Über das Väter Klischee – Mehr Vater war nie #Vereinbarkeit

Ein Stern in meiner Welt ist dasnuf. Dort las ich neulich (nach Hinweis meiner Redaktionsleitung) den Artikel zum Vater-Bild und Schwupps sind wir drin im Gender-Rollen-irgendwas-Nirwana. Und ich wundere mich – über mich (und Andere). Denn, ich wäre prädestiniert ein Vater wie aus „das Wunder von Bern“ zu sein, in vielen Augen ein konservativer Mann. Katholisch, verheiratet und arbeite auch noch bei Kirchens. Aber ich bin auch „Ossi“.

Vater in Aktion
Ich habe gesehen wie meine Mutter neben 40 Stunden noch viel, zu viel Familienaufgaben hatte. Ja, sie wollte, oder konnte es vielleicht auch nur so. Sie hatte Frausein ja nur so kennengelernt (meine Oma musste zu Hause bleiben beim Kind, erzählte sie mir, ihrem Enkel, damals). Streckenweise war
auch mein Vater verdammt dazu 12 Stunden zu arbeiten.

Wie das damals war

In der Zeit seiner Selbstständigkeit, mit bescheidenem Wohlstand, war es schwierig Zeit für die Kinder zu finden, meine Mutter arbeitete weiter. Sie hat uns später, nach derGeschäftsaufgabe, über Wasser gehalten. Soviel zum Vorgeplänkel, zu den vermeintlichen Vorbildern und der Sozialisation eines glücklichen Kindes.  Meine Mutter und Großmutter ließen nie einen Zweifel daran, wie Sie sich Väter von heute wünschten. DA sollten Sie sein. Aktiv und präsent. DA im Job, DA im Haushalt und DA bei den Kindern. Mein Großvater schien vor allem das erste DA zu sein. Mein Vater ließ am ehesten das DA in der Mitte aus. Ich versuche all das DA umzusetzen (nicht ohne Schwierigkeiten).

DA SEIN IST FÜR MICH SELBSTVERSTÄNDLICH und für meine Generation Mann, so dachte ich, sei es das auch.

Richtig roch ich den Braten erst, als ich feststellte, dass nur wenige Männer 12 Monate Elternzeit nehmen. Dann las ich, nicht einmal spürbar viele Väter gingen zwei Monate raus (obwohl diese Zeit auch eher für
einen schönen Urlaub reicht, als für Baby-Training). Gründe für die väterliche Abstinenz waren schnell herbei argumentiert, fast immer war es die Eingebundenheit in den Job.
Arbeiten mit neun Stunden, oder mehr am Tag. Zwischendurch mal eine Stunde für sich zu haben, oder Konferenzen hier und Besprechung da, das alles hält einen am Leben. Solch eine Form scheint mehr fürs männliche Ich zu sein, als Kinder zu baden, Elterndienst in der Kita zu übernehmen, wochentags
einfach mit den Kindern spielen, oder Abendessen anzubraten.

Einigen Mitvätern muss ich diese Fluchttendenzen klar unterstellen

Zumal ihre Frauen ebenfalls hoch gebildet sind. Sie könnten dank liberalerer Familienpolitik (welche die gute alte BRD zumindest im Stadtraum einholt) nämlich auch weiter an ihrer Karriere schrauben (und wollen dies auch). Aber wir Silberrücken haben eben auch Angst vor der eigenen Courage. Auf
die Spitze getrieben heißt das: Wir nehmen sogar eine geringere Vater-Kind-Bindung in Kauf, wir Individualisten. Doch so wie ich bierselige Abende mit meinen Kumpeln vermisse (nur selten kommt es noch dazu), so vermisst meine Partnerin doch auch ihr Leben. Mein Leben in Familie muss doch die gerechte Spiegelung auf den Menschen gegenüber zulassen. Solche Achtsamkeitsstrategien passen gut zur bunten Idee von Familie, gerade weil man heute alles gerechter aufteilen kann (Ich
weiß sehr wohl, das es noch viel zu viele Schwierigkeiten gibt –  aber wo gibt es diese nicht).

Ich bin sehr verwundert, wenn der Vater mit zwei Monaten Elternzeit zum Vorbild des „Neuen Mannes stilisiert wird (auch wenn es, zugegebenermaßen, besser ist als nichts)

Es widert mich an, wenn Bekannte wie selbstverständlich weiter arbeiten, denn Mutter und Kind, nicht Vater und Kind seien doch in den ersten Jahren die Wachstumspartner! Wessen Wachstums denn? Sicher, es gibt ehrliche Absprachen und Rollenaufteilungen in all uns bekannten Familienkonstellationen.
Es gibt Mütter die gerne lange pausieren, wo beide es wirklich zuvor geklärt haben. Es gibt Mütter und Mütter, Väter und Väter. Es gibt Vater, Mutter, Mutter, Oma, Freunde usw. Familienkonstellationen. Doch das alles erklärt für mich nicht die mir bekannten Fälle. Wenn ich Familie ernst nehme muss ich die
Rollen auf den Prüfstand stellen und schauen was ist in (m)einer modernen Beziehung möglich (und alle müssen dann bereit sein, Einbußen hinzunehmen). Bei uns Männern muss da noch mehr in den Köpfen passieren (hier hat unser „Machotum“ nur dann Platz, wenn es bereit ist sich den Kindern zu stellen). Denn andererseits wollen wir doch auch, dass die Lern- und Lebenszeiten unseres Nachwuchses nicht nur von Frauen geprägt wird, oder? (der erste männliche Erzieher in der Kita von K1 wurde gefeiert wie Elisabeth II auf dem englischen Thron mit großer Erwartungshaltung).

Idealbild Daddy

Väter, lasst euch nicht um die schönste Zeit mit eurem Nachwuchs bringen

Erlernt die Grundkompetenzen. Löst die (Erziehungs-)Rollen in den Köpfen auf, in dem ihr euch den Herausforderungen stellt. Sicher eure Partnerinnen werden an Kritik nicht sparen, aber auch nicht an Lob. Und wie alles im gemeinsamen Leben muss auch Akzeptanz bei der anderen Sicht des Partners, in
der Kindererziehung und im Umgang mit dreckigen Küchen geprobt werden. Am Ende wird zu bemerken sein: Mehr Mann war nie!

NB: Ein wunderbarer Nebeneffekt: Da ich ebenso wie meine Frau präsent bin, darf auch ich mal am Wochenende miesmuschelig sein. Es wird nicht erwartet, dass ich dann alles nachhole. Gerne schicke ich die Frau mit den Kindern einfach mal raus.
Konsti
Mehr Mann war ich nie