7:15 Uhr ich stehe in der Küche und schmiere Brote. Ein Kind mag nur Margarine, das andere möchte jeden Tag Salami essen. Ich schmiere und schmiere Boxen für alle meine Kinder, denn ich möchte nicht, dass sie hungrig in der Schule sitzen. „Mama, kannst du mir heute noch ein paar Brote mehr geben?“ Ich schmiere mehr Brote und freue mich, dass meine 0815 Brote gut ankommen. „Kannst du die Brote in eine weitere Dose packen?“, fragt das Kind und ich packe die Brote in eine andere Dose und soll auch noch einen Apfel und einen Fruchtriegel einpacken. „Für wen packe ich die Dose?“, frage ich und das Kind erzählt mir „dass einige Kinder keine Brote dabei haben, jeden Tag.“

Die Kinder denen die Brote fehlen, müssen in der langen Frühstückspause um 9.45 Uhr nach vorne gehen und sagen, dass sie keine Brote dabei haben und fragen wer mit ihnen teilen möchte.

Mir ist ein wenig übel, denn ich möchte gar nicht wissen wie schlimm das für die Kinder sein muss, die nach vorne gehen und  nach Frühstück fragen müssen.

Hungern in der Schule

 

Ich schmiere und schmiere

Ich schmiere ab diesem Tag noch mehr Brote, zwei Dosen mehr jeden Tag. Ich möchte nicht, dass ein Kind vorne stehen muss um nach Essen zu fragen, ich möchte das nicht.

Beim Elterntag spreche ich mit der Lehrerin. Ich sage ihr, „dass ich das nicht leiden kann dieses vorführen, dieses zeigen auf Armut oder ein mögliches Unversagen der Eltern“  und sie hört zu. Sie sieht den Moment zum Frühstück jedoch als Motivation, dieses nach vorne gehen. Sie sieht es als Aufruf zum Teilen, als Ansporn für die Eltern selbst Brote zu schmieren.

Ich kann das sogar nachvollziehen irgendwie, aber verstehen kann ich es nicht. Wie muss sich das anfühlen für ein Kind und welche Gefühle wird es wohl seinen Eltern gegenüber nach Hause tragen? Wut? Trauer? Unvermögen?

Brotdose Kinder Hungern

Schaut nicht weg

Ich rede mit einer anderen Mutter darüber und wir schmieren mehr Brote eine Zeit lang einfach so. Die Kinder müssen nicht mehr nach vorne gehen, denn es gibt nun genug Brote für alle und es wird fleißig getauscht innerhalb der Klasse. Dinkelstangen gegen Schinkenbrote, Käseschnecken gegen Obst. Eines Morgens sagt mir das Kind jedoch, dass ich keine extra Brote mehr machen muss.

Das Mädchen sei weggezogen.

Auf Nachfrage erhalte ich von anderen Eltern die Auskunft, dass die Mutter mit ihrem Kind seit den Ferien umgezogen sei. Die Wohnungen hier im Bezirk seien zu teuer geworden, sie hätten nun eine Wohnung am Stadtrand, irgendwo draußen.

Ich schlucke und dann schmiere ich weiter Brote. Ich schmiere Brote für meine Kinder die nicht hungrig in der Schule sitzen müssen und ich schmiere auch Brote für andere Menschen wenn ihr welche braucht.

Es sind genug Brote für alle da, kein Kind sollte hungrig in der Schule sitzen müssen. KEINES und wer das erkannt hat, der weiß wie teilen geht (und nein, ich rede nicht davon, dass ihr jetzt alle Brote schmieren sollt).

Wir sehen uns am Samstag.

#GegenKinderarmut

Alu

Armut von Kindern_Brote