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Elternleben Leben mit Kindern

#CoronaEltern: Alleinerziehende in der Coronazeit #Gastpost

Immer wieder veröffentlichen wir Gastbeiträge von anderen Eltern, heute mal von einer alleinerziehenden Mutter und ihren Erfahrungen aus der Corona Zeit.

Ich bin seit neun Jahren eine alleinerziehende Mutter. Mein Sohn ist 14, meine Tochter ist 11 Jahre alt. Beide werden seit sieben Jahren regelmäßig jedes zweite Wochenende vom Vater abgeholt, Freitag bis Sonntag. Dazu dürfen Sie an Weihnachten zwei Tage kommen und, wenn wir Glück haben, fünf Tage in den Sommerferien.Der Vater hat seit ca. sieben Jahren „die neue Freundin“ und seit sechs Jahren noch ein weiteres Kind mit ihr. Sie arbeiten beide in Vollzeit, leben im Haus ihrer Eltern fast mietfrei und dass „weitere Kind“ wird gerne von Oma und Opa betreut. Er zahlt Unterhalt ans Jugendamt, ich bekomme Unterhaltsvorschussleistungen.

Ich selbst lebte lange von ALG II und meinem Job in der Gastro, jeden Cent, den ich habe, drehe ich zweimal um und stecke alles in meine Kinder.

Die haben massig notwendige Bedürfnisse, aber wem erzähle ich das. Daher mache ich z. Z. noch eine Ausbildung zur Bürokauffrau, wünsche mir einen 8:00 – 16:00 Uhr- Job mit gutem Gehalt. Extra-Zeit mit dem Vater gibt es für meine Kinder nicht. Extra-Geld vom Vater nur nach langem Quengeln und Bitten und Betteln. Dafür hält er sich auch aus allem raus, ich endschied bisher alles allein, welche Schule, welche Vereine, welche Erziehung, welche Vorgaben und Regeln. Es war ein ruhiges Leben mit ihm. Er mischte sich nicht ein, UVL kam, die Kinder durften ihn regelmäßig sehen, was mir sehr wichtig war, denn ich bin selbst ohne Vater aufgewachsen. Und dann kam Corona. Corona kam nach Europa, die ersten Einschläge in Deutschland.

Die ersten Beschränkungen. Die erste Nachricht vom Vater: Er könne die Kinder nicht mehr holen, da „die neue Freundin“ in einem Großhandel arbeiten würde (Buchhaltungs-Büro, kein Kundenkontakt!) und die Kinder anstecken könne.

Die beiden dann meine Familie und mich. Wir wollen auch euch damit schützen. Ich fand es vernünftig und hab dazu nichts weitergesagt, die Corona-Panik fing an alle zu befallen. Als die Schule schloss, habe ich ihn gebeten, dass er sich um die Kinder mit kümmert. Sie gehen nicht zur Schule, ich sitze jeden Tag bis 14:00 im Büro und er ist seit Monaten wegen seinem Rücken krankgeschrieben und zu Hause. Nein, so antwortete er, das ginge nicht. Das „weitere Kind“ müsste ja Oma und Opa besuchen, wenn er wolle, auch damit Vater solange seine Ruhe hat, daher keinen Kontakt. Oma und Opa sind Risikogruppe. Sobald die Schule wieder geöffnet sei, würde er die beiden wieder holen… Ich war schon zu diesem Zeitpunkt so unglaublich sauer auf ihn, aber durch die Vorgaben konnte ich nicht viel machen. Ich war mit dem Kopf in den Finanzen, es sah düster aus.

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Die Gastronomie schloss ebenso, mir fehlte Geld. Ich fragte daher, ob er das Geld, dass er sparte da er seine Kinder nun schon dreimal nicht geholt hat, zur Verfügung stellen könne, natürlich tat er das nicht. Nachdem die Kontaktbeschränkungen das erste Mal gelockert wurden, habe ich nochmal angefragt, wie es mit einem Wochenende bei Papa aussieht, ich war am Limit.

Finanziell ging es mir schlecht, nervlich noch mehr.

Jeden Tag im Büro, dann einkaufen, kochen zu Hause ( Kinder fressen dir die Haare vom Kopf, wenn sie den ganzen Tag zu Hause sind), aufräumen (Kinder machen so viel Unordnung, wenn sie den ganzen Tag zu Hause sind) und Hausaufgaben machen ( Kinder machen KEINE Hausaufgaben, wenn sie den ganzen Tag zu Hause sind). An den Wochenenden auch keinen Moment Ruhe, nur Sorgen und Kinder. 24/7 seit Wochen. Aber auch da kam die nächste Ausrede, er dürfe und könne nicht, das würden die Kinder verstehen… ab und zu rief er an, einmal ging er mit ihnen spazieren, mit Mundschutz und 1,5 Meter Abstand.

Die Enttäuschung, dass er Sie nicht zum Wochenende abholte, bekam ich ab. Nun ist es so, die Gastro hat wieder geöffnet, die Kinder dürfen wieder einmal pro Woche zur Schule, man darf sich wieder treffen, überall darf man sich wieder mit Corona anstecken.

Nur beim Vater zu Hause ist immer noch dicht. Sie hätten schließlich keine Lust auf eine 2 wöchige Quarantäne, in die sie alle müssten, wenn die Kinder bei Ihnen übernachten würden. Abstand wäre dann auch nicht möglich. Wir leben in einer Gegend, in der es nie schlimm war mit Covid-19, wir haben zurzeit drei aktive Fälle in unserer Stadt. Ich bin nicht mehr ängstlich, ich verstehe seine Ausreden nicht mehr. Seine neueste Ansage war dann vor ein paar Tagen, er hole die Kinder ab, wenn die Kontaktbeschränkungen aufgehoben seien…wann soll das sein? In 6 Monaten, in 2 Jahren? Ist das sein Ernst? Sie könnten ja ab und an spazieren gehen, er würde sich melden. Ich blieb fassungslos, mit meinem Handy in der Hand sitzen und verstand die Welt nicht mehr. Die Tochter braucht eine neue Brille. 160,00 Euro, die ich nicht habe. Ich schrieb ihm, ob er etwas dazu tun kann, nein könne er nicht, irgendwann dieses Jahr, wenn etwas übrigbleiben sollte, dann eventuell. Sie fragte dann, ob er ihr neue Kleidung bestellen könne, sie bräuchte dringend neue T-Shirts und Hosen, alles wächst an Ihr und Mama kann es sich gerade nicht leisten. Seine Antwort war: Dann muss deine Mutter mehr arbeiten gehen! Die Gastro hat ja wieder auf. Das war der Moment, an dem ich heulend in der Küche stand, mein Ex-Freund nahm mich in den Arm, und ich habe nur noch geweint. Die Wut auf ihn und die Überheblichkeit, mit der er mich und die Kinder abtropfen lässt, machen mich sprachlos und unfähig noch einen netten Gedanken an Ihn zu behalten. Seit nunmehr zehn Wochen bin ich Alleinerziehender als vor Corona, aber nicht wegen Krankheit oder Tod, sondern wegen den Ausreden, der Verbohrtheit und dem Unwillen des Vaters sich um seine Kinder mit zu kümmern. Die ganze schulische Belastung liegt auf mir, die finanzielle ebenso.

Alleinerziehend in Coronazeiten

Die Kinder vermissen ihn und sehen nicht, dass seine Ausreden keinen Sinn ergeben. Ich bin so wütend wie noch nie auf einen Menschen.

Ich bin maßlos enttäuscht, für meine Kinder. Und ich fühle mich allein gelassen. Ihn hat noch nie viel interessiert, das war okay, aber er war da und hat sie gesehen. Wichtiger noch: Sie konnten ihren Vater sehen und haben den Kontakt nicht verloren. Und jetzt macht Corona aus Ihnen quasi Halbwaisen, weil Vater keine Lust hat, weil Vater nur Ausreden liefert, sich irrational an Vorgaben hält, die längst überholt sind, und meiner Meinung nach nicht gelten, für Väter und Ihre Kinder. Ich musste immer alles allein regeln, war immer auf mich gestellt, hatte niemals Rückhalt von seiner Seite, das kenne ich schon, und die gesamte Situation hat mich glauben lassen, dass man enger zusammensteht, sich gegenseitig mehr unter die Arme greift. Aber das war mein persönlicher Irrglaube. Erst in der Krise, erkennt man den Charakter.

Miri

Danke für diesen Beitrag liebe Miri und für diese neue Perspektive. Für die Zukunft wünschen wir deiner Familie alles gute. Wenn ihr auch Gastbeiträge habt, dann sendet uns gern neue Texte zu. Alu

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8 Comments

  • Sylvana
    7. Juni 2020 at 18:23

    Liebe Miri, halte durch. Ich fühle mit dir. Meinr beiden (6+8 Jahre alt) sehen seit Weihnachten ihren Vater nicht, kein Anruf, kein Brief.
    Für uns ist es auch ätzend, meine sind wütend. Ich kann sie nur tröstend zur Seite stehen.

  • Schnuffi
    8. Juni 2020 at 13:14

    Hej,
    Deine Kinder haben dich und damit unglaubliches Glück.
    Deine Wut,Verzweiflung,Enttäuschung berühren mich sehr.Ich bin auch alleinerziehend,aber mit dem Privileg eines sozialen Netzes.
    Ich wünsche dir alles gute und einen langen Atem

  • Ines
    8. Juni 2020 at 19:00

    Liebe Miri,

    ich sitze hier mit Tränen in den Augen und kann es nicht fassen, was Elternteile ihren Kindern antun können. Ich denke jeden Tag, wie glücklich ich gerade aktuell sein kann, nicht alleinerziehend zu sein. Ich wünsche dir ganz viel Kraft und hoffe, dass endlich auch die Politik kapiert was Alleinerziehende leisten – jeden Tag, rund um die Uhr.

  • Claudia
    8. Juni 2020 at 22:10

    Oh man. Ich verstehe dich total. Du schaffst das, halte durch.
    Ich finde es immer so schlimm, wenn Väter sich nicht um die eigenen Kinder kümmern möchten. Die Kinder spüren das, verstehen vieles nicht oder falsch. Sie müssen so viel darunter leiden.
    Ich verstehe die Gefühle manch Väter einfach nicht 🙁 Natürlich macht man sich über Corona Gedanken, aber unter der Familie (wenn es nicht gerade die Omis und Opis betrifft) sollte das aber nicht sein.

  • Celas
    10. Juni 2020 at 14:39

    Hi,
    Meine persönliche Meinung ws kam ihm grade recht das er sich nicht um seine Kinder kümmern muss.

    Ich kümmere mich seit dem shut Down um eine süße(7 Jahre) in dem Fall ist es aber die Mutter die sie jedes 2 Wochenende Wenn’s hoch kommt 24 std holt.

    Ich gehe auch am Limit ( 2 mäuse 6/7 + schwanger)bin zwar in einer Partnerschaft aber seit der Krise sind es genau 2 Dinge die mich halt die süße und der bauchzwerg.

    Kopf hoch deine Kids werden irgendwann merken was sie von ihrem “Vater ” halten können. Wir müssen alle durchhalten

  • Jannika
    10. Juni 2020 at 19:36

    Guten Abend.

    Ich finde, dass ihr auf sehr hohem Niveau jammert.
    Leute, es ist doch nicht neu, dass man Kinder auch als Berufstätige Mutter( Vater) betreuen muss. Wie haben es bloß unsere Eltern geschafft?

    Wir reden hier von einer Ausnahme. Das ist doch nicht auf Dauer. Wo seid ihr eigentlich, wenn es Deutschland richtig schlecht geht?
    Ein paar Wochen und alle jammern…
    Lieben Gruß

  • Annika
    14. Juni 2020 at 08:20

    Es ist wirklich unglaublich wie es die -meistens- Männer immer wieder schaffen sich komplett aus der Verantwortung zu stehlen.
    Sorgerecht bedeutet auch Sorgepflicht.
    Feel you!

  • Rita
    14. Juni 2020 at 18:57

    Hallo Miri,
    Ich kann dich besser verstehen als mir lieb ist. Ich bin nun seit 6 Jahren alleinerziehend mit 2 Kindern (9 und 11) und seit 5 Jahren weigert sich der Vater meiner Kinder sie zu sehen, sie zu unterstutzen, zu zahlen. Einfach alles bleibt 7/24 an mir hängen. Eltern sind wweut weg.
    Ich hab alles hinbekommen, muss ja. Dann gab ich im Februar einen neuen Job angefangen. 6 Wochen später kam Corona, volle Kanne in der Probezeit. Ich habe Angst um meinen Job, ich habe ein traumatisiertes Kind (durch das Verhalten des Vaters) das auch noch an Legasthenie leidet.
    Meine Eltern haben kein Verständnis für meine Situation. Ich bin am Ende. Ich habe keine Kraft mehr.
    Ich verstehe dich so gut!

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