Von kranken Kindern, Männern und dem Wunsch nach Kontrolle. - Grossekoepfe.de | Ein Elternblog mit Ihrer und Seiner Sicht aus Berlin!
Grossekoepfe.de | Ein Elternblog mit Ihrer und Seiner Sicht aus Berlin!
Elternleben Kindergartenkind Schulkind

Von kranken Kindern, Männern und dem Wunsch nach Kontrolle.

Von kranken Kindern, Männern und dem Wunsch nach Kontrolle

Wer kennt das nicht, wenn die Kinder krank sind, dann
wachsen wir über uns hinaus. Wir werden zu Hulkmüttern, zu Löwenbändigern, zu
Krankenschwestern. 

Wenn die Kinder krank
sind, dann steht die Welt einen Moment still.

Familienblog, Elternblog
Händchen halten tut immer gut.




Alle anderen Dinge drängen
sich in den Hintergrund, werden nachrangig, man muss kurz nachdenken, einen
Plan machen. Wenn die Kinder krank sind, dann kann man sich über die eigenen
Ekelfaktoren hinwegsetzen, man kuschelt und beschützt die Küken.


Magen-Darm-Desaster

Na gut, am Anfang fiel mir das schwer, das erste Mal
Magen-Darm mit dem Kind, als es klein war, eine weniger gute Erinnerung. Nur K1 und ich daheim. Ich glaubte an eine
Verschwörung und schickte während des Bettzeugs-, Windeln-, Handtücher-, Lappen-,
Eimerwechselns viele böse SMS an den reisenden Vater, die eigentlich nur eine
Aussage hatten „Hilfe, ich bin
überfordert, komm nach Hause.“
Als er am Morgen mal zurückrief (einer
der Gründe, warum er nun eine Smartwatch hat) war ich zu müde, um sauer zu
sein und hatte auch meine Verschwörungstheorien bereits beiseite gepackt.
Außerdem war mir schlecht! Beim zweiten Mal, allein Magen-Darm mit zwei Kindern,
schrieb ich ihm nur noch eine kurze SMS „Ha,
du verpasst wieder mal den ganzen Spaß. Komm bloß nicht nach Hause vor Morgen
Abend.“
Seine Reaktion erfolgte erneut am nächsten Morgen (Warum macht
er immer das Handy aus, wenn er unterwegs ist?). „Ihm war die ganze Nacht schlecht, er hoffe es gehe uns gut. Oh, da käme
ja gerade eine SMS von uns rein.“
Er blieb dem Elend dann fern.

Wenn der Mann krank
ist, bleibt die Welt nicht stehen. Sie dreht sich sogar ein bisschen schneller
für mich.

Die Welt muss sich weiterdrehen und so wird der Kranke dann eben
ausgegliedert, aus dem Gefüge. Liebevoll bereite ich ihm das Bett im Büro,
koche ihm eine Kanne Tee und stelle ihm Toast, sowie Obst hin. Dann organisiere
ich den Alltag. Der Alltag darf von einem kranken Mann nicht beeinflusst
werden, ich manage seine Termine, sage diese ab, oder versuche seinen
Verpflichtungen nachzukommen. Ich kümmere mich um beide Kinder und ab und zu
schiebe ich Esspapier, oder eine Reiswaffel, unter der Tür durch. 

Mir fehlt die Empathie

Der Mann sagt, dass ich die
schrecklichste Krankenpflegerin sei, die er kennt. Ich hätte zu wenig Empathie,
wenn ich mit Desinfektionsspray und Mundschutz den Raum betreten würde. Dabei halte ich ab und
zu schon seine Hand, nämlich um diese, alle Türklinken und seine Wege in der
Wohnung zu desinfizieren. Heimlich streichele ich seinen Kopf, wenn er schläft. Also bitte!

Kerngesund der Mann, zum Glück!

Wenn ich krank bin,
dann bricht scheinbar das System zusammen.
 

Die Kinder wuseln wie kleine
Ameisen durch die Gegend, sie spüren die mütterliche Freiheit. Sie können die
Süßigkeiten des “lonely Wolf” Vaters schon riechen und dem Mann geht
es auch irgendwie nicht besser. Verwirrt und scheinbar ohne direkte Pläne, hält
er einen Notbetrieb aufrecht, der
sich durch Zuckerkonsum anscheinend trägt. Deswegen erbitte ich mir, seit einigen
Krankheiten, eine offene Zimmertür. 

Wahllose Aufträge verteilen

Wie eine Souffleuse, werfe ich wahllose
Textbrocken in den Flur „Du musst
aufräumen.“
„Nichts Süßes mehr für
dich heute.“
„Räum die Küche auf“,
irgendwen wird es schon treffen. K2 hat längst das System des schlechten Gewissens,
in Persona, erkannt und schließt beim vorbeigehen immer die Tür. Dann haben
alle einen Moment Ruhe, aber nur bis meine Protest SMS auf der Smartwatch des
Mannes erscheint (die Geißel der Technik) und die Tür wieder
einen Spalt breit geöffnet wird. Er ist natürlich der beste Krankenpfleger der Welt, war ja klar. Und so sagt der Mann nun inzwischen „Du bist nicht nur eine schreckliche
Krankenpflegerin, du bist auch eine schreckliche Kranke.“


Manchmal bringt er mir Blumen mit, damit ich bessere Laune bekomme.
Fazit: Es darf einfach keiner mehr krank werden bei uns und jeder braucht eine Smartwatch. Ich richte dann einen Familienchat ein, in den ich wahllos Haushalts- oder Schulkommandos hineinwerfe. 1984 lebt, in mir! Das hart
erarbeitete System kollabiert hier sonst einfach und mein über Jahre
aufgebautes Zahnradsystem, greift nicht mehr ineinander! Es gilt also für Alle
vier WG- Bewohner noch mehr Vitamine, Sport und neue Technik. Vielleicht gilt für mich auch: Noch etwas mehr Empathie. Aber entschuldigen Sie mich jetzt, ich muss erst mal alles desinfizieren gehen, da hat gerade jemand gehustet.
Alu

You Might Also Like...

4 Comments

  • Bettina Apelt
    20. Januar 2015 at 08:38

    Was ist bloß eine Smart-Watch?

  • Suse / Ichlebejetzt
    20. Januar 2015 at 08:45

    Chhhhhh. Tschuldigung. Mußte mal kurz laut lachen!
    Wenn Mütter krank sind, bricht alles zusammen. Ich war nur vier Tage bettlägerig und mußte danach 5 Maschinen Wäsche waschen, die Kinderzimmerschränke neu sortieren und einen Großeinkauf GESUNDER Lebensmittel tätigen.
    Das Kranksein langt wieder für die nächsten zehn Jahre!
    Ich hoffe K1 hat es nicht zu sehr erwischt!
    Liebe Grüße
    Suse

  • Anonym
    21. Januar 2015 at 06:22

    Beruhigend zu wissen das es auch anderen so geht.

  • Andrea
    21. Januar 2016 at 09:29

    Bei uns wäre noch einzufügen das unglaubliche Leid, dass der Mann noch verspürt, wenn nur die Nase juckt.Die Kiloweise Medikamente, die er dann in sich hinein wirft…..Ich war schon seit 2 Jahren nicht mehr richtig krank. Beim letzten mal war es Horror. Ich glaube mein Körper hat begriffen, das das keine gute Idee ist.Ich schick Euch ein paar "Killer-Abwehr-Kräfte" rüber.

Leave a Reply