Berliner Schulkrise - der ungewollte Sohn #Nixklusion
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Beliebt Schulkind

Der ungewollte Sohn #Nixklusion

Wir ringen seit langem mit dem Schulsystem. Denn seit dem klar ist, dass K2 besonders anders ist, geht es rund. Es geht um Förderung á la deutsche Bürokratie. Viele Termine irgendwo mit irgendwem, meist für Alu, doch die Male, bei denen ich dabei bin zeigen mir: Irgendetwas stimmt nicht in unserem inklusiven Land.

Bei K1 war alles in Ordnung. Sie hat keinen Anlass zum Anecken gegeben. Ein kluges, charmantes Mädchen, ausreichend angepasst, um an der Schule zu bestehen. K2 ist ein Energiebündel und er nimmt und gibt, viel – für viele zu viel. Denn das, was er gibt, ist besonders. Es strengt an und passt nicht in die Muster, die gutbürgerliche Familien – wie wir – bedienen sollen. Er hat eine Diagnose, ist aber sehr sozial. Er kann überhaupt nicht altersgemäß lesen und schreiben (damit zählt er bundesweit zu 20 % der Grundschüler) doch für eine belesene Familie ist es ein Fleck auf der bourgeoisen Weste.

Unsere Frage war welche Schule schafft unseren „Faulifaulpelz“ (eine Wortschöpfung seiner aktuellen Horterzieherin ) dazu zu bringen selbst motiviert zu lernen?

Zumal es nach dem Umzug verschiedene Gründe und Regelungen gibt wohnortnah zur Schule zu gehen. Zum einen sind es die Wege und zum anderen deutete man uns an, dass irgendwann die Schule selbst beginnt nach Schulen zu suchen, wenn das Kind nicht mehr in dem Stadtbezirk wohnt – das ist Berlin 2019 (Bis 2012 Schulen verkaufen und zuvor schließen und nun 25000 Plätze zu wenig haben), wo bleiben da noch die besonderen Inklusionskinder? Sechsmal bewarben wir uns, immer wieder vorstellen, immer wieder Gespräche, immer wieder Absagen. Das Herz brach so langsam in kleine Stücke. Keiner Schule gefielen wir ausreichend – bis auf einer.

nixklusion_Inklusion mit Schulkind

Speziell aber stylisch

Frei und gut, wir haben uns von Herzen bemüht – wir Eltern. Dann durfte der Sohn zur Probe dort Schüler sein. Das hat viel verändert. Er genoss die Freiheit. Er lernte viel von den anderen Kindern. Gemeinsam entdeckten wir neue Lernformen, eine Schule des Gemeinsamen außerhalb von Leistungsdruck und bis zur 10. Klasse. Doch dann hat er in einem Streit falsch reagiert. Er ist ausfällig geworden und ausgerastet. Die Schüler haben ihn abgelehnt, sie haben ein Veto eingelegt, denn die Kinder reden an dieser Schule mit. Vielleicht hat sich der Sohn zu wohl gefühlt, vielleicht war der Druck zu hoch, wir werden es nie erfahren. Nun ist diese besondere Reise zu Ende.

nixklusion_Inklusion mit Schulkind

Wenn ich nun überlege woran es liegt, gestehe ich mir ein, dass trotz Wut im Bauch, nirgendwo justiziable Schuld liegt. Sicher K2 hätte es besser machen können, doch er war angespannt und im Stress. Jetzt können wir nur nacharbeiten und trösten. Mal wieder. Die Schule? Sie ist ihrem Versprechen und System treu geblieben. Deswegen wollten wir auch dorthin. Viele Tränen sind geflossen, viel Verstörung ist geblieben. Am Ende bleibt die Erkenntnis es gibt sie irgendwo, die guten Schulen, auch für besondere Inklusionskinder. Doch anscheinend ist keine für uns bereit. Wir suchen weiter und verlieren langsam den Glauben an das was immer wieder Inklusion genannt wird, eher #Nixklusion, so fühlt es sich an.

Konsti

Das Märchen von der Inklusion

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