Mein Körper und ich, eine Geschichte voller Missverständnisse

„Guten Morgen“, sage ich dem Spiegelbild und starre mich an. Ich stehe mit einem dicken Bauch nackt davor und wundere mich.

„Bin ich das? Bin ich diese Frau mit dieser Kugel vorne dran, deren dicken Hintern man auch bereits erahnen kann?“
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Bin ich das?
Ich erkenne mich manchmal selbst nicht im Spiegel. Haut und Haare haben sich in den letzten
Jahren und den Schwangerschaften immer wieder verändert, rissig und spröde sind sie geworden. Meine Haare sehen oft wirr aus, nach kurzen Nächten.

Ich hebe meine Augenringe an und suche die Jugend in meinem Gesicht. Oftmals kann ich sie noch erahnen, wenn ich mit den Kindern gemeinsam lache, aber an den meisten Tagen wünschte ich mir ein makelloses Gesicht ohne Alter, um mich wie 19 zu fühlen. Meine Arme sind längst auf dem Weg zum „Wegearm“ („die Hand sagt Hallo, der Unterarm winkt bereits Tschüssi“) und meine Stirn liegt in Falten. Meine Tattoos wandern mit mir durch die Jahre und durch die Schwangerschaften der Kinder. Passte früher der Hüftstern noch in den Stern an meinem Unterarm, so verwandelte er sich nun eher in eine Sternschnuppe und zeigt mir persönlich mit am Deutlichsten, dass meine Haut sich bereits mehrfach gedehnt hat.

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Dem Stern fehlt eine Ecke. Dem Tiger fehlt ein Zahn.
Tattoos als Wegmarker

Die alten Sterne (*2005 mir selbst geschenkt zum Abschluss der Lehre) erzählen mir Geschichten von einer ersten Schwangerschaft vor neun Jahren die mich überraschte und meinen Körper an seine Grenzen brachte. Durch viel Sport und Energie zog sich danach der Körper wieder zurück in seine alte Form, aber dem Hüftstern war trotzdem eine Ecke abhanden gekommen.  Ich war eben weniger kantig. Im Laufe der Jahre wurde der Stern grau statt schwarz, aber ich ließ ihn so, als Erinnerung. Meine Falten erzählten meine Geschichte.

Aus dem Stern wurde eine Sternschnuppe

Der Hüftstern erzählt  auch von einer zweiten Schwangerschaft die psychisch anstrengend und körperlich weniger fordernd war. Am Ende zog sich der Stern in Richtung Sternschnuppe, leichte Risse begleiteten seinen Weg. Nach dieser Schwangerschaft blieb der Stern „aus der Form“ und das große Kind fragte
mich selbst danach ob dieser Stern einmal anders gewesen sei. Ich erzählte ihr von seinen Wegen und ließ einen neuen, kleinen Stern am Arm setzen für Sie der nah bei mir steht.  „Eines Tages werde
ich noch einen Astronauten daneben setzen für K2, meinen kleinen Flieger“, sagte ich ihr.
Warum nicht alle MILF sind,
Es fehlen noch Astronaut, Rakete usw.
Nach dieser dritten Schwangerschaft wird der Stern auf der Hüfte völlig seine Form verloren haben, er wird ein Symbol dafür sein wie sehr mein Körper und ich uns verändert haben, wie oft wir miteinander im Clinch stehen und ich mein Spiegelbild am Morgen selbst kaum ertragen kann.
Meine Tattoos sind Zeitzeugen
So oft stehe ich da und frage mich „Bin ich das, diese Frau im Spiegel?“  Ich stelle mir vor, wie ich das Baby auf dem Arm halte und der Stern nur noch wie das Relikt einer längst vergangenen Jugend wirkt. Der kleine Bruder biegt um die Ecke und kuschelt sich an meinen dicken Bauch.  „Du hast den schönsten Kuschelpo der Welt Mama“, ruft er und rennt davon um zu sich fangen zu lassen.  Da stehe ich nun nackt und verletzlich und weiß wieder ganz genau wer ich JETZT GERADE bin und das dieser Körper, diese
Sternschnuppen, diese struppigen Haare und diese Kinder zu mir gehören, für immer.
Alu
Dazu: