Letzte Woche war ich zum Elterngespräch bei einem der Kinder eingeladen, einer dieser Termine, zu denen man geht, aber mit einem leichten Seufzer innendrin.
Ich ging also an einem Montagnachmittag zur Schule, um dort über unser Kind zu sprechen. Besser gesagt über, aber auch mit unserem Kind. Derzeit kann ich nicht so gut laufen, also genauer gesagt humpele ich derzeit ziemlich doll. Ich habe wieder mal Schwierigkeiten mit den Gelenken, durch meine Medikamente und bewege mich daher eher wie ein Pinguin als wie eine Gazelle. Ich schleiche also so über den Schulhof in das Gebäude hinein und bin einfach nur dankbar und froh, dass es im Gebäude einen Fahrstuhl gibt. Ich gehe direkt darauf zu und drücke den Knopf. Als ich einsteigen will, kommt eine Frau zu mir und stellt ihren Fuß in den Fahrstuhl. „Sie dürfen den Fahrstuhl nicht benutzen, dieser ist nur Menschen mit Einschränkungen.“ „Ja, dann darf ich den benutzen.“ „Nein, sie haben keine Berechtigung.“ Der Fuß steht weiterhin im Fahrstuhl, ich kann den Knopf nicht drücken. Ich schaue sie sehr direkt an und frage mich ernsthaft, was das jetzt soll. Ich meine, nicht alle Behinderungen sind sichtbar. Ich möchte mich nicht erklären müssen, ich möchte aber auch nicht, dass ich jederzeit meinen Ausweis zücken muss, wenn ich mal einen Fahrstuhl benutzen will. Ich sage der Frau sehr deutlich, dass ich jetzt zu einem Elterngespräch fahren muss und das ich berechtigt bin, sie nimmt ihren Fuß aus der Tür. Als ich oben ankomme, bin ich immer noch irritiert und auch etwas wütend. Mir kommen fast die Tränen. Ich fühle mich so entblößt.

Ich erzähle der Lehrerin beim Gespräch davon und sie bestätigt mir, dass man sich als eingeschränkte Person vorher im Sekretariat anmelden muss, damit man eine Berechtigung erhält. Ich werde also als eingeschränkter Mensch nicht nur gebeten mich zu outen, ich muss auch noch mein Kommen anmelden, meine Daten abgeben und mich auflisten lassen. Das alles für die Nutzung eines Fahrstuhls, in einem Gebäude, in dem wir immer wieder ein- und ausgehen. Ich bin deprimiert und fühle mich gleich nochmal mehr behindert. Ich meine, Krebs zu haben ist schon mies genug, weitere Krankheiten als Folge zu erhalten, die einen dann für den Rest des Lebens einschränken ist auch keine Freude. Aber jeden Tag daran erinnert zu werden, dass man nicht richtig ist, das macht es nicht besser. Es sind diese Begegnungen, die mich nicht vergessen lassen, dass ich dem Tod von der Schippe gesprungen bin und das mein Leben als Eltern auch nie wieder so leicht sein wird, wie vorher meiner Erkrankung.
Alu




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