Ich weiß es nicht. Ich habe keine Ahnung wie Familie funktionieren soll
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Elternleben Leben mit Kindern

„Ich weiß es nicht, ich habe keine Ahnung“ ist die ehrlichste Antwort die ich euch geben kann.

Vereinbarkeit endet nie für Eltern

Eine der Fragen die ich am häufigsten zu hören bekomme ist die Folgende:

„Wie schaffst du das alles nur?“ 

Meistens führe ich dann aus wie das alles so geht mit der Vereinbarkeit und steige in Begrifflichkeiten der Logistik ein „Timing, Planungswochen, Rapport“ usw. Irgendwann schauen die Fragenden meist zur Seite und dann weiß ich, Puhhh ich bin davon gekommen. Es interessiert sowieso keinen so richtig tief innendrin.

Wir tanzen durchs Leben. Alles nur eine Phase, oder?

Manchmal antworte ich aber auch einfach nur: „Ich weiß es nicht, ich habe keine Ahnung.“ und diese Antwort ist die viel ehrlichere Antwort, denn eigentlich ist das genauso. Die meisten Leute sind mit
dieser Antwort bereits zufrieden und fragen nicht weiter nach. Anderen die nachfragen erkläre ich das dann so:

„Ich weiß es nicht, ich habe keine Ahnung.“

Ich denke nicht so viel darüber nach. Mein derzeitiges Leben entspricht eben dem des Wellenprinzips (beschrieben in „die Alles ist möglich Lüge“ Buch von Garsoffky und Sembach) und ich kann mich in der gelebten Praxis nicht jeden Tag mit der Theorie „der überforderten Generation“ (beschrieben in „Die
überforderte Generation“ von Bertram und Deufhard) auseinander setzen. Ich habe keine Zeit für all die Theorie hinter meinem Leben, ich lebe einfach in der Praxis. Fakt ist, „Ich weiß es nicht. Ich habe keine Ahnung“ ist das anständigste was ich antworten kann.

Ich habe mir mein Leben so gewählt. Ich habe mir den Mann gewählt der an meiner Seite ist, ich habe mir die Kinder gewählt die ich habe und ich habe mir diesen Job gewählt. Es ist derzeit unser Familienmodell was jedoch nicht unumstößlich, oder veränderbar ist.

Sicher, ich bin auch nicht immer froh und die ganze Zeit mit mir selbst zufrieden, aber wenn mich etwas daran stört, dann probiere ich es zu ändern.
Derzeit erlebe ich die „Hochphase der Unvereinbarkeit“, auch die „Rush-Hour“ genannt.
Ich denke bei allen Paaren in denen ein Partner am Ende seiner Dissertation steht, kann man von „Hochphase der Unvereinbarkeit“ sprechen.  Es gibt eigentlich nie genug Zeit für das Einzelne! Es gibt nie genug Zeit für mich selbst, es gibt nie genug Zeit für die Kinder, es gibt nie genug Zeit für die Arbeit, es gibt nie genug Zeit für die Hobbies und es gibt nie genug Zeit für die Paarbeziehung. Es gibt also zusammengefasst nie genug Zeit für Alles.
Aber wäre das anders, wenn ich z.Bsp ein anderes Arbeitsmodell wählen würde? Sicher, es könnten sich neue „Time Slots“ auftun, aber dafür würden andere Dinge dann nicht möglich sein. Es gibt dann eben da noch das Problem des Lebensunterhaltes und ganz ehrlich mit zwei Kindern, einer schönen Wohnung und einem Studenten, der ein auslaufendes Stipendium hat, ist eben auch nie genug Geld für Alles da.
Auch ein Grund warum ich zum Beispiel Vollzeit arbeite, schon so lange. Und so gibt es eben DERZEIT nie genug Zeit für alles in dieser „Hochphase der Unvereinbarkeit“ und das ist ok.
In den nächsten Wochen werde ich mit den Kindern wieder alleine sein. Der Promovend geht ins Exil um sein „Buch“ fertig zu stellen und es wird sicherlich eine richtig harte Zeit mit einem Vollzeitjob
und Kita Betreuungszeiten zwischen 8-17 Uhr. Aber auch das kriegen wir irgendwie hin. Wir haben das besprochen und uns bewusst zu diesem Schritt entschlossen, gemeinsam.

Bereits seit Wochen habe ich logistische Pläne fürs Kinder abholen ausgearbeitet, Familie, Freunde und Sitter mit eingebunden und noch mehr Stunden gearbeitet um die Fehlzeiten durch das Abholen und Bringen der Kinder auszugleichen.

Weil es eben gehen muss und ich nicht die ganze Zeit darüber nachdenken kann wie ich das nun alles schaffen soll. Es ist eben auch nur ein erneuter Zeitabschnitt der zu meistern ist. Ein Zeitabschnitt an dessen Ende dann hoffentlich ein Abschluss und eine neue Zeitphase stehen können. „Ich weiß es nicht, Ich habe keine Ahnung“ wie ich das manchmal alles mache, ich mache es einfach, denn zu viel darüber nachzudenken hilft mir in der Praxis nicht und das ist die ehrlichste Antwort die ich Euch auf die Frage „Wie schaffst du das alles?“ geben kann.

Alu

Mein Beitrag für fruehesvogerl die nach häufigen Fragen fragte. Dazu passt auch Mama-Schulze die die Frage stellt „Wie wuppst du das?“ und sich dafür Interviewpartner gesucht hat.

 

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8 Comments

  • Lukaano
    10. März 2015 at 09:34

    Hallo Alu,
    das hast du wirklich super beschrieben! Irgendwie wurschtelt man sich halt so durch, oder? Weils gehen muss, gehts meistens auch.
    Mein Mann arbeitet gerade Vollzeit und schreibt bis Ende des Jahres seiner Dissertation fertig.
    Ich kenne das also zu gut. Wobei ich zugeben muss, dass ich es mit bisher nur einem Kind und momentaner Teilzeit einfacher habe. Doch irgendwie ist jetzt schon keine Zeit für nichts, deshalb habe ich auch meinen Blog nach dieser Lebensphase benannt.. 😉
    LG, Lukaano

  • Suse / Ichlebejetzt
    10. März 2015 at 10:11

    Ehrlichkeit tut not.
    Aber traurig, daß es keiner so genau wissen will.
    Zuerst mal: Hut ab, daß Ihr (ich sage bewußt "Ihr", denn in einer Partnerschaft sind beide darin mehr als involviert) eine Dissertation MIT Kindern meistert. Der einzige Mann in unserer Familie hat VOR den Kindern promoviert und in der Endphase kamen wir zu Zweit schon an unsere Grenzen. Ich verneige mich ehrfürchtig.
    Toll finde ich, daß das Lebensmodell nicht unumstößlich ist. Das bei Bedarf etwas geändert werden kann. Bevor nicht mehr die Frage "Wie schaffst Du das alles nur?" von der Frage "Wie soll ich das bloß alles schaffen???" abgelöst wird.
    Meine bisherige Erfahrung zeigt: Die Vereinbarkeitsprobleme verschwinden nicht so schnell. Aber e gibt mit steigendem Alter der Kinder mehr Möglichkeiten und offene Zeitslots.
    (Und wenn mal gar nichts mehr geht, dann kommt Ihr einfach auf einen Urlaub hierher nach Franken. Ja?)

    Liebe Grüße
    Suse

  • Frl. Null.Zwo
    10. März 2015 at 19:52

    Wow! Straffes Pensum und extreme Aussichten! Aber so lange ihr euch beide gemeinsam dafür entschieden habt, kann man diese Phase bestimmt gut meistern – auch wenn die alles-Kacke-Tage kommen werden.
    Aber sie gehen auch vorbei!

  • martamam.net
    11. März 2015 at 16:52

    Hallo, ich kenne das auch. Ich habe lange Zeit mit zwei Kindern Vollzeit gearbeitet und nebenberuflich promoviert. Meine Dissertationszeiten in der Endphase waren nachts zwischen 21.00 und 24.00 Uhr. Mein Mann hat dann die Kinder oft noch samstags übernommen, die Oma manchmal sonntags ausgeholfen und irgendwann war es geschafft. Allerdings wäre ich nicht auf die Idee gekommen, ihn mit Vollzeitarbeit und Kindern alleine zu lassen. Das musste irgendwie auch ohne solch eine Auszeit gehen…LG und toi, toi, toi für die kommende Zeit. Martamam

  • Zweifachmama
    11. März 2015 at 18:05

    Liebe Alu,
    danke für deine ehrlichen Worte. Danke für das Thema. "Ich weiß es nicht, ich habe keine Ahnung!" ist die ehrlichste Antwort. die Antwort. Die passt.

    Hut ab und viel Kraft für die anstrengende Zeit, die vor euch liegt!

  • Frühlingskindermama
    11. März 2016 at 09:59

    Ich bewundere Dich auch für das, was Du leistest als Vollzeitarbeitende und Mama. Aber ich finde auch wie eine meiner Vorrednerinnen, dass man mit Vollzeitjob, schwanger und 2 Kindern nicht allein gelassen werden sollte. Gerade, wenn K3 ein Dramakind ist, wie Du manchmal andeutest. Es kann doch immer was passieren! Und im Schwangerschafts-Text schriebst Du, Du wollest die nächsten Monate ruhiger angehen. Das klingt nicht nach ruhiger, ehrlich gesagt. Hoffentlich geht alles gut!!!Liebe Grüße und pass auf Dich auf!

  • alu
    11. März 2016 at 10:27

    Hallo, danke für deine Worte. Der Post ist ein Jahr alt, derzeit mache ich wirklich ruhiger und bereite mich auf K3 vor. : ) lg Alu

  • Frühlingskindermama
    11. März 2016 at 20:26

    Ach Gott, sorry, das hab ich nicht gecheckt! Dann bin ich ja beruhigt…:-)Alles alles Gute für die nächsten Monate!LG!

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