Ich erkenne dich manchmal nicht

An manchen Tagen da verstehe ich dich einfach nicht. Ich stehe in deinem Kinderzimmer und du brüllst mir gerade ins Gesicht.

Es sind keine Worte die du brüllst, es klingt eher wie die Verwandlung von Dr. Banner in Hulk, irgendwie monströs und groß.

Sie sind nicht schön diese Momente, sie zehren an mir.

Ich stehe da in deinem Zimmer und schaue dich an. Du siehst ganz anders aus wenn du so wütend bist. Deine Augen sind ganz verkniffen, du siehst gar nicht wie mein verkuscheltes, kleines Kind. Ich erkenne dich kaum in diesen Momenten.
Manchmal ist die Stimmung schlecht.

 

Ich lasse dich in Ruhe, schaue dich an und suche deinen Blick. An manchen Tagen erwiderst du meinen Blick und musst lachen. An anderen Tagen brüllst du „lass mich“ und ich verstehe. Ich lasse dich, lasse
dich genau dort sein und stehe dann da wie ein Schluck Wasser in der Tür, einfach so.

Ich versuche dich zu verstehen, wirklich.

Ich versuche die Aufregung und die Wut zu verstehen die entstehen kann wenn: das Lego falsch steht – die Stifte offen sind – dein Wasserbecher die falsche Farbe hat – das andere Kind das Hörspiel ausgesucht hat – dein Kissen heute nicht kuschlig genug ist.
Ich kann es nicht immer.

Ich stehe da wie abgestellt, ohne Worte für dich

An einigen Tagen stehe ich da und zucke dann mit den Schultern. Ich verschränke die Arme vor der Brust und horche in mich hinein. War ich heute wütend, traurig, doof zu  dir, oder zu mir selbst?

Du bist so oft mein Spiegel, so oft.

Heute stehst du da und brüllst mich an, weil du nicht Geburtstag hast. „Es ist unfair und gemein, dass das andere Kind eben genau heute Geburtstag hat“, brüllst du und schielst dabei auf den Geschenketisch. Dubrüllst und wirfst dich in meine Arme. „Mama, wo sind meine Geschenke?“, fragst
du mich und ich sehe dir in die Augen. „Deine Geschenke warten auf dich zu deinem Geburtstag“, sage ich ganz ruhig und bereite mich innerlich auf die nächste Wutattacke vor und du antwortest plötzlich „Nein, meine Geschenke die ich für sie gebastelt habe, die meine ich“ und weil es die eben noch nicht gibt, setzen wir uns an den Küchentisch und basteln und malen zusammen noch ein paar Kleinigkeiten die du selber einpacken darfst und du räumst sie mit einem Lachen auf den Geschenketisch deiner Schwester.

Ich stehe da als Begleiter.

Ich sehe dich mein verkuscheltes Kind, mein kleiner, persönlicher Hulk. Ich sehe dich an und stehe im Türrahmen wie ein stiller Begleiter auf deinem Weg.

Ein festgehaltener Moment XI.
Alu