Wie das Sportabzeichen der Schule den Kindern die Laune verdirbt, Schulsystem
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Schulkind

„Du kannst das einfach nicht“- Wie das dämliche Sportabzeichen der Tochter die Laune verdirbt.

„Du kannst das einfach nicht“ gibt es nicht, oder doch?

Heute Abend führte ich ein interessantes Gespräch mit unserer großen Tochter. Es fühlte sich ein bisschen so an, als würde ich wie ein berühmter Motivationstrainer auf einer beleuchteten Bühne stehen und die ganze Zeit „Tschakka, du schaffst das“ rufen und dabei die  Schulter des Nachwuchses tätscheln.

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Sportnieten?
Eigentlich mag ich mich in dieser Rolle, denn Menschen zu motivieren finde ich toll (und mache ich es gern), aber in diesem Fall musste ich unsere Tochter davon überzeugen das Sportunterricht total spitze ist und das Sportnoten und das Sportabzeichen total wichtig sind, dabei finde ich das überhaupt nicht.

Ich finde Sportabzeichen und Sportbenotung dämlich.

Ehrlich gesagt finde ich Sportabzeichen und Sportbenotung total unnütz, denn alles was dieses Sportabzeichen mir und dem Kind bis dato gebracht hat ist Stress. Ich kann mich noch an meine eigenen schlaflosen Nächte und Tage voller Angstschweiß erinnern in denen ich Hochsprung, Weitsprung,
Stangenklettern und was weiß ich unter Beweis stellen musste und immer wieder als „Niete“ oder „Sportidiot“ abgetan worden bin.

„Sport gehört dazu.“ „Der Unterricht ist wichtig die Motivation und Leistungsfähigkeit und das
Durchhaltevermögen des Charakters zu testen“ usw. All diese Sätze und auch meine Diskussionen um dieses dämliche System sind mir im Gedächtnis geblieben und ich habe mir immer geschworen, dass ich dieses System so nicht unterstützen werde und das ich auch immer ein glücklicher Mensch ohne Sportabzeichen bin.

Ein veraltetes Schulsystem, gekoppelt an den Leistungsgedanken.

Da aber das System Schulsport sich leider bis dato nicht stürzen ließ (genausowenig wie die Bundesjugendspiele) stand ich heute Abend nun also vor meiner Tochter und führte dieses Motivationsgespräch. Sätze wie „Probier es doch nochmal“, „Wir können es uns gern mal
zusammen anschauen“ usw. waren deshalb von Nöten war, weil eine pädagogisch fragwürdige Sportlehrerin ihr bereits mehrfach zu verstehen gegeben hat „Du kannst das eh nicht, lass es doch gleich bleiben“ und „Du bist schlecht in Sport.“ Obwohl ich eigentlich losziehen möchte um der Sportlehrerin
im Dunkeln aufzulauern und mit ihr ein paar Takte über einen guten ausgebildeten Charakter von Menschen auch ohne sportliche Höchstleistungen zu führen (rein philosophisch versteht sich), schreibe ich der Klassenlehrerin eine E-Mail in der ich dringend anrate über die Kommunikationsmethoden der Sportlehrerin, sowie die Nachwirkungen auf das Kind nachzudenken. Ja, ich biete sogar an mit der Lehrerin selbst zu sprechen und ihr meine Ideen zur Sportmotivation darzulegen und vielleicht an Kommunikationsbeispielen aufzuzeigen, denn ich habe längst mein persönliches Kindheitstrauma der Sportdicken vom Dienst überwunden.
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Was Sport über den Charakter eines Menschen aussagt? Nichts, gar nichts.

 Ich habe nämlich (inzwischen) Spaß an einigen Sportarten, gehe gern Rad fahren, schwimmen und tanzen. Ich habe mir meine Liebe zum Sport allerdings selbst erkämpfen müssen, denn mein Selbstbild „Ich bin die totale Sportniete“ hat sich hartnäckig gehalten, in mir drin. Dieses Gefühl will und kann ich dem Kind ersparen, indem ich es stärke und es nicht kleinhalte. Ich motiviere also und nehme mir gleichzeitig vor, ihr tolle Menschen zu zeigen die auch ohne sportliche Höchstleistungen unsere Gesellschaft in anderen Dingen voranbringen, ihr zu sagen, dass dies nur ein Ausschnitt von Festhalten an
einem veralteten blöden Schulsystem ist, in dem alles auf Leistung getrimmt ist und auf Norm.  Ich werde sie stark machen für Sätze wie „Du bist doch nur ein Mädchen“ und „Du kannst das eben nicht“ und
für eine Infrage – und Diskussionskultur.

Hauptsache Spaß, darauf kommt es an.

Irgendwann dann, wenn die große Tochter dann vielleicht ihre ganze eigene Liebe zu irgendeiner
Sportart entdeckt hat, dann erzähle ich ihr ausserdem davon, wie ich meine beste Note im Grundkurs Gymnastik erhielt, als ich eine Kür zu „Smack my bitch up“ vor dem gesamten Kurs gezeigt habe und mich sehr gefreut habe, als man hinterher über mich und mit mir herzhaft lachen konnte zu meiner sportlichen Bestnote 3.
Alu

Wie ich meinen Beckenboden verlor  

Ein Nachtrag: Man könnte diese Diskussion auf alle Fächer erweitern: Kunst, Mathe, Chemie etc. und das zeigt mir wieder einmal wie veraltet unser Schulsystem ist.

Kinder richtig bestärken

 

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12 Comments

  • Sassi
    27. April 2017 at 06:10

    Liebste Alu,du stehst sicher nicht allein da mit deiner Wut, deinen negativen Erinnerungen und dem Wunsch, dass sich in diesem wahrlich sehr eingestaubtes System was tut.Alles bewegt sich immer schneller, verändert sich in rasantem Tempo, nur unsere Schule ignoriert das. Macht im Grunde weiter wie seit hunderten von Jahren. Und meckert dann über die Kinder, die so "anders sind als damals", wunder sich darüber, dass sie nicht mehr ins System passen. Und dann schreibt man tausende Bücher darüber, warum unsere Kinder heute Tyrannen sein sollen, unselbstständig, warum sie nicht nichts mehr abkönnen.Aber das vielleicht einfach das System Schule mit seinem engen Korsett großer Teil des Problems sein könnte, in einer Welt der Individualismus einfach ein hohes und zum Glück auch immer anerkanntes Gut ist, das wird dabei viel zu wenig beachtet. Vollkommen verrückt. Eigentlich.Es ist nun aber so, dass es systematisch betrachtet einfach unglaublich schwierig ist, an nur einem Rädchen zu drehen. Änderst du auch nur ein Schräubchen, hängt in der Regel ein Rattenschwanz daran. Unsere Leistungsgesellschaft lebt von und durch Beurteilung, Seperation und Einordnung (leider). An hunderten Stellen. Noten wegzulassen würde nur dann sinnvoll funktionieren, wenn all die daran hängenden gesellschaftlichen Beurteilungsfelder ebenfalls wegfielen oder wenigstens umgedacht würden. An solche umfassenden Veränderungen wagt sich so schnell niemand heran. Zumal ich dir aus der Schulpraxis sagen kann, dass viele Eltern sehr viel konventioneller denken, als man zunächst meinen könnte.Ach, wenn ich könnte, wie ich wollte.Ich denke, aber im Bezug auf den Sportunterricht wären Veränderungen leichter möglich. Noten fand und finde ich seit jeher in diesem Bereich überflüssig. Es ist oft alter verstaubter Drill aus Großmutters Zeiten. Ich finde schon, dass er an die Schule gehört, denn Bewegungsausgleich muss da hin. Aber auch dort könnte man viel individueller arbeiten, kindgerechter, respektvoller. Letzteres vor allem ohne Große Anstrengung. Das hat die Lehrkraft selbst in der Hand.Im Bezug auf ein Gespräch mit der Lehrkraft warne ich vor. Viele Lehrkräfte reagieren (leider) sehr schwierig auf Einmischung seitens der Eltern. Warum das so ist, kann ich sogar durchaus verstehen, denn LehrerInnen sind wirklich viel zu oft die Zielscheibe des Schulsystems. Eigentlich sollte das auf gar keinen Fall die SchülerInnen oder Eltern abbekommen, aber dem ist leider oft so. Wenn du also kommst und gar Verbesserungsvorschläge machst, dann kann es gut passieren, dass dieses Gespräch frustrierend verläuft. Und dass du den Stempel der "da will wieder einer meinen Beruf besser können" – Mama bekommst. Traurig, ja. Würde bei mir auch nie passieren, aber ich höre sehr oft davon. Ich möchte dich nicht daran hindern, das Gespräch zu suchen, dich aber eben darauf vorbereiten, dass das nicht sonderlich zielführend verlaufen könnte.Ein kleiner Geheimtipp an dieser Stelle. Lehrkräfte hängen oft genauso hilflos in diesem System. Sind schnell die Buhmänner und -frauen und können selbst, nein dürfen oft nicht viel bewegen. Wenn du als Eltern was bewegen willst, also ein Rädchen drehen, dann suche höhere Instanzen auf. Dort herrscht große Ehrfurcht vor Eltern, weil es da eben auch um Politik und Wählerstimmen geht. Wenn du verstehst.Ansonsten kann ich dir und deiner auch ohne Sportbegeisterung wunderbaren Tochter nicht richtig helfen, aber dir sei gesagt, es gibt auch ein paar Lehrkräfte, die sich trotz der engen Systemgrenzen aufreiben um ihre Schützlinge zu sehen. Sie zu stärken. Und das Selbstvertrauen nicht zu nehmen.Alles Gute,Sassi (ja, genau die)

  • Sari
    27. April 2017 at 07:04

    Ich hatte in meiner gesamten Schullaufbahn genau einen Lehrer, der sagte: Ich bewerte nach dem,was die Kinder Können und ob sie den Willen zeigen etwas schaffen zu wollen. Er ging nicht danach, ob alle die gleiche Leistung bringen, sondern holte sie wirklich da ab, wo sie waren und war gut beim motivieren. Leider eine sehr schlechte Bilanz. Es sollte mehr davon geben.

  • Kim Sophie
    27. April 2017 at 19:18

    Man kann darüber nachdenken, ob Sportnoten vielleicht generell abgeschafft werden, aber dieses "er hat sich ja bemüht" fand ich ehrlich gesagt total fies früher. SchülerInnen, die sich schwer in Naturwissenschaften oder Fremdsprachen tun, bekomme eben auch keine guten Noten, nur weil sie sich bemühen.

  • Tanja
    28. April 2017 at 06:14

    Ich war eine Niete in Sport (war auch neben Mathe immer meine schlechteste Note im Zeugnis). Deinen Post kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich konnte solche Dinge wie Geräteturnen einfach nicht und wollte dann natürlich auch nicht mitmachen. Sport ist jetzt auch nicht unbedingt das Fach, bei dem man durch Lernen besser wird…Die jährlichen Bundesjugendspiele waren für mich wie ein Gang zum Henker. Meine Tochter wird dieses Jahr eingeschult und mir graut es schon davon, denn in manchen Dingen ist sie mir sehr ähnlich: Sie ist ein ängstliches Kind und es dauert sehr lange bis sie etwas probiert (schwimmen, Radfahren, etc….). Sie hat eher andere Begabungen und Geräteturnen wird nicht ihres sein.

  • katinka aus LE
    28. April 2017 at 06:55

    Ich bin auch auf 180, gestern hat eine Sportlehrerin zu meiner Tochter gesagt, sie wäre eine "Schildkröte". Und das, obwohl sie gar nicht so unsportlich ist, sondern eher ausdauernd, aber eben nicht explosiv. Und wenn sie neue Sachen macht, dann ist sie langsam und vorsichtig und ich finde das gut so. Es ist unglaublich, wie wenig sich einige Lehrer darüber bewusst sind, welchen Impakt sie auf die Kinder haben.

  • Anonym
    28. April 2017 at 17:18

    Es steht außer Frage, dass diese Sportlehrerin total doof ist.Was mir beim Lesen aber noch eingefallen ist: Hast du die letzten beiden Artikel vom gewünschtesten Wunschkind zum aktiven Zuhören gelesen? Vielleicht ist es gar nicht so gut, deine Tochter so sehr motivieren zu wollen. Vielleicht braucht sie eher jemanden zum Dampf ablassen bzw. eine tröstende Umarmung. Und erzähle ihr ruhig von deiner Schulsportvergangenheit. Mich hat das in ähnlichen Situationen immer sehr getröstet, wenn ich wußte, das jemand ähnliche Erfahrungen gemacht hat… Lästert doch lieber gemeinsam über die doofe Lehrerin als wenn du versuchst, deine Tochter gegen deine eigene Überzeugung vom Gegenteil zu überzeugen :o)Alles Liebe,Nadine

  • Borm
    12. Mai 2017 at 10:56

    Man sollte sich einmal mit den wissenschaftlichen Aspekten befassen.
    Was ist Sport und was macht Sport mit uns? Wenn man dann ein paar Jahre dazu studiert hat und auch praktisch gut oder auch schlecht gearbeitet hat, nur dann sollte man sich erlauben öffentlich darüber zu diskutieren.
    Auch wenig gute Schüler sind „gute“ Schüler nur „der Ton macht die Musik“

  • Alu und Konsti
    13. Mai 2017 at 22:27

    Ich glaube auch das viel Motivation aus dem Tonfall heraus kommt. Alu

  • R.
    23. Mai 2017 at 15:38

    Hallo!
    Für mein Studium (Lehramt) musste ich eine Basisqualifikation Sport machen, damit ich vielleicht und eventuell später Sport unterrichten kann. (Ich hoffe das passiert nie) Ich hatte eine ganz tolle Dozentin und der Leiter des Lehrstuhls ist auch ganz wunderbar. Das gesamte Semester über war der Tenor immer, dass Sportunterricht so gestaltet sein soll, dass Kinder Freude an Bewegung haben und der Unterricht so aufgebaut werden soll, dass alle Kinder alles mitmachen können und niemand ausgeschlossen wird und vor allem auch niemand bloßgestellt wird. Seit meiner Schulzeit hat sich so unfassbar viel geändert, dass Sportunterricht eine wunderbare Erfahrung sein kann. Umso trauiger finde ich es, dass viele Ansätze wahrscheinlich weiterhin nicht in der Schule umgesetzt werden, weil die angehenden Lehrer zu engstirnig sind. (Das betrifft nicht nur den Sportunterricht, sondern Schule allgemein) Am meisten überrascht hat ich die Aussage, dass in Sport die schlechteste Note eine drei sein sollte und diese auch nur vergeben werden sollte, wenn es wirklich und absolut gar nicht anders geht. (und das sollte echt selten sein. ) Selbst Bundesjugendspiele kann man so gestalten, dass sie für jedes Kind eine tolle Erfahrung sind.
    Naja, lange Rede kurze Sinn: Es stimmt mich traurig in Elternblogs immerwieder zu lesen, welche Schwierigkeiten der Sportunterricht macht, wo das doch einfach nicht sein muss. Mit dem Wissen, dass ich jetzt habe, würde sogar ich über einen Kasten springen können.
    LG,
    Ricarda

  • Alu und Konsti
    26. Mai 2017 at 20:07

    Das ist wirklich traurig, wir werden das beobachten.

  • Das Schulkind bekommt ein Smartphone, Acht Regeln für die Nutzung des Smartphone beim Schulkind
    26. Juni 2017 at 21:10

    […] das sei nun ja wirklich besonders peinlich und man könne ja nicht mal in den Klassenchat gehen. Das große Kind nörgelte einige Zeit vor sich hin und so führten wir ein langes und ernsthaftes Gespräch mit […]

  • Tina
    19. März 2018 at 17:58

    Sport und Musik … kann beides weg! Da heißt es, dass die Kinder sich heute zu wenig bewegen. Aber mal ehrlich … der Sportunterricht an der Schule verleidet es einem doch sogar eher noch. Ich fand Sport-Unterricht immer furchtbar. Ich war ein langes schlaksiges Ding. Wurde auch immer gehänselt. In Boden- und Geräteturnen wäre ich sogar ganz gut gewesen. Aber mein Verhältnis zu meinem Körper hat mir das alles zur Qual werden lassen. Und die ganzen Ballspiele … Bei uns waren extrem viele in der Klasse, die in der Freizeit in einem Ballsport-Verein waren. Es macht wirklich irrsinnig Spaß Handball zu spielen, wenn die Hälfte der Schüler im Verein ist.
    Es gab schon immer die, die in der Freizeit viel Sport oder auch Musik gemacht haben. Für die waren die Fächer eh überflüssig. Und die anderen waren nur gefrustet, weil sie mit denen nicht mithalten konnten. Die hatten dann in der Freizeit auch keine Lust mehr drauf. DIe Höhe war bei uns, dass tatsächlich 6er verteilt wurden, wenn Schüler sich etwas nicht trauten.
    Die 4 Wochenstunden könnte man sich sparen. Da hätten die Kinder wenigstens Zeit für etwas Vernünftigeres. Da könnten sie in der Freizeit vielleicht den Sport machen, der ihnen wirklich Spaß macht. Oder das Instrument lernen, das ihnen gefällt.

    Ich habe das Gefühl, dass viele sehen, dass das Schulsystem nicht mehr zeitgemäß ist. Aber es traut sich niemand ran, das umzukrempeln. Es ist bestimmt ein riesen Aufwand. Aber die Zukunft unserer Kinder und auch des Landes sollte das doch wert sein, oder?
    LG, Tina

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