Weißt du eigentlich, was für Sorgen ich mir mache, Kind? #EinfestgehaltenerMoment XII - Grossekoepfe.de | Ein Elternblog mit Ihrer und Seiner Sicht aus Berlin!
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Kindergartenkind

Weißt du eigentlich, was für Sorgen ich mir mache, Kind? #EinfestgehaltenerMoment XII

Es reichen nur zehn Sekunden und plötzlich ist alles anders.

Es ist Sonntag, wir haben Zeit. Gemeinsam schlendern wir zum
Spielplatz, die Sonne scheint. Ich setze mich auf den Spielplatz und schaue dir
beim Schaukeln zu. Es ist toll zu sehen, wie du dich selber abstößt, abbremst
und dir eine eigene Höhe erkämpfst. „Ich fliege“ rufst du und ich winke dir zu.
Leben mit dir ist Abenteuer, jeden Tag.

Ich schaue dir zu und bin glücklich.

Als dir warm ist ziehst du dein Shirt aus. Nur noch in
Unterhosen flitzt zu durch den Sand, spielst mit dem Wasser und redest mit
anderen Kindern. Gemeinsam mit anderen kleinen Flitzpiepen baust du eine
Sandburg und ich schaue in die Bäume. Es ist schön dieses da sein, einfach nur
sein mit dir, weißt du.
Nach einer Weile kommst du zu mir „Ich muss mal groß“, sagst
du und ich nehme deine Hand. Wir gehen über die Straße zur Eisdiele und weil
gerade dein Papa um die Ecke kommt, sage ich „Geh schon rein auf die Toilette, ich
warte hier draußen auf Papa“, und sehe dich noch reingehen, zügig in Unterhose.
Als der Mann bei mir angekommen ist und fragt wo du bist
verweise ich auf die Eisdiele und die Toilette. Er will nach dir schauen gehen
und sich die Hände waschen und geht rein.

ABER: DU BIST NICHT DA! DU BIST WEG.

Der Mann kommt zügig zu mir raus, sagt „Die Toilette ist
besetzt, da ist er nicht. Wo ist das Kind?“ und ich merke wie mein Herz
schneller schlägt, pumpt und pumpt und leichte Panik in mir aufsteigt. Wir
besprechen uns ungefähr zehn Sekunden lang, dann rennt der Mann los. Er rennt
Richtung unserer Wohnung, drei Straßenübergänge weiter. Drei Straßen die man
überqueren muss, zur Eisdiele und zurück.

Mir bleibt die Luft weg, ich kann nicht atmen vor Angst.

Ich gehe auf den Spielplatz, schaue mich um und kann dich
nicht entdecken. Ich merke, wie mir die Luft wegbleibt, wie ich das Gefühl habe
nicht atmen zu können. Ich gehe nochmal in die Eisdiele, frage nach dir und
bekomme von der Verkäuferin gesagt, dass du nur kurz drin warst und dann
rausgeflitzt bist.
Ich flitzte nun auch, gehe zügig nach Hause, über diese drei
Straßen. Drei Straßenüberquerungen zwischen uns und der Eisdiele. Ich laufe
schnell, mein Atem stockt. In der Ferne kann ich die Haustür schon sehen, sie
ist verschlossen. Ich möchte eigentlich schon in Tränen ausbrechen, aber mein
Hirn sagt immer wieder nur „Noch nicht, noch ist nicht alles verloren“ und als
ich die Haustür aufschließe, steht der Mann da und hat dich auf seinem Arm in
unserem Hausflur. Du immer noch nur in deiner Unterhose bekleidet.


Weißt du eigentlich was für Sorgen ich mir gemacht habe?

„Nicht laut werden“, sagt der Mann und er tut gut daran, mich
zu beschwichtigen, denn ich möchte brüllen. Ein tiefes, angstvolles Brüllen von innen.
Ich möchte dich fragen: „Was soll das?
Wieso denkst du nicht nach? Wo warst du? Weißt du eigentlich was ich mir für
Sorgen gemacht habe?“, aber ich kann sehen, das du weinst.
„Da die Toilette dort besetzt war ist er nach Hause gegangen, weil dort die nächste Toilette ist“, erzählt mir mein Mann mit dir auf dem Arm. „Als
ich an der Haustür ankam, stand unten der Nachbar, sie luden eben ein Auto aus. Ich
fragte diesen ob er den Sohn gesehen hätte, er verwies mich auf die Treppen.
Vor der Wohnungstür stand der Sohn…“…. „Ich hatte doch keinen Schlüssel Mama“,
stimmst du ein und ich musste doch so dringend“, und dir rollen Tränen über die Wange. 
Ich halte mich an dir fest
und dann weinen wir beide ein bisschen mitten in unserem Hausflur. 
Drei
Straßenübergänge weg von dieser Eisdiele. Du und Ich.
#einfestgehaltenerMoment

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5 Comments

  • Sari
    11. August 2016 at 07:30

    Oh Gott, was ein Horror… Ich wäre gestroben. Gut, das alles gut ausgegangen ist. Und im Grunde hat er alles richtig gemacht, oder?

  • Katharina
    11. August 2016 at 21:09

    Puh…hab meinen Sohn mal 20 Min am Strand gesucht. Ein echter Alptraum. Wollte ihn gar nicht mehr loslassen als ich endlich beim Spielen unter der Strandbude gefunden hatte.

  • Anonym
    22. August 2016 at 19:20

    Omg grauenvoll!! Zum Glück gut ausgegangen!!

  • Mandy Schlickau
    22. August 2016 at 19:24

    Als mein Sohn knapp 2 war,(es war tiefer Winter und mein Sohn lediglich mit Strumpfhose und dünnen Pulli gekleidet) war ich mit ihm Wäsche aufhängen. Gelegentlich lief er zur Waschmaschine um an den Knöpfen zu drehen. Nach 2 Minuten war es mir dann doch zu ruhig. Hab dann nachgeschaut, und die dicke Kellertür stand weit offen. Nie war er an den Schlüssel gegangen um die wirklich schwere Tür zu öffnen. Ab da begann mein Herz an zu schlagen wie verrückt. Ich war alleine und dachte das ich jeden Moment zusammenbreche. Bin los gerannt und habe mich umgeschaut(wir wohnten am Dorf) aber habe ihn nicht gefunden. Nach fast 10 Minuten fiel mir dann ein das ich noch auf dem Pferdehof ca 3Min vom Haus endfernt schauen könnte. Und auf dem Weg dorthin habe ich ihn Gott sei dank gefunden. Habe ihm in die Arme geschlossen und sofort geweint. In meinem ganzen Leben hatte ich noch nicht so viele Sorgen und Ängste.

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