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Ein festgehaltener Moment IX – Wann bist du so groß geworden?

Wann  bist du so groß geworden?

Wie groß du geworden bist mein Kind. Ich kann es an manchen Tagen kaum glauben.

Wann genau ist das passiert? Habe ich wirklich genug Bilder in mir innendrin abgespeichert,  wie du gewachsen bist? Ich halte deine Hand und sehe sie in manchen Momenten schon langsam entgleiten.

Wann bist du so groß geworden?

 

Heute hast du mich zum Aufnahmegespräch ins Krankenhaus begleitet, nur noch wenige Wochen, dann wirst du erneut eine große Schwester sein. Ich zeige dir den Krankenhausflur auf dem meine Fruchtblase gesprungen ist und die Türen hinter denen du geboren bist.  Argwöhnisch ziehst du die Augenbrauen nach oben und blickst die langen Gänge nach unten.

Wir wachsen gemeinsam, Mutter und Tochter.

Während ich die Fragebögen ausfülle,  sitzt du daneben und liest. Du schaust kaum auf wenn ich mit dir rede, so abgelenkt bist du von deinem neuen Buch. Als die Hebamme meinen Namen aufruft schaust du auf. „Soll ich mitkommen, Mama?“, fragst du mich und ich schüttele den Kopf. Ich weiß, wie groß deine Sorgen um mich sind, du lässt mich kein Rad mehr fahren, keine weichen Eier essen und nichts mehr heben. An einigen Tagen bist du die Mutter und ich die Tochter mein Kind.

An einigen Tagen bin ich die Tochter und du die Mutter

Als ich wieder da bin,
sitzt du noch immer am gleichen Ort und deine langen Haare hängen ins Buch. Ich
streiche sie dir aus dem Gesicht und nehme deine Hand.  „Wie war es?“ willst du wissen und ich erzähle
dir unter einem Grinsen, dass ich einige Fragen ganz lustig fand.

Wir reden über die Veränderungen die anstehen.

Gemeinsam schlendern wir zum Ausgang und ich erzähle dir noch ein bisschen von deiner und der Geburt deines Bruders. Du musst lachen als ich dir von deinem ersten Schrei erzähle und ziehst mich enger an dich heran. „Mama, es ist schön, dass wir so etwas zusammen machen“, sagst du und genau in diesem Moment sehe ich uns wieder vor mir, wie ich dich in deinem Bettchen über die Krankenhausflure schiebe und dir Liebesbekundungen zuflüstere, mein großes, geliebtes Kind. Es ist eines dieser Bilder die ich fest in meinem Herzen trage. Einen festgehaltenen Moment mit dir.
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Mehr Mutter-Tochter Beziehungen: Lass mich noch eine kleine Weile deine Hand halten.
 

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