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Mein Vater und seine Geschichten. 1.Teil: Ich winke; Die Geisterradler;

Ich bin ein Kind meines Vaters
Ich bin ein Kind meines Vaters. Das höre ich oft. Es gibt
daran auch wirklich keinen Zweifel. Ich trage seine Gesichtskonturen und auch
seinen Humor mit Stolz. Bereits als Kind stellte ich irgendwann fest, dass wir
uns ähnlicher sind als gedacht. Wir können über die gleichen Dinge lachen,
haben oftmals ähnliche Ideen und stehen oft am Rand. Das wir am Rand dieser
Familie stehen ist nur zum Teil unsere Schuld, wir sind einfach manchmal
anders, direkter und auch weniger gefällig als man es in Familien gewöhnt ist.
Wenn ich K2
ansehe, dann sehe ich auch oft diese Wesenszüge darin. Er ist flink und clever,
er steht oft am Rand und er ist direkt. Sehr direkt! Mein Vater und ich haben
bereits daran beide gearbeitet uns angepasst. Wir können inzwischen schweigen, obwohl uns
manchmal nicht danach ist, K2 übt das noch und himmelt so lange seinen Opa an. 
Meine Eltern haben immer viel gearbeitet. Ich kann mich an Zeiten erinnern in
denen beide viel gereist sind und an Zeiten an denen meine Eltern meine Hände
hielten.  Mein Vater hat mich oft zu
schwierigen Terminen gefahren und er hat mich auch von schwierigen Terminen
wieder abgeholt. Er kann es selten sagen, aber ich sehe ihm seine Liebe oftmals
an, wenn wir schweigend durch die Stadt fahren, oder uns aus dem Alltag
erzählen.

Mein Vater ein Talent für Sprachen

Mein Vater hatte bereits immer ein Talent für Sprachspiele.
Ich denke oft, dass ich die Lust auf das Schreiben und dem Spielen mit der
Sprache von ihm geerbt habe und habe es oft bedauert, dass er in den letzten
Jahren einfach zu viele andere Dinge um die Ohren hatte um sein Talent da
wieder mehr zu nutzen.
Nun ist das anders. Er ist in Rente. Es steht ein neuer
Zeitabschnitt bevor für meinen Vater und ER- (wir alle)  werden uns umgewöhnen müssen. Zeit für sich zu
haben, Zeit allein zu haben und dies auch zu genießen. Es sind Prozesse die
Zeit brauchen! Mein Vater schreibt wieder. Dank SMS kann er mir tägliche
Anekdoten aus seinem Ferienhaus zusenden, in denen er mir vom Alltag berichtet.
Ich liebe diese Anekdoten. Sie bringen mich zum Lächeln wenn ich morgens im
Büro sitze, oder abends auf dem Weg nach Hause bin. Es ist schön, dass er
wieder eine Sprache gefunden hat und ich möchte das aufbewahren. Ich möchte die
Geschichten aufbewahren, denn die Geschichten die er mir als Kind immer erzählt
hat habe ich auch aufbewahrt, in meinem Kopf und in meinem Humor.
Daher habe ich ihn gefragt, ob ich seine Geschichten
veröffentlichen darf (Danke Papa!) und werde das nun in einer kleinen Reihe tun:

Links B. und rechts A.

Montag Morgen:
“Montag Morgen. Mein Lieblingswochentag. Ich kann Sonntag so lange fernsehen wie ich möchte und muss nicht früh raus. Heute Morgen ist das plötzlich eine Stimme. “Nein, Nein, Nein so geht das nicht.” Ich schrecke hoch. Synapsen verschalten. Was ist passiert. Da kommt die Antwort, eine Frauenstimme “Was hab ich denn nun schon wieder falsch gemacht?” Der Mann  “Garnichts. Du machst es nur irgendwie anders”,und dann verschwinden die Stimmen auf dem Radweg im Vorpommerschen Morgen. Nach soviel morgendlicher Harmonie kann ich aufstehen. Man, sind die alle schon fleißig. Der Schäfer fährt vorbei, der Elektriker auch. Ich freue mich. Da kommen schon die Arbeiter, die die gelben Säcke  entsorgen. Wartet, ich esse noch schnell meinen Joghurt, trenne dann den Aludeckel vom Rest und bringe ihn euch. Danke, ihr fleißigen Menschen. Ich winke hinterher, da kommt noch ein Auto. Ich will wieder winken. Da sehe ich es, ist der Pflegedienst der Nachbarn und nehme die Hand wieder runter…”

So sieht mein Montag aus. Bei Papa sieht das total anders aus.

Die Geisterradler

„Guten Tag aus dem Garten. Nach einer sehr stürmischen und
durchregneten Nacht sitze ich jetzt im erfrischenden Garten und lese. Die Schwalben
sind schon recht groß. Da ist nicht nur Schnabel, da ist auch schon Gesicht.
Leider lassen sie sich schlecht fotografisch ablichten, weil das Nest ja voll
im Schatten liegt. Heute früh lag ich wie ein Profi, bei Mondlicht, auf der
Lauer, aber selbst das war nichts. Langsam steigt die Sonne über den Horizont
und vertreibt die Schatten der Nacht.“
„Vorhin kam eine Frau aus dem Ruhrgebiet auf unser
Grundstück. Die hatte einen platten Hinterreifen. Ob ich ihr den reparieren
kann? Ich habe es probiert, aber sie hatte eine Narbenschaltung, da bekomme ich
das Rad nicht heraus. Diese Bildungslücke muss ich schließen. Ob ich dann
wenigstens einen Lift? für sie nach Barth habe??? Auf Nachfrage meinerseits,
was das sein soll war die Antwort: Ich soll sie samt dem Rad nach Barth
transportieren und das alles vor dem Morgenmüsli! Ein Telefon hatte sie auch
nicht. Ich erklärte ihr den Weg. (Den richtigen Weg, nicht wie die Enkelkinder
dem armen Mann, der jetzt als Gespenst mit seinem Rad durch das Moor
geistert!). Hier ist wirklich was los.“
„Nachts irren diese armen Sellen durch das Moor, tragen Dinge
mit sich herum die im entferntesten an ehemalige Fahrräder erinnern und wenn
man genau hinhört, kann man sie jammern und klagen hören. Gar schauerlich
klingt es dann „Wo geht es hier nach Barth? Wo geht es lang?“ 
(Texte von Papa)
Teil Zwei folgt bald!

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