20170326_133651.jpg
0 Liked

Schnipsende Gummibänder im Luftraum – an mein großes Mädchen

An mein großes Mädchen

Elternblog, Mamablog Berlin, Familienblog, Papablog Berlin,
Liebe teilt sich.
Heute habe ich dich in den Arm genommen mein großes Mädchen.
Wir drückten uns ganz fest und ich nahm dein Gesicht zwischen meine Hände.
Deine langen Haare kitzelten meine Hand und ich schaute in die gleiche
Augenfarbe, die ich täglich im Spiegel begrüße. 

Gerade darf ich das, dieses dich
halten, drücken und küssen. Doch, es gibt bereits immer mehr Tage, an denen
deine Körpersprache mir eindeutig zeigt, dass heute kein guter Tag für die
mütterliche Nähe ist. Du stößt mich dann weg, brüllst mich an, oder rennst
stampfend durch die Wohnung. Du nennst es die Wut, stehst auf unserem Balkon
und schreist dir die Seele aus dem Leib. 


Von schnipsenden Gummibändern.

An diesen Tagen verliere ich dich ein bisschen
mein Kind, Stück für Stück. Ich sehe wie du wächst, ganz ohne meine Hilfe in diesem
Moment. Wir nabeln uns ab – du und ich. Ich kann das spüren und es tut weh.
Manchmal,  wenn ich dich nun umarme, dann
spüre ich diese neue Grenze zwischen uns, Luft die sich da zwischen uns schiebt,
wo früher eine grenzenlose Verbindung war. Seltsam fühlt sich dieser neue
Zwischenraum an, wie ein Luftraum vor meiner Brust. Es ist wohl dieses
Loslassen innen drin, was ich dann spüre, also würde einem jemand ein Bauteil
klauen wollen und man hielte es fest mit ewig schnipsenden Gummibändern.


Liebe, die sich teilt und teilt und teilt.


Ich weiß, dass ich das nicht aufhalten kann und sollte, aber erst jetzt
verstehe ich meine Mutter so viel besser als früher. Wie muss es sich für sie
angefühlt haben, als ich mit zehn Jahren ständig unterwegs war, ohne Handy und
ohne Fahrradlicht? Ich habe Angst vor diesem weniger Mama, mehr Freiheitsding,
denn DU bist doch der Anfang von allem, mein Anfang vom Abenteuer Mutter und immerwährende
erste Liebe, die sich teilt und teilt und teilt und teilt….
Elternblog, mamablog, papablog, Familienblog,
Elfenstil.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass du irgendwann ausziehst,
vielleicht weggehst in ein fremdes Land, eine fremde Stadt, mich nicht mehr
brauchst so wie bisher? Ich kann mir nicht vorstellen, wie es sein wird dich
nur noch zum „Hallo und auf Wiedersehen“ zu umarmen und dich dann entschwinden
zu sehen.


Wir werden zusammen wachsen müssen.

Ich will dich stark machen mein großes Kind, dir deine bunte
Welt noch weiter öffnen, dir zeigen meine Große, dass die Liebe grenzenlos ist
und dafür werden wir wohl zusammen loslassen müssen. Wir werden lernen müssen,
dass die entstandene Luft in den Umarmungen sich mit neuen Farben und Begegnungen
füllen kann. Wir werden lernen müssen, dass wir die Luft für das gemeinsame
Atmen und wachsen brauchen. Wir werden gemeinsam lernen müssen großes Kind und
ich werde wachsen an dir und diesen schnipsenden Gummibändern. Sie werden wohl immer
mehr ausleiern und dich hoffentlich eines Tages soweit von mir weg lassen, wie
wir dann beide bereit sind zu gehen.
Alu

4 Kommentare

  • Weil Träumen die wachste Art des Daseins ist

    März 28, 03 2017 07:33:55

    Toller Artikel <3
    LG Scarlet ( https://scarlettheredsite.wordpress.com )

  • Indre Z.

    März 28, 03 2017 02:38:00

    So ein schöner, liebevoller, großzügiger Text. Ganz ähnlich oft meine Gedanken. Und ja, es tut weh. Liebste Grüße von Balkon zu Balkon (auf dem ich manchmal auch gerne schreiend stehen würde; nur trau ich mich das nicht mehr ;)).

  • Pia Laura Fröhlich

    März 29, 03 2017 09:28:05

    Liebe Alu, was für ein schöner Text. Da kommt ja noch ganz schön was auf mich zu.. Liebe Grüße von Laura

  • Katharina Lorber

    März 29, 03 2017 02:08:56

    Liebe Alu. Du schreibst mir mal wieder aus der Seele.

Leave a Reply