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Wie die Gesellschaft sich von Kindern entwöhnt hat – die Familienstudie

Die Familienstudie – doppeltes Einkommen, keine Kinder?

Gerade habe ich einen Studienband am Wickel, es geht um mein Lieblingsthema: Familie.

Darüber machen wir uns so viele Gedanke, es gibt viele Positionen und es fühlt sich längst nicht mehr leicht an. Weder hüben (mit Familie) noch, wie ich vermute, drüben (ohne Familie).

Ich liebe mein Leben.

Im Sammelband über eine “Familienstudie” findet sich ein Beitrag, dessen Erkenntnis es ist, dass Paare heute gerne ihre Freiheit zu Zweit genießen. Oft auch, weil Sie dann beruflich flexibler sind! Viele von Ihnen genießen auch die Individualität, oder leben trotz Partnerschaft getrennt. 

Wie konnte das passieren, dass so etwas Selbstverständliches wie Familie ins Hintertreffen gerät? Dabei geht es kaum um die Beziehungsform der Erwachsenen, oder darum die Kinder großziehen. Es geht um die Entwöhnung als Folge des Wohlstandes.
Familien sind anscheinend eine Zumutung? Laut durchlaufen Sie die Treppenhäuser dieser Gesellschaft, Schreien und kreischen gehört dazu. Eltern als Ressource der Arbeit die vieles kann, nur eben nicht 60 Stunden die Woche im Büro bleiben will.  Die unbekannte Variable Kind lauert immer im Hintergrund?!
War das nicht immer so? Gleich, ob früher mehr gehört wurde (von Seiten der Kinder?), oder “mehr” geschlagen wurde von Seiten der Eltern.
Das Phänomen, dass früher alles besser und die Jugend seit 3000 Jahren unmöglich ist, entkräftet allzu flache Erklärungen wohl noch immer.

Ich denke: Wir haben uns entwöhnt. 

Heimlich still und leise sind wir im trügerischen Wohlstand aufgegangen. Dabei haben wir die weitreichenden Folgen und Schäden weder bisher abbekommen, noch ausreichend im Blick.
Ein Paar ohne Kinder sein ist eine Option. Man(n) bleibt individuell und flexibel. Ist gemeinsam, oder allein, unterwegs und kann sich leicht abstimmen. 
Auch meine Frau und ich sind ohne Kinder völlig gelöst und zu vielem fähig.
Die ganze Zeit geht mir zu dem Thema ein Vortrag (den ich schon vor Wochen hörte) nicht mehr aus den Kopf. Einer der angesprochenen Punkte war, dass der Kapitalismus unser privates Leben doch längst infiltriert hat und zum Kulturkapitalismus mutiert ist.
Wir erhalten einen Wertekanon, der sich vorrangig an kommerzielle Prinzipien orientiert. Der Kapitalismus hat uns infiltriert. Wir sind Kapital, Nachfrager und Markt geworden – scheinbar einfach so
Allein deswegen passen, vermeintlich nicht selbstbestimmte Kompaktmenschen (Kinder), schlecht in das Konzept – sie sind nur durch uns Eltern vermarktbar. 
Selbst die “Heulregale” in den Geschäften kann man mit etwas Nerven (und die haben Eltern wie Drahtseile) umschiffen. Jedes Kind lässt sich durch Zeit mit den Eltern, oder einen Stock von der Straße (Achtung unhygienisch und keimig) ablenken!

Den Mangel an Nachwuchs haben wir seit Jahren statistisch erfasst und was lernen wir daraus? Nichts! 


Immer noch haben wir eine Kultur der theoretischen Möglichkeiten und der banalen Realität. Viele in unserem Arbeitsumfeld sind kinderlos, oder arbeiten in Teilzeit. Aber auch das muss man sich leisten können und wollen – aber das passt ja zum Konsum.
Am Ende ist es traurig einfach! Lärm, Leben, Gefahr, Gruppenbildung, um 16:30 Uhr nach Hause gehen, Leben außerhalb von Erwerb, Geselligkeit, Reden mit und über Kinder u.v.m. – gehören dazu und entwickeln eine Gesellschaft nach vorne. 
Das ist die Welt. Doch diese richtet sich nicht mehr danach. Doch wonach dann? Yoga? Individualismus? H&M? Primark?
Wenn ich die Wahl habe, zwischen dem Stress mich als Rädchen in einem großen Arbeits-Apparat nur scheinbar selbst zu verwirklichen, oder Zeit mit meinen Kindern zu haben (und dort diesem Stress mit Hilfe eines besseren zu entfliehen), sollte ich diese Wahl klug treffen. 

Was fehlt? Das passende Umfeld.

Regulär ist ein Leben außerhalb der 40-Stunden-Woche. Dieses Leben muss sicher sein. Dieses Leben bietet dann ausreichend Raum für Singles, Paare, Allein, getrennt, zusammen erziehende Eltern – einen Schutzraum. 
Jeder ist Willkommen darin – auch Familien.
Gewöhnen wir uns  doch daran: Scheinbarer Individualismus birgt mehr Gefahren als familiäre Verantwortung. Das Mehr in den Taschen von heute ist die Einsamkeit von Morgen! 
Die Regel gilt noch immer, viele Kinder sichern das Leben. Und sei es, resignativ, nur die Frage: Wer begleitet in 50 Jahren in den Pflegeeinrichtungen das Sterben der vielen Alten? Kinder oder Roboter? (Die Kulturkapitalisten-Antwort wäre konsequenterweise: Roboter)
ICH BIN FÜR KINDER!
Die besten Argumenten lieferte jüngst Juramamatouché!! so gut texten werde ich  wohl nimmermehr.
Konstantin

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10 Comments

  • andrea-harmonika.de
    30. Juni 2015 at 07:24

    ach es ist so traurig…und zum kotzen!!

  • Mama notes
    30. Juni 2015 at 08:34

    Bei der Überschrift dachte ich spontan, "Nee, der Kapitalismus war's, die Industrialisierung und das Auseinanderreißen von Arbeitsschritten, das Verfügbar machen für die Produktion und der Heiligenschein, den die Arbeit bekommen hat." Aber das hast Du dann ja auch geschrieben. 🙂
    Es ist sehr zum Kotzen und das Einzige, was uns zu tun bleibt, ist sich das Leben und etwas Freiraum für Familien und vorallem die Kinder zurück zu erobern. Das klingt nach sehr wenig und ist eher unbefriedigend.

  • Mama³
    30. Juni 2015 at 09:34

    Du sprichst mir sowas von aus der Seele und ich habe Erpelpelle…
    Ich will nicht mit Robotern sterben 🙁

    Liebe Grüße
    Stephi

  • Rosalie
    30. Juni 2015 at 10:07

    Ich sehe das anders. Kinder und Büro gingen noch nie zusammen. Kinder und Feld und Hof schon. Noch nie mussten Menschen in Deutschland so wenig für ihren Lebensunterhalt arbeiten wie heute. Und noch nie konnten sie so über ihr Leben selbst bestimmen. Wer früher Sex hatte bekam zwangsläufig Kinder. Ob er/sie wollte oder nicht. Kloster oder Familie. Ich finde es sehr gut, dass heute keinem mehr Kinder aufgezwungenen werden. Kriminalistiker arbeiten mit folgender Rechnung: 25% der Menschen sind soziopathisch veranlagt. Weitere 25% soziophob, also Einzelgänger. All diese Leute sind nicht per de vom Kinderhaben verzückt. Das erklärt auch zum Teil weshalb Kinder früher wohlerzogen und brav waren wenn sie still, gehorsam und höflich waren und das Hemdchen nicht beschmiert hatten. Kinder waren noch nie so aktiv in der Mitte der Gesellschaft wie heute. Die Veränderung der Gesellschaft kommt weniger vom Konsum, als vom Wegfall massiver Sachzwänge. Selbst vor 1000 Jahren hätten die Leute lieber gevögelt ohne sich gleich mit Familie herum schlagen zu müssen. Das Kinder alle Menschen glücklich machen ist ein bisschen sehr romantisch gedacht.

  • muell
    30. Juni 2015 at 11:04

    Liebe Rosalie,
    vielen Dank für den Kommentar und die Zahlen.
    Ich habe nichts dagegen, dass Leute keine Kinder haben wollen und müssen.
    Romantische Anwandlungen wird man einem Vater hoffentlich verzeihen können.
    Mir geht es um das Phänomen Einzelkämpfer vs. Familie, das in bestimmten Bereichen Form annimmt.
    Dies ist für mich kein Widerspruch.
    Doch wenn wir Geburtenrückgang beklagen, mache ich mir Gedanken über Ursachen und Folgen.
    Der individuelle Wohlstand, den du ansprichst, verändert die Normalität. Diese gilt es zu Prägen – auch in Richtung Familie!

    Dein
    Konstantin

  • Die gute Kinderstube
    30. Juni 2015 at 12:18

    Ich finde Deinen Text sehr zutreffend. Der Individualismus tut uns allen weh und die Abhängigkeit von materiellen Dingen lässt Kinder weit nach hinten auf der Prioritätenliste rutschen. Ich glaube aber, dass noch weiter Gründe hinzukommen. Wie oben angesprochen hat sich die Alltagsrealität deutlich geändert – Kinder passen nicht so in ein Büro wie auf einen Bauernhof. Und nicht zu unterschätzen finde ich die Tatsache, dass wir so dermaßen vielen Reizen ausgeliefert sind, dass die meisten Menschen keinen Lärm, kein Chaos usw. mehr ertragen können/wollen, welches sie nicht selbst gewählt haben. Selbst Eltern sind ja insgeheim (oder offen) froh, wenn sie mal ohne Kinder sind und dann auch nicht unbedingt auf schlecht erzogene Kinder anderer Leute treffen. Und die sind ja alle ziemlich schlecht erzogen und daher nervig nicht war 😉
    Das empfindet man nämlich so, wenn man an diese Kinder keine Bindung hat, die Gründe für das Verhalten nicht nachvollziehen kann und einfach seine Ruhe will.
    Es fehlt der körperliche Ausgleich. Der wird dann auch noch als "Sport" in den engen Zeitplan gezwängt, weil der Lebensalltag an sich so weit weg von dem ist, was wir eigentlich bräuchten.

    Gleichzeitig können wir mit wesentlich weniger Reizen auch nicht mehr gut umgehen. Wir wollen schneller Neues um uns als es früher der Fall war. Daher ist es für die meisten auch undenkbar, nicht jedes Jahr in den Urlaub zu fahren oder neue Dinge anzuschaffen. Früher war es völlig normal, dass die Kinder erst kamen, dann der TV, das Auto, der Urlaub… oder eben auch nicht.
    Die Frage ist, wie entwöhnen wir uns da wieder? Achtsamkeitstraining, Yoga oder Quo-Gong?
    Ich hoffe, es werden bis wir alt sind wenigstens gute Roboter entwickelt.
    Liebe Grüße
    Julia

  • muell
    30. Juni 2015 at 12:34

    Liebe Julia,
    auch für deine Ergänzungen vielen Dank.
    Ich hoffe es ist klar, dass ich mit meinem Beitrag vor allem "laut gedacht" habe.
    Und auch meine Medaillen haben zwei Seiten ;-).
    In diesem Sinne.
    dein
    Konstantin

  • Petra
    30. Juni 2015 at 19:56

    Ein Text, der hängen bleibt, wie Kaugummi unter Schuhen. Genauso zäh war auch mein Gehirn, als ich versuchte eine Meinung dazu zu finden.

    Ich bin ganz klar für Kinder, statt Roboter. Wohl wahr. Allerdings bin ich mir noch nicht im klaren darüber, was das Huhn und was das Ei ist und was demnach zu erst da war.
    Denn ja, ich stimme auch dem Kommentar von Rosalie zu, früher waren Menschen dazu gezwungen Kinder zu kriegen und eben die Kinder gezwungen sich nach allem zu richten. Dann ging die Entwicklung hin zur Familie und jetzt eben wieder zum Einzelkämpfer. Die Entwicklung des Menschen geht, so weit ich das soziologisch noch in Erinnerung habe, ja immer in Wellen von statten. Wäre dann eine Entwicklung zur Über-Familie dann nicht auch irgendwann an der Reihe?
    Ich für meinen Teil würde das nicht wollen! Ich bin gern allein (und ohne meine Familie).
    Wie man sieht, ich bin noch wirr in meinen Gedanken. Wenn mehr dabei herauskommt, ich komme wieder…

    LG
    Petra

  • Die gute Kinderstube
    30. Juni 2015 at 21:01

    Uh, sollte überhaupt keine Kritik sein an Deinen Gedanken. Ich fand es sehr anregend, das weiter zu denken. Mir fehlt diese Sicht bei der ganzen Vereinbarkeitsdebatte oft. Also Danke 😉

  • muell
    1. Juli 2015 at 09:31

    Guten Morgen,
    ich habe es auch nicht so verstanden. Wollte dennoch reagieren.
    Diskussion und Kritik im richtigen Stil sind unabdingbar. So wie hier geschehen. DANKE für ALLE Anmerkungen!

    euer
    Konsti

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