Zwar gibt es im Bereich der Reha- und Kureinrichtungen sichtbare Veränderungen, was die therapeutischen Leistungen etc. anbelangt. Es wird immer weniger Angebot, höre ich da oft.
Gleichzeitig erlebe ich in meinem Umfeld und vor allem bei meiner Frau, wie wichtig diese begleiteten Heilphasen sind. Für die Patienten verschiedener komplexer Krankheitsbilder, für Eltern bei Kuren mit Kindern, für die Angehörigen und das Umfeld. Vor kurzem las ich erst darüber, dass in Deutschland zu wenig Gesundheits-Prävention passiert auch hierfür sind Kliniken dieser Art notwendig.

Bei uns war Alu nun zwei Mal auf Reha und Anschlussheilbehandlung (AHB). Das klingt viel, ist jedoch nach einer umfangreichen Krebstherapie sogar noch unter dem Idealplan. Denn eine Rehabilitationsmaßnahme bewilligt zu bekommen ist ein langer Weg zwischen Ärzten, Kassen, Klinik usw. Eine auch menschlich sehr intensive AHB war im Mai 2023. Sie hatte die erste Phase der Behandlung und Chemotherapie hinter sich. An der Ostsee wurde Alu wieder aufgebaut. Dort traf Sie viele andere (junge) Krebspatientinnen. Einige davon durfte ich ebenfalls kennen lernen. Alle sind sie mutige, mitten im Leben stehende Frauen, einige sind heute nicht mehr auf dieser Welt.

Die Kinder und ich besuchten Sie dort. Außerdem telefonierten wir oft. An einem Sonntag sogar zweimal, sie hatte Zeit und ich auch. Dabei berichtete Sie mir, dass Sie jetzt zur Disco mit DJ XYZ gehen würde, sie sei gespannt, wie das so ablaufe. Später am Abend rief meine Liebste mich aufgeregt und außer Atem zurück. „Du kannst dir gar nicht vorstellen was wir gemacht haben.“ [Verwunderte Nachfrage meinerseits] „Der DJ hat viel Schlager gespielt und das letzte Lied war „Ich liebe das Leben“ von Vickey Leandros.“ Und? „Alle haben im Kreis getanzt, das war wunderbar!“ Ich habe mich mitgefreut. Nach dem Telefonat musste ich mir zunächst das Lied anhören. Seither ist es auf unseren Playlists. Alu hat auf dieser Reha noch zwei Mal in der Disco dazu getanzt. Während es Lieder gibt, die Alu seit dem Krebs nicht mehr hören mag, entfaltet dieser Schlager weiterhin seine positive Energie.

Mittlerweile habe ich verschiedenste Varianten und Cover das Liedes gespeichert, die regelmäßig beim Musikhören vorbeikommen. Dabei denke ich jedes Mal an meine Liebste und ihre bewundernswerte Energie. Und ich sehe vor meinem inneren Auge viele Frauen im Kreis in der Mensa der Reha-Klinik an der Ostsee Tanzen, Mitsingen, Mitbrüllen und ihre ganze Wut und Hoffnung in dieses Lied legen. Darüber hinaus denke ich voll Wärme an all die Frauen und Mütter, die zu früh gegangen sind. Vielleicht haben Sie auch die Liedzeile auf den Lippen gehabt, wenn es besonders schwer war, so wie damals in der Disco in der Reha-Klinik: „Nein sorg dich nicht um mich, du weißt ich liebe das Leben.“
Konsti




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