Wenn die AFD dir morgens ins Ohr dudelt -Wahlwerbung auf Radio TEDDY
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Elternleben

Wenn die AFD dir morgens ins Ohr dudelt -Wahlwerbung auf Radio TEDDY

Montag Morgen 7.30 Uhr beim Zähne putzen, im Hintergrund dudelt Radio Teddy mit einem seiner (gefühlt) 15 gelisteten Liedern.

Seit mehr als neun Jahren hören wir, immer mal wieder, Radio TEDDY. Die Kinder lieben es und was soll ich sagen: Man gewöhnt sich dran. Ahh, jetzt kommt der Werbeblock. Wie immer werben sehr viele Autohäuser und Zahnarztpraxen bei Radio TEDDY aber dann? DIE AFD BRANDENBURG. Ich stutze! DIE AFD im Radio? Werbung?  “Blablablabla hol dir dein Land zurück blablabla” und da habe ich dann doch schon ins Waschbecken gekotzt. Ich bin irritiert und sehr verärgert. Parteienwerbung auf einem Kinderradio Sender? Das geht für mich gar nicht!

Wahlwerbung_im_Kinderradio

Radio TEDDY, das Kinder – und Familienradio, so steht es überall und daher richte ich mich erstmal an Radio TEdDY selbst, das deutsche Kinderhilfswerk und auch an die Medienanstalt Berlin-Brandenburg.  Das Kinderhilfswerk und auch die Medienanstalt prüfen mein öffentliches Anliegen und kommen zu dem Schluss “Radio TEDDY kann als lokale Rundfunkveranstalterin selbst entscheiden, ob überhaupt Wahlwerbung geschaltet werden soll. Für Programme, die sich auch an Kinder richten, gibt es keine besonderen gesetzlichen Regelungen. Wenn Radio TEDDY sich dafür entscheidet, Wahlwerbung zu senden, muss sie dies allen Parteien diskriminierungsfrei ermöglichen. Dies ist nach den der mabb vorliegenden Informationen geschehen.”

Weiterhin frage ich die Medienanstalt Berlin-Brandenburg ob denn ein explizites offenes Angebot an alle Parteien erfolgt ist und lasse dies erneut prüfen. “Die Veranstalterin hat mit einem Schreiben vom 3.01.2019 alle bei der Wahl zugelassenen Parteien angeschrieben.” Somit ist Radio TEDDY also seiner Pflicht nachgekommen die Wahlwerbung wirklich für alle zu öffnen.

Was hat Wahlwerbung dort zu suchen?

Mir stellt sich jedoch nach mehrmaligen Hören der AFD Brandenburg Werbung folgende grundsätzliche Frage, die ich auch Radio TEDDY nochmal explizit zugesandt habe: Warum muss Wahlwerbung auf einem Kinderradio Sender überhaupt laufen? Die Argumentation, dass Kinder von Wahlwerbung überall betroffen sind, zieht für mich in diesem Zusammenhang nicht. Wahlwerbung auf brandenburgischen Plakaten sind nicht akustisch sich wiederholende kurze Spots, die sich wie die (gefühlt) 15 Lieder ins Hirn einbrennen. Es gibt Unterschiede in der Fähigkeit der Ausblendung und Wahrnehmung und ich schrieb bereits schon darüber, warum auch Hörspiele/ Hörbücher usw. Medienrezeption darstellen und schließe das permanente Radiogedudel da mit ein.

Warum nur eine Partei?

Eine weitere Frage die sich mir stelle (und die ich allen Parteien jetzt auch gestellt habe) Warum überlasst Ihr das Feld Familie dann der AFD? Liebe Grünen, Linken, SPD, CDU, FDP, Die Partei uvm. was ist da los? Wenn es diese (echt schräge) Option offenbar gibt Familien direkt mit Gedudel im Ohr zu beeinflussen, warum höre ich dann nichts über KITA Gesetze, Bienenrettung oder den möglichen familiären Aufschwung der Uckermark durch Euch?

Das Feld der Familie der Partei zu überlassen, deren Werte weder offen, noch divers, noch gleichberechtigt sind, das finde ich fahrlässig und gefährlich! Ich liebe Brandenburg und will weder mein Land zurück (wessen Land eigentlich und wem gehört das und wer soll es zurück bekommen und wohin dann mit all den Wölfen….) noch will ich Brandenburger Landstriche weiter nach rechts abdriften sehen.

Liebes Radio TEDDY, bis zur Brandenburg Wahl (und vielleicht auch länger) bleibt Euer Kinderradio Sender aus und irgendwie hoffe ich auch, dass es von Euch (wie auch zum Bsp. von Radio B2) noch mal eine klare Stellungnahme zur AFD Werbung auf Eurem Sender gibt, oder eine Sondersendung mit allen politischen Vertretern, oder eine Einladung an Familienbloggerinnen die sich mit den Wahlprogrammen auseinandergesetzt haben, oder oder oder. Am besten dann übrigens GAR KEINE WAHLWERBUNG mehr auf Radio TEDDY, das wäre (m) eine Idee für die Zukunft.

Alu

Zur Wahlwerbung auf einem Kinderradio Sender hier auch schon mal etwas von Provinzmutti

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9 Comments

  • Marten
    29. August 2019 at 12:47

    Das ist ja widerlich! Auch wenn dort alle Parteien werben würde fände ich das deplatziert. Wahlwerbung hat im Kinderradio nichts zu suchen und die AfD schon gar nicht!!

  • Berit
    29. August 2019 at 13:40

    Sehe das genau wie du! A) Was hat Wahlwerbung im Kinderradio verloren? Soweit ich weiß, dürfen Kinder noch ne ganze Weile sich nicht direkt am politischen Geschehen beteiligen. B) Wenn da schon Werbung hin muss und hin darf, warum nutzen dann alle anderen Parteien die Möglichkeit nicht? Weil es nicht Zielgruppe ist? Aber Eltern hören doch mit ihren Kindern zusammen und ich werde doch bestmöglich beeinflusst wenn ich mit meinem Kind zusammen eine Wahlwerbung anhöre, von der wir uns beide abgeholt fühlen. Ich bin tatsächlich sehr gespannt auf die Antworten der großen Parteien auf deine Anfrage!!!

  • Ela
    29. August 2019 at 15:03

    Es ist Privates Radio – die dürfen was für die Spots berechnen, nämlich die Selbstkosten – der ÖR darf das nicht-hier ist die Ausstrahlung kostenfrei für die Parteien. UND ich finde es schlimm genug, das ein Kindersender nicht eine öffentlich rechtliche Idee gewesen ist. Angefangen hat es mal mit richtig guten Radioleuten, Moderatoren und Journalisten (teils kamen die vom ÖR). Das war einmal, was man diesem Programm leider Gottes in jeder Faser anhört. Schon deshalb hab ich mich irgendwann geweigert dieses echt schlecht gemachte Zeug zu hören – bzw. meinem Kind solchen Schrott zu servieren. Und ich denke, für private Sender ist die Einstellung der AfD gegen die ÖR-Medien ja ein Segen. 😉

  • andre
    30. August 2019 at 02:14

    http://www.villabetting.com

  • Flo
    3. September 2019 at 23:19

    Eine Frage nach dem AfD-Spot auf Radio Teddy hat am 24. August auch schon mal jemand auf der Seite fragdenstaat.de gestellt.

    Dort lautete die Antwort:
    “Gem. § 42 Abs. 2 RStV sind die bundesweiten Rundfunkveranstalter dazu verpflichtet Parteien während ihrer Beteiligung an Wahlen angemessene Sendezeit einzuräumen. Rundfunkveranstalter in Berlin und Brandenburg haben gem. § 53 Abs. 2 MStV ebenfalls die Möglichkeit Parteien oder Wählervereinigungen zur Vorbereitung von Wahlen, wie beispielsweise der Landtagswahl in Brandenburg, Sendezeiten zur Verfügung zu stellen. In diesem Falle sind sie dazu verpflichtet allen Parteien die Möglichkeit zur Schaltung von Wahlwerbung einzuräumen. Die Sendezeit ist entsprechend § 5 Abs. 1 des Parteiengesetzes (PartG) anteilig zuzumessen.

    Auch Radio Teddy ist berechtigt Parteien angemessene Wahlwerbezeiten einzuräumen. Dem steht nicht entgegen, dass es sich bei Radio Teddy um ein Programm handelt, welches sich auch an Kinder als Zielgruppe richtet. Beschränkungen für die Ausstrahlung politischer Werbung für Radiosender, die auch Kinder als Zielgruppe haben, gibt es nicht. Vielmehr sieht der Gesetzgeber vor, dass Rundfunkveranstalter aufgrund ihrer Hörerreichweite, Parteien im Vorfeld von Wahlen angemessene Werbezeiten einräumen können. Maßgeblich ist insoweit allein die potentielle Wahrnehmbarkeit durch die Allgemeinheit.”

    Kurz gesagt: Radio Teddy kann nichts dafür. Wenn man hier etwas verändern wollte, müsste man politisch darauf hinwirken, dass die entsprechenden Staatsverträge dahingehend geändert werden, dass Radiosender deren Zielgruppe ausschließlich Kinder und Jugendliche sind, von den Regeln zur Wahlwerbung ausgenommen werden.

    Abgesehen davon finde ich es aber falsch, den Kindern bloß wegen dieses Werbespots bis zur Wahl die Nutzung von Radio Teddy zu verbieten. Ihr könnt den Kindern doch auch nicht jedes Mal die Augen zuhalten, wenn auf der Straße irgendwo ein AfD-Wahlplakat hängt.
    Anstatt zu versuchen die Wahrnehmungswelt und Meinungsbildung Eurer Kinder durch sanfte elterliche Zensur (“Radio Teddy bleibt bis zur Wahl aus”) in die “richtige Richtung” zu lenken, solltet Ihr lieber mit ihnen darüber sprechen, warum so ein Spot im Radio läuft und warum Ihr diese Partei nicht mögt.
    Und diese Erklärung warum Ihr diese Partei nicht mögt, sollte auch möglichst sachlich, ganz ohne moral panics und elterliche Schnappatmung erfolgen.
    Es gibt ja wahrlich genug gute und sachliche Gründe, gegen die AfD zu sein.

  • Quynh
    10. September 2019 at 21:54

    Vielen Dank für Deinen Beitrag. Ich sehe das auch so wie Du und die anderen Kommentatoren. Ich habe das Thema heute im Beirat für Integration und Migration von Kreuzberg-Friedrichshain angesprochen und hoffe, dass wir da irgendetwas auf politischer Ebene erreichen. Das wird natürlich noch eine Weile dauern.

  • Alu und Konsti
    10. September 2019 at 21:56

    Danke.

  • Alu und Konsti
    10. September 2019 at 21:56

    Danke.

  • heidi
    24. September 2019 at 17:06

    Ich hatte mich bei Radio Teddy gleich wegen der AfD-Werbung beschwert und bis heute keinerlei Reaktion erhalten. Es ärgert mich. Von einem Kinder- und Familienradio erwarte ich, dass ich meine Kinder unkontrolliert zuhören lassen kann. Ich möchte nicht, dass meine Kinder plötzlich irgendwelche Parolen auf dem Schulhof rufen, weil sie diese bei Radio Teddy gehört haben.
    Die ansonsten sehr langen Werbeblöcke stören mich ebenfalls.

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