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Brustkrebs

Wenn es dir entgleitet… #FamilieundKrebs

Wenn es dir entgleitet, merkst du es zunächst nicht. Zumindest, wenn es im Zusammenhang mit einer schweren Erkrankung steht, so wie bei uns. Alu hatte Krebs, also wir hatten. Daraufhin veränderte sich unser (Familien-)Leben u. v. m. Wir haben uns sehr reduziert und auf Notbetrieb umgestellt. Denn es muss erstaunlich viel Leben weitergehen, wenn Familie um das Weiterleben kämpft. Krebs kam 2022 und endete in den meisten Bereiche in diesem Jahr. Dazwischen haben wir viel Kraft, Liebe und Zeit investiert, damit es wieder heil wird.

Irgendwie beginnt es erneut anzulaufen, das Leben. Vieles haben wir uns vorgenommen, etwas anderes zu machen, nun nach Krebs. Einiges davon schaffen wir. Außerdem geht das meiste sowieso weiter. Die Schule, die Arbeit, das Leben der Kinder, kurzum der Alltag versucht, die alten Bahnen nicht zu verlassen. Denn solch ein aus der Spur geraten wäre ein Eingeständnis, dass irgendetwas bei Krebs, diesem Arsc****ch, geblieben ist. Wir haben wieder ein schönes Leben, uns geht es gut. Wirtschaftlich und seelisch erholen wir uns. Jedoch bleiben einige Dinge zurück. Und was ist, wenn nun spontan jemand ausfällt?

#1 Hallo. Erstmal wieder Tabletten stecken.

Heute beispielsweise ging es Alu innerhalb von wenigen Stunden so schlecht, dass wir unser Sonntagsprogramm umstellen mussten und ebenso unser Vorweihnachtsprogramm entschlacken müssen. Wir hätten es wissen können und uns generell mehr zurückhalten sollen. Doch wer will schon an die Möglichkeit des Scheiterns denken. Diesbezüglich sind wir noch, so wie wir vor der Krankheit waren. Wir nehmen uns (zu)viel vor. Denn das war und ist unser Leben, unterwegs zu sein und voller Erlebnisse.

Schließlich musste ich trotzdem zur Arbeit für 6 Stunden an einem Sonntag zur Arbeit. Eigentlich wollte Alu mit einem Kind mitkommen. Außerdem wollte sie zuvor Essen kochen und sich daheim kümmern. Denn das macht Sie weiterhin mehr als zuvor und sehr zuverlässig. Vor allem das jüngste Kind möchte noch von uns betreut werden und wir wollen unsere Elternschaft genauso ausfüllen wie bisher. Binnen einer Stunde vor meiner Abfahrt zur Veranstaltung stellen wir um. Bei mir steigt nun die Sorge um Alu, ihre Medikamente, Essen kochen und das Bangen.

Als ich im Auto zu einem meiner schönsten Programmpunkte des Jahres sitze, denke ich: Was, wenn es dir entgleitet? Was, wenn ein Anruf kommt und du schnell heim musst? Vielleicht muss die Liebste sogar ins Krankenhaus.

“An Apple a day” gilt bei uns nicht mehr..

 

Angekommen auf Arbeit sage ich zunächst meinem Kooperationspartner, dass bei mir daheim Krise ist (mal wieder). Meiner Erfahrung nach ist transparente Kommunikation um die aktuelle Situation bei uns das Beste. Eine Gesundheitskrise – noch tragen das alle Kollegen mit. Ich kläre dort also gleich zu Beginn den Notplan. Wer macht was, wenn ich los muss (Denn auch ich bin hier nicht unersetzlich). Alle erklären sich bereit für den Fall der Fälle. Unser Programm läuft an. Von daheim kommen Nachrichten rein. Es stabilisiert und entspannt sich.

Die Jüngste ruft an, weil sie sich langweilt, ein gutes Zeichen. Alu hat sich mit diversen Medikamenten selbst reguliert. Also vorerst keine Krise wegen ihrer Nebenniereninsuffizienz und erst recht nicht aufgrund des Infekts. Gott sei Dank! Ich fahre spät abends heim.

Im Auto höre ich Musik und mir kommt der Gedanke: Was, wenn es dir wirklich einmal entgleitet?

Darauf habe ich wie so viele Angehörige von chronisch- und Langzeiterkrankten keine befriedigende Antwort.

Euer Konsti

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1 Comment

  • A
    8. Januar 2026 at 20:05

    Lieber Konsti,
    schön, dass es dich gibt. Und danke, für deine Gedanken.
    Lieben Gruß
    A

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