurig, denn vielleicht sind Kinder
ja auch ein Stück Unsterblichkeit, immerhin tragen sie uns doch weiter? Doch
irgendwie befreite es mich auch. Viel zu oft legte ich meine eigenen Maßstäbe
an das Kind „Ich konnte das doch schon. Wieso macht sie das nicht wie ich das
gemacht habe?“
und so befreite das Kind mich und den Vater, der so oft die
Ähnlichkeiten gesucht hatte.

Das ist der Vater. Sagt das Kind. Dann muss es wohl stimmen.

Du
siehst genau aus wie dein Vater


Als
K2 geboren wurde, sah er aus wie ein Baby. Er sah aus wie ein kleiner Alien mit
sehr vielen Haaren. Alle sprachen davon, dass dieses Baby wie der Vater
aussieht und ich schaute den Mann mit den braunen Augen und Vollbart an und sah
keine Ähnlichkeiten zwischen dem Alien und ihm. Im Laufe der Zeit wurde aus dem
Baby ein kleines Kind. Seine Haare wurden blonder und seine Augen tiefblau. So
blau wie das Meer, in dem man versinken kann. Seine kleinen Zähne offenbarten
diese jene Zahnlücke, die man mir mit fünf Jahren noch operativ entfernt hatte.
Die Stimmen verstummten und es konnten nur noch Wenige Ähnlichkeiten zwischen
dem Mann und dem Kind sehen. Wenn der Sohn jedoch stolperte, oder wie
Rumpelstilzchen durch die Gegend hüpfe, kam sofort von Familienseiten „Ganz der
Vater. Genauso ungeschickt“
. Es tat dem Kind und dem Vater weh und wir
lächelten und sagten „Er ist so ungeschickt, wie sein Vater der Briefträger“  Nun warte ich. Ich warte auf den Moment, wenn
aus dem kleinen Kind ein großes Kind wird. Wenn der Sohn endlich den Sprung zur
Freiheit schafft. Wenn nicht mehr Jeder in ihm seinen Vater erkennen will,
sondern Er nur noch Er sein darf.

Du siehst genau aus wie Du




Unsere
Kinder sind unsere Kinder. Ja gut, vielleicht sehen sie mir doch etwas
ähnlicher, aber vor allem sehen sie sich selbst am ähnlichsten. Sie sehen aus
wie Geschwister. Sie sind so unterschiedlich wie man nur sein kann: Zwischen
Sanftmut und Wildheit. Wer weiß schon, ob unsere Kinder irgendwann dafür kämpfen
werden, mehr gesehen zu werden als „Mutterkind“, oder „Vaterkind“. 
Aber bis
dahin werden sie jeden Tag ein bisschen freier sein und wir auch.
Das ist mein Beitrag für #DubistIch von der Blogmutti aller Schweizer Mama on the rocks.

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3 Comments

  • 2KindChaos
    6. April 2015 at 11:51

    Eine sehr schöne Geschichte 🙂 ihr seid echt tolle Eltern, die die Kinder sie selbst sein lassen, das ist echt selten. Ich litt auch unter den Vergleichen, das ging von Großelternseite sogar so weit, dass jedes Paar das Kind bevorzugte, das der eigenen Seite vermeintlich ähnlicher war. Auch bei meiner Tochter geht es oft "Die sieht aus wie du" und ich sehe das nicht, genausowenig wie ich finde sie wäre ein Klon ihres Vaters. Wenn man Einzelbausteine nimmt kann man sie vielleicht zuordnen, manche nicht, aber die Gesamtkomposition ist ganz eigen und auch der Charakter ist ganz wunderbar anders als unserer 😉

    Liebe Grüße, Frida

  • Working Mom
    6. April 2015 at 19:39

    Was ein wundervoller Text

  • Kathrin
    14. Dezember 2015 at 19:45

    Herrlich. Wirklich ein toller Text. Ich kann mich an (viel zu viele) Situationen meiner Kindheit und Jugend erinnern, in denen meine Eltern tatsächlich sogar fast ein bisschen gestritten haben, ob ich denn nun das tolle Aufsätze-schreiben eher von Papa oder eher von Mama hätte – und ich hab.es.gehasst. Meine Leistung, mein Individualismus… Ich fühlte mich dessen fast ein bisschen beraubt. Eure Herangehensweise schätze ich daher sehr. Mein Sohn ist mir optisch (leider ?!?) wie aus den Rippen geschnitten, aber das darf er eines Tages gern selbst entdecken – oder es eben auch lassen. Alles andere lasse ich mal auf mich zukommen und so lange schütze ich seine Persönlichkeit davor, von anderen reingeredet zu kriegen, wer er denn zu sein hat und wer nicht. Danke für den motivierenden Text 🙂

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