Ostern heute und damals
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Seine Sicht

Ostern heute

Aus Furcht wird Freude: Ostern

Da sind wir wieder mitten in der Heiligen Woche. Vielen von uns sagt das gar nichts (mehr). Auch das triduum sacrum (oder triduum paschalne) haben im heutigen Familienleben meist nur noch am Ende, dem Ostersonntag eine Bedeutung. Unsere Welt ist schrecklich schön. Doch keiner will etwas vom Tod wissen oder vertieft über das Leid nachdenken. Wir sind froh wenn dieser Kelch an uns vorübergeht, ich auch jedes Mal.

Gleichzeitig will der 21zigste-Jahrhundert-Mensch Rituale. Bitte eine romantische Hochzeit, wenn es geht in einer aufgelassenen Kirche mit gemietetem Redner. Wenn die Kinder dann da sind denkt man über Initiationsriten nach und wenn das nicht bedachte Ende kommt suchen wir nach einer irgendwie würdigen Abschlussfeier. Zwischen Wiege und Bahre haben wir zig mal Diät gemacht, meditiert, Zen-Weisheiten gelernt, über Buddha nachgedacht und den Koran in der kommentierten Fassung gelesen. Wir waren tolerant gegenüber allen und jedem.

Über Tod und Leid wollen wir nichts wissen

Doch die Angst und Furcht konnten wir nicht überwinden. Über den Tod und das Leid wollten wir nichts wissen. Auch die latente Dankbarkeit über den Frieden um uns herum hat dies nicht befördert. Ein Mensch namens Jesus von Nazareth der an so einem Kreuz gestorben sein soll als rechte loser Aufwiegler in einem besetzten Land, er interessiert uns nicht mehr. Dagegen kommen seine Vertreter oft in die Medien, meist eher negativ oder kritisch. So ist die Realität. Wir wollen Gott, Schöpfung, Gnade, Barmherzigkeit nicht mehr denken offensichtlich benötigen wir dies nicht. Der Kapitalismus macht sich breit, das Misstrauen, die Effizienz, Selbstausbeutung und Selbstaufgabe. (Ja, es erscheint ganz schön apokalyptisch, doch Moment noch- ich bekomme die Kurve schon).

Diese Furcht bringt mich voran

Das Christliche verkommt meist dazu, das Kritiker mit in christlicher Denktradition entstandenen Argumenten oder sogar Bibelworten gegen die Christen oder die Kirchen ins Feld ziehen. Meist ist Ihnen Jubel dann gewiss.

Ich habe Angst! Diese Furcht bringt mich voran. Diese Furcht lässt mich hoffen. Ich weiß, dass ich sterben werde und alle die ich liebe. Kinder sterben, Menschen leiden, die Verteilung des Lebens erscheint ungerecht. Doch dann kommt da Heinrich Böll um die Ecke:„Ich möchte lieber in der schlechtesten christlichen Welt leben, als in einer nichtchristlichen, denn in einer christlichen Welt ist immer auch Raum für die Schwachen.“ Wir können kurz aufatmen vielleicht doch irgendwo etwas mahr als der Fatalismus und die Zwietracht. Irgendwo doch ein Mensch der selbstlos hilf.

Die Ostergeschichte in kurz

Und es kommt die Osterzeit besser die Kar- und Ostertage. Ein unerkannter König, ein Zimmermann der kein Herrscher sein will kommt am Palmsonntag in die Weltstadt Jerusalem und die Menschen erkennen ihn. Er wird verurteilt, verleugnet, verfämt und gefoltert. Die Besatzungsmacht verurteilt ihn, die jüdischen Mächtigen haben Angst. Der Mann aus Nazareth bekennt sich zu (dem jüdischen) Gott. Als er am Freitag stirbt (das ist heute) reißt sogar der Teppich im Tempel, den seine Mutter gemacht haben soll. Die Freunde bestatten Jesus.

Die Männer aus seinem Umfeld trauen sich nicht zum Grab zu gehen. Frauen (!) machen sich auf den Weg, um den Gnadendienst der Pflege des Leichnams zu erfüllen. Und dann folgt das vermutlich ursprüngliche Ende des Markusevangeliums, des wohl ältesten Textes über die Jesusgeschichten – vielleicht als Vorlage zum durchgängigen Erzählen geschrieben: „Er aber [der Engel] sagte zu ihnen: Erschreckt nicht! Ihr sucht Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden; er ist nicht hier. Seht, da ist die Stelle, wohin man ihn gelegt hat. Nun aber geht und sagt seinen Jüngern und dem Petrus: Er geht euch voraus nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat. Da verließen sie das Grab und flohen; denn Schrecken und Entsetzen hatte sie gepackt. Und sie sagten niemandem etwas davon; denn sie fürchteten sich.“ (Mk 16,6-8, Einheitsübersetzung 2016) Es sind also die Frauen, die zu den ersten Zeugen eines leeren Grabes werden. Der Rest der Hoffnung ist Glauben.

So wie wir als Eltern an die Kinder glauben

So wie wir Eltern an unsere Kinder glauben oder an Geschichten vermeintlich vertrauensvoller Freunde und wir vielleicht nie eine komplette Auflösung erfahren so ist es auch in der Ostererzählung. Denn Glauben entbehrt jeglicher Fakten und ist dennoch immer noch präsent, er ist da wir wollen glauben. Wir brauchen Hoffnung. Das niemand die Auferstehung sah ist im Denken der Antike kein Problem. Gottesereignisse sieht man nicht, denn wer durch sie Gott schauen würde käme er zu Tode. „Du kannst mein Angesicht nicht schauen; denn kein Mensch kann mich schauen und am Leben bleiben.“ (2. Mose 33.20 Einheitsübersetzung 2016). Seit meinem Studium beeindruckt mich der letzte Vers sehr: „Schrecken und Entsetzen hatte sie gepackt“ oder besser in der Zürcher Bibel „Sie waren starr vor Angst und Entsetzen“. Die Frauen und vermutlich können das bis heute meist Frauen am besten, spüren das Besondere sie fühlen, dass es echt ist – für sie ist es wahr. Die Frauen am Grab wussten das es stimmte, sie nahmen es an, die mussten nicht Fragen. So macht es uns der Autor des Textes stimmig klar. Einer von Ihnen -ein Mensch- ist Auferstanden. Jesus ist dem Schrecken des Todes entrissen worden in Folge eines grausamen Todes. Wenn einem dies erstmals klar wird in einer Welt mit alltäglicher Todeserfahrung (und ich behaupte auch heute) bleibt nur Entsetzen und Schrecken. Es wäre töricht ob solchen Wunders keinen Respekt zu haben. Es ist die Hoffnung die bleibt. Stellt euch vor am Ende wird wirklich mal alles gut. Nicht in unserer Dimension aber in einer danach. Der Beginn dieser positiven Gedanken ist Ostern.

Euch und euren Lieben frohe und segensreiche Ostern!

Konsti

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3 Comments

  • Franziska
    2. April 2018 at 19:54

    Ich mag etwas an diesem Text nicht… Du setzt dem Glauben Kapitalismus und Effizienz gegenüber.
    Das ist anmaßend und haarsträubend.
    Ich glaube nicht (habe auch keine spirituelle Leerstelle), kenne mich bestens aus mit Ostern und im Glauben und verpflichte mich weder Kapitalismus noch Effizienz noch sonst etwas. Ich glaube an die menschliche Vernunft und dass es vernünftig ist, sich moralisch zu verhalten (ganz im kantschen Sinne).
    Und dass kirchliche Vertreter oft negativ in den Schlagzeilen sind, scheint dich zu ärgern- Ist jedoch Ihnen und Ihrem Verhalten zuzuschreiben. Dafür sollten sie Verantwortung übernehmen.
    Alles in allem finde ich ist das ein selbstgerechter ärgerlicher Text von dir.
    Sorry.

  • Alu und Konsti
    2. April 2018 at 21:06

    Liebe Franziska,
    vielen Dank für deine Meinung. Dass du dich ärgerst verstehe ich.
    Ich bin froh, dass es dich (nicht) anspricht. „[A]nmaßend und haarsträubend“,
    so sehen es viele. Ich glaube auch an den Menschen, nur an seiner Vernunft lässt mich meine Lesart der Geschichte zweifeln.
    Kirchliche Vertreter werden auch zum Ärgernis, da sie sich anderer Dinge verpflichtet fühlen, als Ihre Kritiker, dort wird oft die Tatsache, dass verschiedene Sichtweisen und Wahrheiten existieren vergessen. „Selbstgerecht“? Das ist meine Meinung mein Text. Wenn all deine Dinge auch selbstgerecht sind, kann ich diese Aussage akzeptieren – ansonsten nicht. Ärger ist nichts schlimmes, mir war deiner sehr konstruktiv.
    Österliche Grüße
    Konstantin

  • Franziska
    5. April 2018 at 17:28

    Nette Antwort.
    Ich übe mich in Toleranz dem Glauben gegenüber.
    An das Gute und Vernünftige im Menschen zu glauben ist vielleicht tatsächlich schwerer als an Gott zu glauben – ich gebe nicht auf 😉
    Ich mag nicht wie viele meiner gläubigen Verwandten/ Bekannten auf Nichtgläubige so einen Blick haben: Weihnachten und zur Hochzeit kommen sie, um Ihre „leeres“ Leben dann irgendwie transzendent aufzuladen.
    Da fühlte ich mich dran erinnert. Es ist sicher schön fest im Glauben zu stehen *wie Oma sagte…. Man kann aber auch ein ganz kluger ausgeglichener und erfüllter Mensch ohne Gott sein denke ich.
    Ganz selbstgerecht.

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