In diesem Jahr habe ich das Gefühl, dass der Sommer noch ein wenig auf sich warten lässt. Es ist fast so, als hätte er einen mal kurz besucht, um „Hallo“ zu sagen, um danach wieder um die Ecke zu verschwinden und sich erstmal noch ein wenig auszuruhen, vielleicht Kraft zu schöpfen, für all das, was kommt?
Mit der Ankündigung dieser neuen Jahreszeit sind trotzdem bei mir etliche neue Titel und Sommerbücher eingezogen, Lektüre, die einen an das hohe Gras und lange Abende im Garten denken lassen.
Statt aus dem Fenster zu schauen – Anna Scheidemantel
Dabei hat mir in den letzten Wochen das Buch „Statt aus dem Fenster zu schauen“ von Anna Katherina Scheidemantel sehr gutgetan. Das im POLA Verlag erschienene Buch erzählt die Geschichte eines Sommers und einer Neuausrichtung.

Eine junge Frau entscheidet sich plötzlich für den Ausstieg, für eine Bruchbude und vor allem für alles, was weit weg vom normalen Stresslevel liegt. Die Sprache des Buches ist sehr persönlich und fast lyrisch. Man sieht sich mit ihr durch Mecklenburg radeln, man spürt ihre Zweifel, wenn der Regen durchs Dach ihres Hauses läuft. Man fragt sich, wie sie, wer bin ich in all dem Alltag und man findet seinen Weg zurück, mit ihr gemeinsam. Obwohl weder das Meer noch großartige andere Ziele eine Rolle in diesem Buch spielen bringt es vor allem eines mit beim Lesen: Ruhe für die Lesenden.
Einatmen, Ausatmen – Maxim Leo
Ein weiteres Sommerbuch ist der von Maxim Leo erschienene Roman „Einatmen, Ausatmen“, der (wie jedes seiner Bücher) etwas abgedreht und gleichzeitig nahbar ist. Während man beim Lesen der Geschichte rund um einen Ort in Nord Brandenburg und eine Akademie für Achtsamkeit sofort das Gefühl eines ARD Filmes vor Augen hat, kann man herrlich lachen und sich in all diese schrägen Figuren ein wenig verlieben. Da ist Alex, der Akademie Leiter, der eigentlich zu erschöpft für Achtsamkeit ist und an Panikattacken leidet und da ist Marlene, eine zukünftige Vorständin, die lernen muss, mehr mit Menschen zu interagieren. Auch Baumretter und ein knurriger Hausmeister kommen vor, ich sag ja, der ARD Film läuft dann hoffentlich spätestens 2028.

Einatmen Ausatmen von Maxim Leo
Alt genüg – Ildiko von Kürthy
Zur Sommerlektüre passt übrigens auch das neue Buch von Ildiko von Kürthy „Alt genug“ heißt es und ist eine Mischung auf Biografie und Betrachtung des derzeitigen Zustandes unserer Gesellschaft. Die Autorin ist nämlich „Alt genug“ für vieles. Sie fühlt sich nicht mehr jung, aber auch noch nicht kurz vor dem Ableben und fragt sich in ihrem dünnen Band recht deutlich: Wo bleibt die Freiheit dieser Mitte? Wo bleibt das Leben in all dem alt werden eigentlich? Die Fragen sind berechtigt, denn nur weil es plötzlich irgendwo ziept oder man doch lieber den Platz in der U-Bahn besetzen möchte, heißt das nicht, dass das Leben aufhört. Mit viel Humor schreibt sie über Alltagshürden und Begegnungen mit Menschen, die mit dem Altern ein Problem haben. Schnell gelesen und sicherlich ein gutes Buch für Diskussionen mit den eigenen Kindern oder Nachbarinnen bei Apfelkuchen mit Schlagsahne.

Yesteryear – Caro Claire Burke
Enttäuscht hat mich dagegen das Buch “Yesteryear”, das überall angepriesen wird. Diese überzogene Geschichte einer Trade Wife Influencerin, die nicht nur nach einem Gott strebt, der anscheinend weder Herz noch Hirn hat, sondern auch Drogenprobleme hat und überhaupt mich gelangweilt, genervt und eher gähnend zurückgelassen hat, kann ich nicht empfehlen. Aufgelöst wird die ganze Geschichte dann plötzlich im letzten Drittel eines sehr dicken Romans, den ich gar nicht weitergeben mag, so belanglos fand ich dieses Buch.

Neulich war ich dafür aber im Kino und habe mir den neuen Verhoeven Film „Diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ angesehen. Der Film ist nicht nur eine Hommage an Senta Berger, sondern auch die Verfilmung eines der Bücher von Joachim Meyerhoff, der inzwischen bei Band 6 seiner Familienbuch Reihe angekommen ist. Eine Saga kann man dazu nicht sagen, denn die Bücher sind alle unabhängig voneinander lesbar und gleichzeitig doch miteinander verwoben. Der Kinofilm ist jedenfalls uneingeschränkt zu empfehlen (kann man auch streamen inzwischen) und auch die Buchreihe, rund um das Thema Tod und Familie ist wirklich eine absolute literarische Empfehlung.
Man kann auch in die Höhe fallen – Joachim Meyerhoff
Vor einiger Zeit ist Teil 6 „Man kann auch in die Höhe fallen“ erschienen. Meyerhoff beschäftigt sich in diesem Teil mit sich selbst, seiner Liebe zum Thema und der wichtigsten Frau aller Frauen: Der eigenen Mutter. Liebevoll und niemals humorlos schauen wir in kleinen Anekdoten in das Leben einer 86-jährigen Rentnerin, die ihren Garten und das Baden gehen liebt und ich muss sagen, dass ich von der ersten Minute an gefesselt war. Eine absolute Empfehlung.

Und Urlaub heißt auch: Lesezeit für alle. Also hängen wir im Garten rum.
Katzentage – Ewald Arenz
Wer Wohlfühlbücher braucht, dem sei auch Ewald Arenz „Katzentage“ sehr empfohlen. Das Buch ist nicht besonders dick, aber gespickt mit tollen Worten und einer Erzählung rund um eine fremde Stadt, eine beginnende Liebe und eben eine Katze. Nach dem Buch fühlte ich mich beschwingt und hatte plötzlich Reiselust. Ich war schon kurz davor mir eine Bahnfahrkarte an die Mosel zu kaufen, so schön hat Ewald Arenz das Entdecken kleiner Städte beschrieben.
Die goldene Schreibmaschine – Carsten Henn
Wer Lust auf das Reisen hat, dem sei das Buch ans Herz gelegt und wer lieber Lektüre für die jüngere Generation sucht, dem sei das Buch „Die goldene Schreibmaschine“ von Carsten Henn aus dem Oetinger Verlag ans Herz gelegt. Wie spannend wäre es, wenn wir die Handlungen mit der richtigen Nutzung einer Bibliothek und Schreibmaschinen manchmal selbst ändern könnten, das findet auch Emily und ist damit einem großen Geheimnis auf der Spur. Für Kinder ab 10 Jahren geht eine fantasievolle Reise los und das am liebsten natürlich in einer Bibliothek. Diese sollten wir sowieso alle noch mehr nutzen.
Alle hier empfohlenen Bücher könnt ihr im Buchhandel oder online erwerben (dann erhalte ich einen Bonus), gern auch mein eigenes Buch “Meine Familie, der Krebs und ich” .
Frohes Lesen.
Alu
Das Buch – das uns verändert “Meine Familie, der Krebs und ich” #Krebs




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